Chronik der Schule zu Frohngau

 

 

Seite 1

Lehrer Josef Beihsel 13. Oktober 1868 bis 12. März 1897

 

Chronik der Schule zu Frohngau

          §. 1. Das Schulhaus

Gegenwärtiges Schulhaus1) wurde gegen Ende der dreißiger

Jahre an der Stelle des alten, weil zu kleinem und dazu bau-

fälligem Schulhauses, aufgeführt. Leider ist die Baute da-

mals allzurasch fertig gestellt worden. Die Gemeinden

Frohngau und Buir, denen als Schulverband die Instandhal-

tung des Schulhauses obliegt, haben die schlimmen Fol-

gen davon schon theuer büßen müssen und werden die Nach-

wehen dauern, so lange dieses Schulhaus besteht. Nament-

lich ist das Mauerwerk der Südwestseite, der sog.2) Schlag-

seite des Gebäudes derart, daß das Wasser im Winter

innerhalb des Schulsaales förmlich heruntertreibt.

Ein Schutzdach von Dachziegeln, nach Abnutzung und

Wiederentfernung dessen ein mehrmals angewen-

deter Bewurf mit Mörtel vermochten das Übel

nicht zu heben. Seit den wenigen Jahren seines Be-

stehens hat das Schulhaus in genannten Reparatur-

arbeiten, in einem neuen mit Mörtel einge-

schmierten Ziegeldach, in neuen Schulfenstern, neu-

er Beplattung der Küche etc. der Gemeinde schon viele

Ausgaben verursacht. Trotzdem sind die Räume des

Schulhauses derart in Unstand, daß man selbige als unbe-

wohnbar bezeichnen muß. Im Schulsaal selbst sind schon

oft Plakaten3) aus der Decke heruntergefallen und nicht in weiter Ferne

wird es nothwendig werden, die Gesamt-De-

cke des Schulhauses zur Hälfte neu  herzustellen, weil die Trag-

lagen der Decke in der nassen Mauer mit der Zeit durch

Fäulnis abgenutzt werden.

 

Zeichenerklärung:

 

Schulhaus 1) = heutiges Pfarrheim

sog. 2) = sogenannten

Plakaten 3)  = Teile                                               

Originalseite

 

 

Seite 2

                    §. 2. Das Lehrerpersonal

Nach häufigem Wechsel der in früherer Zeit mit den Lehr-

kräften an hiesiger Schule stattgefunden, war es der Herr

Lehrer Stappen, der über 30 Jahre lang an hiesiger

Schule tätig war. Nachdem H. Stappen pensioniert wor-

den war, wurde hiesige Schulstelle zwei Jahre lang

von dem Aspiranten Peter Schönenberg verwaltet.

Mit dem Herbste des Jahres 1868 ward die hiesige Schul-

stelle dem im Seminar zu Brühl gebildeten Lehrer

Joh. Jos. Beihsel, der zwei Jahre früher die Winterschu-

le in Buir verwaltet hatte, provisorisch übertragen.

Im Jahre 1874 Sept. den 1. bis 4. machte Beihsel die Wie-

derholungs-Prüfung in Brühl. Aufgrund des hier er-

langten Zeugnisses wurde Beihsel unterm 2. Oktob.

1874 von der Königl. Regierung zu Aachen für be-

fähigt zur definitiven Anstellung im Elementar-

Schulfache erklärt. Aufgrund eines Antrages seitens

des Schulvorstandes von Frohngau u. Buir wurde dem

Beihsel sodann laut Urkunde der Königl. Regie-

rung zu Aachen unterm 16. Nov.1874 die Verwaltung

der Schulstelle zu Frohngau definitiv übertragen.

 

Einzelnes über das frühere Lehrpersonal:

 

Paul Radermacher aus Dorsel hat Lehrerstelle und Kirchen-

dienst versehen vom J. 1802 bis zum J. 1826. Radermacher ist

später Schöffe (Vorsteher) gewesen; er ist sehr alt geworden;

denn er ist erst gestorben im J. 1858.

 

Nach Radermacher sind in Frohngau tätig gewesen:

Riffelen aus Palmersheim, Schmitz von Witscheiderhof,

Poll aus Urfey, Pütz aus Soetenich, Schmitz aus Nöthen,

Stappen aus Alendorf.

 

Herr Lehrer Stappen war im J. 1832 schon in Frohngau; denn

er war mit dabei, als im J. 1832 die Firmlinge der Pfarrei

nach Eiks zur Firmung wurden. Geblieben ist er von da

ab in Frohngau noch nicht; später kam er als Winterlehrer nach

der Filiale Buir und von dort bleibend nach Frohngau. Herr

Stappen starb am 03. Nov.1869. „Segen seinem Andenken!“

 

Originalseite

 

 

Seite 3

          §.3. Die Verwaltungs-Organe

Im Jahre 1868, seit welchem Zeitpunkte Schreiber dieser Zeilen

nur berichten kann, war der Land-Dechant Herr Pfarrer

Nelles von Zingsheim Schul-Inspektor im hiesigen Pfleg-Be-

zirke des Kreises Schleiden, der zu jener Zeit in zwei Schulbezirke

eingeteilt war. Auf Herrn Nelles folgte als Schul-Inspektor

Herr Tellers, Rektor an der Besserungs-Anstalt in Steinfeld.

Bei der besseren Regelung der Schulverhältnisse durch mannig-

fache nützliche Schulgesetze wurde vom 1. Oktober 1874 ab

Herr Dr. Phil. Ratte zum Kreis-Schul-Inspektor für die Kreise

Schleiden und Montjoie4) berufen. Mittels Verfügung Königl.

Regierung vom 23. Februar 1875 wurde Herr Pfarrer Wurth

von hier als Lokal-Schul-Inspektor entlassen und an seiner Stel-

le der Herr Kataster-Kontrolleur Jackle von Buirhaus er-

nannt. Von großem Belang für das Gedeihen der Schule war

die unterm 15. Jan. 1874 durch Königl. Regierung zu Aachen

erlassene Instruktion über die Behandlung der Schulversäum-

nisse in den Elementarschulen, sowie die diesbezüglich spe-

ziellen Verfügungen des Königl. Landratsamtes zu Schleiden.

Da nebst Handhabung dieser Instruktion auch zweimal im

Jahre die vorgeschriebene Entlassungs-Prüfung stattfand,

und die Kinder erst nach zurückgelegtem gesetzlichen Alter

entlassen wurden, so begannen Eltern wie Schüler die

Schule mit ganz anderen Augen anzusehen.

 

Mit dem 1. April 1877 erhielten die Lehrer des Kreises Schlei-

den zum Kreis-Schulinspektor den Rektor Herrn Vandenesch.

An Stelle unseres bisherigen Kreis-Schulinspektors Herrn

Vandenesch, der als Regierungs- und Schulrat nach Minden

versetzt wurde, erhielten wir unterm 13. Januar 1888 in dem

Herrn Dr. Schaffrath einen neuen Kreis-Schulinspektor.

 

Zeichenerklärung:

Montjoie4)  = Monschau

 

Originalseite

 

 

Seite 4

          §.4. Die Schulfesttage

Von jeher war es wie anderorts so auch in unserer

Schule Brauch und Sitte, den Geburtstage Sr. Majestät des

Königs und Kaisers in feierlicher Weise zu begehen. Durch

patriotische Vorträge und Gesänge wurde dieser Tag

verherrlicht und das Schlußgebet der Feier an diesem Ta-

ge in der Intention verrichtet, Gott wolle den Landesvater

noch lange zum Heile des Landes erhalten. Seit dem

Jahre 1872 wurde auch der 2te September, der Siegestag von

Sedan, in patriotischer Weise gefeiert. Ueber die Art u.

Weise der Feier dieses National-Gedenktages ward jedes-

mal der vorgesetzten Behörde Bericht erstattet. Am

Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers, sowie bei Gelegenheit

der Sedanfeier wurden sämtliche Schulkinder mit

Brezeln beschenkt. Am 10. März des Jahres 1876, dem 100-

jährigen Geburtstage der hochseligen Königin Louise,

fand zur Ehre und zum Ruhme der Frühverklärten

eine entsprechende Schulfeier statt. Zum ersten Male

wehte auch an diesem hehren Tage die neue Schulfah-

ne "Germania" zur Ehre der hochseligen Landesmut-

ter Preußens und Deutschlands.

 

 Originalseite

 

 

Seite 5

          § 5. Die Besoldung

Laut Kompetenz‑Verzeichniß vom 31. Dezember 1868 waren

damals die mit der Schulstelle verbundene Emolumente folgen-

de: 1. Freie Wohnung im Schulgebäude; 2. Brandholz von der Ge-

meinde Frohngau, wie jeder nutzungsberechtigte Einwohner

letzterer Gemeinde; 3. Ein jährliches Fixum von 180 Thlrn., geschrie-

ben: einhundertundachtzig Thlrn., wovon die Summe von

einhundert u. vierzig Thalern aus den betreffenden Gemeindekas-

sen Frohngau-Buir und der Rest von vierzig Th­lrn. durch Staats-

Zuschuß gezahlt wird; 4. Einen Garten resp. bis zu dessen Be-

schaffung eine aus den genannten Gemeindekassen zu zah-

lende Vergütung von jährlich fünf Thlrn.

 

Zu der Lehrerbesoldung von 180 Thlrn. kam im Jahre 1872 ein

weiterer Staats-Zuschuß von 70 Thlrn., somit betrug die Besol-

dung seit 1872 zweihundert u. fünfzig Thlr.. Dazu kam vom 1. Ja-

nuar 1873 ab ein weiterer jährlicher Staats-Zuschuß von 25

Thlrn. Die Lehrerbesoldung betrug also jetzt zweihundert fünf

und siebzig Thlr.. Bei dieser Regelung des Lehrgehalts wur-

de zu gleicher Zeit die Gemeinde um 100 Thlr. entlastet. Die-

se 100 Thlr. übernahm der Staat zu der früheren Stellen-Zu-

lage. Der Staat zahlte daher zu hiesiger Schulstelle: 40 Thlr., 70

Thlr., 25 Thlr. u. 100 Thlr; in Summa: zweihundert fünf u. dreißig

Thlr. Staats-Zuschuß. Die Gemeindekassen hatten nunmehr

nur 40 Thlr. zur Schulstelle zu leisten, welche nebenbei be-

merkt auch durchs Schulgeld der schulpflichtigen Kinder auf-

gebracht wurden.

 

An der Gehalts-Regulierung im Jahre 1875, wo das Minimum

der Lehrerstelle auf 900 Mark gesetzt wurde, hatte der Lehrer

hiesiger Schulstelle keinen Vorteil, weil ihm, als Inhaber

der Küsterstelle, die zum Minimalsatze fehlenden 75 Mark

aus den kirchlichen Neben-Einkünften in Anrechnung

gebracht wurden.

 

Originalseite

 

 

Seite 6

          § 6. Die Küsterstelle

Im Herbste 1868, am 13. Oktober, fing Unterzeichneter, als Leh-

rer nach Frohngau berufen, die Schule in Frohngau an.

Der frühere Lehrer, Herr Stappen, versah noch die Küsterstelle.

So lange man wußte, war in Frohngau die Küsterstelle

mit der Lehrerstelle verbunden gewesen. In der Nacht

nach dem Allerseelentage 1869 starb Herr Lehrer Stappen.

Auf Wunsch des alten Herrn Pfarrers Wurth nahm ich zu

Neujahr 1870 die Küsterstelle an und so war von diesem

Tage an die Küsterstelle wieder mit der Lehrerstelle in alther-

kömmlicher Weise verbunden. Alles ging nun gut, bis zu dem

Tage, wo das Lehrergehalt auf 900 M erhöht wurde; da wurden

mir aufgrund meines kirchlichen Einkommens jedes Jahr

67 M 50 Pf aufs Lehrergehalt angerechnet. Ich hatte also nicht,

wie meine Kollegen, 900 M als Lehrer, sondern nur 832,50 M.

Mit dem 1. April 1886 trat das neue Pensionierungsgesetz in

Kraft. Herr Kreis-Schulinspektor Vandenesch wollte jetzt

die mit den Schulstellen verbundenen kirchlichen Ämter,

der etwa eintretenden Pensionierung wegen, genau ge-

regelt wissen. Und so sagte er zu mir im Dezember 1886,

wo er mich in dieser Angelegenheit nach Schleiden bestellt

hatte: "Er könne aus den Akten gut nachweisen, daß in

Frohngau die Küsterstelle mit der Lehrerstelle altherkömm-

lich verbunden sei." Der oben genannt Abzug aber ist

geblieben bis zur Neuregulierung des Gehaltes am 01.

April 1896. In diesem J. 1896/1897 habe ich mein Lehrergehalt

voll und ganz bezogen.

 

Originalseite

 

Seite 7

Chronik der Schule zu Frohngau in chronologischer  Aufeinanderfolge

 

 

          Frohngau den 2. Sept. 1872

 

Gemäß Verfügung der königlichen Regierung vom 12. August 1872,

wurde heute, d. 2. Sept. zum Ersten Male der glorreiche Tag der

Einnahme von Sedan in unserer Schule festlich begangen.

 

Zur Eröffnung der Feier wurden Beispiele echter, thatkräftiger

Vaterlandsliebe vorgeführt, wie z. B. Pionier Klinke, Feldwebel

Probst u. a. um die Gemüther der Kinder in patriotische Stim-

mung zu versetzen. Daran knüpfte der Lehrer sein eigenes

Wort der Belehrung an und legte den Kindern dar, wie die

Schule den Beruf habe, die Kinder mit einem hinreichenden

Maße von Kenntnissen u. Fertigkeiten auszustatten, damit

sie später als wohlgeschulte Bürger dem Staate Ehre machten u.

zu seiner Hebung zu han­deln und Hand anzulegen wüßten;

wie die Schule die Aufgabe habe, den Knaben Anleitung im

Turnen zu geben, um so zu ihrer späteren militärischen Lauf-

bahn einen Anfang zu machen und so dem Staate einen

kleinen Dienst zu leisten, wie es endlich gerade Pflicht der

Schule sei, in Gemüth, Herz und Sinn der Kinder Patriotis-

mus zu erwecken, damit sie als deutsche Männer und deutsche

Frauen ihr Vaterland lieben und schätzen lernten.

 

Nun wurde die Preußische Volkshymne von einem Kin-

de deklamiert und dann vom ganzen Chor gesungen.

Hiermit ward die Feier im Schulsaal selbst geschlossen, a-

ber wir wollten unse­rer patriotischen Stimmung auch

öffentlich Ausdruck geben; deshalb verließen wir das Schul­-

haus und begaben uns ins Freie. Wir zogen in geordne-

ter Reihe nach dem bei unserem Dorfe gelegenen Wäld-

chen „Harth.“ Während des Zuges sangen wir das Turner-

lied: „Turner ziehe froh dahin!“ Den Abhang des Waldes hin-

an ward der Düppeler  Marsch angestimmt: „Frisch auf Kame-

 

Originalseite

 

 

Seite 8

raden zum Sturm heran und zeiget, was der Preuße kann!“

Auf der Höhe angelangt, sangen wir die Wacht am Rhein:

„Es braust ein Ruf wie Donnerhall“ und „Wer will unter

die Soldaten.“ Zum Schluß sangen wir wieder das oben

erwähnte Turnerlied, worauf der Lehrer die Kinder ent-

ließ, welche unter lautem Jubel sich nach Hause begaben.

Da sich die Feier schon über die vormittägigen Schulstun-

den erstreckt hatte und auch die Hälf­te der Schuljugend ent-

fernt von der Schule wohnt, so haben wir des Nachmittags

gefeiert, d. h. den Schulunterricht zur Verherrlichung

des Tages ausgesetzt. So verlief der 2te September in

heiterer und froher Stimmung für Lehrer und Schüler.

 

Beihsel Lehrer

 

          Frohngau, d. 22. März 1873

 

Heute ward das Geburtsfest Sr.5)  Majestät des Kaisers,

durch patriotische Vorträge, Deklamationen und

den Gesang vaterländischer Lieder in festlicher Weise

gefeiert. Das Schlußgebet wurde für den hehren

Landesherrn zum Himmel emporgesandt.

 

Beihsel Lehrer

 

Zeichenerklärung:

Sr.5)  = Seiner

 

 

          Frohngau, d. 2. September 1873

 

Es ward dieses glorreichen Tages von Sedan durch

Unterhaltung mit den Kindern über die passenden

geschichtliche Ereignisse, durch Deklamation einschlagen-

der Gedichte, sowie durch patriotische Gesänge in feierlicher

Weise gedacht.

 

Beihsel Lehrer

 

          Frohngau, d. 22. März 1874

 

Heute ward das Geburtsfest Sr.5)  Majestät des Kaisers,

durch patriotische Unterhaltung, durch Deklamation u.

Gesang vaterländischer Lieder festlich begangen.

Das Schlußgebet ward für unseren hehren Landesvater

verrichtet.

 

Beihsel Lehrer

 

Originalseite

 

 

Seite 9

          Frohngau, d. 9. September 1874

 

Die Sedanfeier ward in diesem Jahre in hiesiger Schule nicht

begangen, die Schule ward ausgesetzt, weil der Lehrer vom

1. bis zum 4. September im Seminar zu Brühl seine Wie-

derholungs-Prüfung machte.

 

Beihsel Lehrer

 

 

          Frohngau, den 22. März 1875

 

Auf Anordnung des seit dem 23. Sept. zum Lokal-Schulinspektor

berufenen Kataster-Controleurs Herrn Jackle war die Feier

des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers auf 10 Uhr anberaumt.

Der Schulvorstand war zu dieser Feier eingeladen. Nach einer

Ansprache des Lehrers über die Bedeutung des Tages wechselten

zur Verherrlichung des Festes patriotische Deklamationen und

Gesänge miteinander ab. Das Schlußgebet ward für den hohen

Landesvater gemeinschaftlich verrichtet.

 

Beihsel Lehrer

 

 

          Frohngau, d. 24. März 1875

 

Zum Erstenmal fand am heutigen Tage eine Schul‑ und

Entlassungsprüfung statt, welcher der Lokalschulinspektor

Herr Jackle, so wie andere Mitglieder des Schulvorstandes bei-

wohnten. Es bildet dieser Tag einen Wendepunkt in der Ge-

schichte unserer Schule, einen Wendepunkt zum Besseren,

einen Wendepunkt zur Ordnung. Bis jetzt behielten die El-

tern die Kinder, wenn sie das gesetzliche Alter erreicht hatten,

ja manchmal auch noch früher, von der Schule zurück. Von

einer Entlassungsprüfung war keine Rede. Diese Anord-

nung hatte nun ihr Ende erreicht. Bei der gewissenhaften

Behandlung der Schulversäumnisse nach der unter dem 15. Jan.

1874 von der königlichen Regierung zu Aachen erlassenen

Instruktion, wagte es keiner mehr sein Kind der Schule zu

entziehen, bis es bei der um Ostern oder vor den Herbst­fe-

rien stattfindenden Schulprüfung wirklich entlassen wor-

den war. Daß die nun immer nach Vorschrift stattfindende

Entlassungsprüfung bei den zu entlassenen Schülern einen

regen Fleiß und großen Eifer zum Lernen hervorrief, ver-

dient noch besonders der Erwähnung. Dank zur Ordnung!

 

Originalseite

 

 

Seite 10

 

Bei der heute abgehaltenen Prüfung wurden entlassen:

Kirch Mathias und Schnichels Elisabeth, beide aus Buir.

 

Beihsel Lehrer

 

 

          Frohngau, d. 2. Sept. 1875

 

Die heutige Feier des Tages von Sedan war von dem

Lokal-Schulinspektor Herrn Jackle auf ein Halb10 Uhr anbe-

raumt. Auch der Schulvorstand war zur Feierlichkeit einge-

laden. Das Fest wurde gefeiert durch Unterhaltung über die

Ereignisse von Sedan, durch Deklamation geschichtlicher Ge-

dichte und durch Vortrag vaterländischer Gesänge.

 

Beihsel Lehrer

 

          Frohngau, d. 23. Sept. 1875

 

Auf den heutigen Tag ward vom Lokal-Schulinspektor Herrn

Jackle die Schul- und Entlassungs-Prüfung angesetzt.

Es wurden dabei aus der Schule entlassen: Radermacher

Barbara aus Frohngau, und Kurth Gertrud und Müller

Anna Maria aus Buir.

 

Beihsel Lehrer

 

 

          Frohngau, d. 10. März 1876

 

Gemäß Verfügung Königl. Regierung vom 24, Februar

1876 ward am heutigen Tage der 100 jährige Geburtstag Ihrer

Majestät der hochseligen Königin Louise von Preußen in

entsprechender Weise begangen. Zur Ehre und zum Ruhm

der Frühverklärten ward der hochseligen Königin edles

Leben an der Hand eines Geschichtsbüchleins mit den Kin-

dern durchgegangen. Zum besseren Verständnis wurden

den Kindern die notwendigen Erläuterungen über Par-

tien aus den Freiheitskriegen gegeben. Das bewegte Geschichts-

büchlein ward uns zum Zwecke dieser Feier vom Bürgermei-

sterei-Amte eigens zugesandt worden. Zum Erstenmale

machte auch an diesem hehren Tage die neue Schulfahne „Ger-

mania“ zum Ruhm der Hochseligen Landesmutter von

Preußen und Deutschland.

 

Beihsel, Lehrer.

Originalseite

 

 

Seite 11

 

          Frohngau, d. 22. März 1876

 

Die Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers ward vom

Lokal-Schulinspektor Herrn Jackle auf halb 10 Uhr anberaumt.

Der Schulvorstand war auch zur Feier erschienen. Nach kurzer

Unterhaltung des Lehrers mit den Kindern über die Bedeutung

des Tages wechselten zur Verherrlichung des Festes Deklamati-

onen patriotischer Gedichte und Vaterlandslieder miteinan-

der ab. Deklamiert wurden: „Derflinger“; „Frobens Aufopferung“;

„Ziehten“; „Blücher“ und „der freie deutsche Rhein“. Im Gesang ka-

men zum Vortrag: „Die preußische Volks-Hymne: Heil Dir im

Siegerkranz!“ „Laßt Lieder erschallen!“ „O du Deutschland ich muß

marschieren!“ „Der Trompeten Schlachtgeschmetter“; „Morgenroth“;

und „Die Wacht am Rhein“. Den Kindern wurden darauf für

ihre fleißige Beteiligung Zuckerbrötchen und Bier verabreicht.

So verlief die Feier in der heitersten Stimmung. Das Schluß-

gebet ward gemeinschaftlich für den Theuren Landesvater ver-

richtet

 

Beihsel Lehrer

 

 

 

          Frohngau, d. 10. April 1876

 

Bei der heute im Beisein des Lokal-Schulinspektors Herrn

Jackle abgehaltenen Schulprüfung wurden aus der Schule

entlassen: Evertz Susanna und Kirch Susanna, beide von

Frohngau. Die genannten Kinder wurden unter Einhän-

digung ihrer Zeugnisse mit den besten Segenswünschen

fürs Leben entlassen.

 

Beihsel Lehrer

 

 

          Frohngau, im Juli 1876

 

An einem Donnerstag des vorstehenden Monats Juli ver-

sammelten sich die Lehrer und Aspiranten des Conferenzbezir-

kes Nettersheim zu einer gemeinschaftlichen Conferenz

in unserem Schullokal. Auch der Lokal-Schulinspektor Herr

Jackle und der Herr Bürgermeister Nelles waren zur Confe-

renz erschienen. Als praktische Conferenz-Arbeit wurde die

geometrische Aufgabe „das Viereck“ vorgeführt. Die verschie-

denen Arten des Dreiecks, seine Ausmessung und Berechnung

wurde veranschaulicht durch Zeichnung an der Schultafel. An

mehreren praktischen Aufgaben aus dem Leben wurde das

 

Originalseite

 

 

Seite 12

 

Erlernte geübt und erhärtet. Dem ganzen Vorgang folg-

te die Versammlung mit der gespanntesten Aufmerksam-

keit. Zum Schluß wurden von den Kinder die Naturlie-

der: „Zufriedenheit: Was frag ich viel nach Geld und Gut!“ u.

„Reisesegen: Wem Gott will rechte Gunst erweisen!“ gesun-

gen

 

Beihsel Lehrer

 

 

          Frohngau, d 2. September 1876

 

Die Feier des glorreichen Tages von Sedan begann auf

Anordnung des Lokal-Schulinspektors Herrn Jackle bald

nach 9 Uhr. Die Schulfahne „Germania“ wehte zur Ver-

herrlichung des Tages und der Schulvorstand war zur

Festfeier erschienen. Er wurde in einer Unterredung des

Lehrers mit den Kindern daran erinnert, wie hochmüthig

und prahlerisch Napoleon diesen ungerechten Krieg begann,

und wie schrecklich er bald darauf am Tage von Sedan

gestürzt wurde. Darauf wurden als Deklamation vorge-

tragen und nach dem jedesmaligen Vortrag gesungen

die nachfolgenden patriotischen Gedichte: „Soldatenlied von

1870: König Wilhelm saß ganz heiter“; „Nach Paris: Weißen-

burg, Weißenburg!“ „Die Kaiserjagd: Nun rings die

Fahnen aufgehängt!“ und: „Napolium: Was kräucht dort

in dem Busch herum?“ Das Schulgebet wurde an diesem

Tage verrichtet um Gottes Segen herabzuflehen über un-

ser gemeinsames deutsche Vaterland. Von Kindern wur-

den bei dieser Festfeier Brezeln verabreicht.

Beihsel Lehrer

 

 

          Frohngau, d. 6. Oktober 1876

 

Am heutigen Tage wurde in Gegenwart des Lokal-Schul-

Inspektors des Herrn Jackle und des Schulvorstandes die

Schul- und Entlassungs-Prüfung vorgenommen. Es

wurden nach Austeilung der Entlassungs-Zeugnisse mit

den besten Segenswünschen fürs Leben entlassen folgende:

Hoevel Christian u. Kirch Joseph von Frohngau und Müller

Christian von Buir.

Beihsel, Lehrer.

Originalseite

 

 

Seite 13

 

          Frohngau, d. 22. März 1877

 

Zu der heute stattfindenden Feier des Geburtsfestes Sr. Majestät

des Kaisers Wilhelm I. hatten sich außer dem Lokal-Schulinspektor

dem Herrn Jackle der Schulvorstand und noch besondere Schul- u.

Jugendfreunde eingefunden. Mit einer kurzen Ansprache des

Lehrers an die Kinder ward die Feier eröffnet. Er legte  in dersel-

ben dar, wie unser erlauchtes Herscherhaus, das Haus Hohenzol-

lern sich um die Volksschulen besonders verdient gemacht habe;

ja, daß die Volksschulen oder das Volksschulwesen in Preußen ein

Muster für ganz Deutschland. Dieser Ansprache folgten ein drei-

maliges Hoch auf S. Majestät und die Preußische Volks-Hymne:

„Heil Dir im Siegerkranz!“ Zur Verherrlichung des Tages wurden

dann Deklamationen vaterländischer Gedichte und patriotische Ge-

sänge vorgetragen. Deklamiert wurden: „Der Held von König-

grätz“ und „Von den preuß. Generalen“; Gesungen: „Laßt Lieder er-

schallen!“ Deklamiert: „Steinmetzlied und „Unsrern Husaren“ Ge-

sungen: „Morgenroth“; Deklamiert: „Siegeslied zum 3. Juli 1866“ und

„Am 3. Juli 1866“; Gesungen: „Der Trompeten Schlachtgeschmetter“. De-

klamiert: „Der Vater und der Sohn“ und „Der Lorbeerkranz“. Gesun-

gen: „Ich bin ein Preuße!“ Deklamiert: „Ein neues Lied“ und:

„Der siebentägige Krieg in Böhmen“; Gesungen: „Friedrich

Karl, der rothe Reiter“. Von Kindern wurden darauf Zucker-

plätzchen und auch Brezeln ausgeteilt. Aber auch noch durch

ein anderes Geschenk sollte grade dieser Geburtstag ausge-

zeichnet werden und in Andenken bleiben. Es wurde näm-

lich den Kindern und auch den Festfreunden ein Abdruck

des künftigen „National-Denkmals auf dem Niederwald“

eingehändigt, worunter in einem Gedichte zur steten

Erinnerung niedergelegt war daß Sr. Majestät der Kaiser

mit dem heutigen Tage ein Jubelgreis von 80 Jahren sei.

Das Schlußgebet ward in der Intention verrichtet, daß Gott,

der Lenker der Geschicke der Menschen, der unser Vaterland

nach außen groß und stark gemacht hat, auch im

Innern einigen und kräftigen wolle.

Beihsel, Lehrer.

Originalseite

 

 

Seite 14

 

 

          Frohngau, d. 23. März 1877

 

Bei der heute in Gegenwart des Lokal-Schulinspektors

abgehaltenen Schul- und Entlassungs-Prüfung wurden

aus der Schule entlassen: Schabeau Joseph von Frohngau,

Joepen Susanna, Müller Christian und Müller Johann

von Buir.

 

Beihsel Lehrer

 

          Frohngau, im August 1877

 

An einem Donnerstag des Monats August versam-

melten sich die Lehrer und Aspiranten des Conferenzbezir-

kes Nettersheim hierselbst  zu einer gemeinschaftlichen

Spezial-Conferenz. Der Lokal-Schulinspektor war durch

Krankheit verhindert der Conferenz beizuwohnen. Nach-

dem der oberen Stufe einige praktische Aufgaben aus

dem Leben (Termin- und Zinseszins-Rechnung) zur stillen

Beschäftigung gegeben worden, wurde mit Schülern der

niederen Stufe die Conferenz-Aufgabe: „Gebrauch der Re-

chenmaschine“ vorgenommen. Nach dieser praktischen

Übung überhörte der Conferenz-Vorsteher, Lehrer Giesen

von Nettersheim, die von der oberen Stufe vorgetragenen

Arbeiten. Zum Schluß wurde das Lied: „Menschenliebe“ ge-

sungen, das die Versammlung besonders ansprach.

 

Beihsel Lehrer

 

          Frohngau, d. 2. September 1877

 

In diesem Jahre fiel der 2. Sept. auf den Sonntag und da-

rum ward die Sedanfeier vom Lokal-Schulinspektor

Herrn Jackle auf den Samstag verlegt. Außer dem Lo-

kal-Schulinspektor hatten sich auch einige Schulfreunde

zur Feier eingefunden. Eröffnet wurde die Feier mit

einer kurzen Ansprache des Lehrers, deren Kernpunkt

war: Frankreich habe seinen Kaiserthron verloren,

und in Deutschland sei ein  einiges starkes deutsche

Reich entstanden mit Kaiser Wilhelm an der Spitze“.

Verherrlich wurde das Fest durch Deklamation und Ge-

sang folgender patriotischer Gedichte: „Lied zum Jahre 1870:

König Wilhelm saß ganz heiter etc.“ Nach Paris: Weißenburg

die Kaiserjäger: „Nun rings die Fahnen ausgehängt!“ Napolium

 

Originalseite

 

 

Seite 15

 

„Was kraucht dort in dem Busch herum?“ und „Die deutschen Ka-

noniere von 1870: „Ihr tapferen Kanoniere dort oben auf

der Schanz!“ In dem Schlußgebet ward das neue deutsche Reich

dem Himmel warm empfohlen.

 

Beihsel Lehrer

 

 

          Frohngau, d. 4. Oktober 1877

 

Auf Anordnung des Lokal-Schulinspektors, des Herrn Jackle,

ward heute die Schul- und Entlassungs-Prüfung abgehalten.

Es wurden dabei entlassen: Radermacher Hubert von Frohngau,

Bertram Matthias, Hansen Johann, Kurth Susanna und Schni-

chels Katharina von Buir. Den abgehenden wurden ihre Zeug-

nisse eingehändigt und heilsame Unterweisungen fürs Leben erteilt.

 

Beihsel Lehrer

 

          Frohngau, d. 22. März 1878

 

Heute begingen wir in unserer Schule den Geburtstag Sr.

Majestät des Kaisers Wilhelm I. in festlicher Weise. Mit Krän-

zen von frischem Grün mit Blumen geziert ward der Schul-

saal festlich geschmückt und die neue Schulfahne „Germa-

nia“ wehte zur Feier des Tages. Mehrere Schulfreunde hatten

sich im Schulsaale eingefunden und der Lokal-Schulinspektor

Herr Jackle, durch Unwohlsein verhindert, dem Feste selbst

beizuwohnen, war vertreten durch seinen ersten Sekretair.

Der Lehrer eröffnete die Feier des Tages wie folgt:

Wir haben uns heute hier versammelt zur Feier des Geburts-

tages Sr. Majestät Wilhelm I. König von Preußen und Kai-

ser des deutschen Reiches. Geboren 1797 d. 22. Maerz erreichte

unser theurer Landesvater im vorigen Jahr an diesem Tage

das seltene Alter von 80 Jahren, wovon es im goldenen

ABC heißt: „80 Jahre ein Greis“. Mit dem heutigen

Tage vollendet also unser hehrer Jubelgreis, dem die Geschich-

te den Beinamen: „Wilhelm der Siegreiche“ gegeben hat

sein 81stes Lebensjahr. In allen Schulen des großen Vater-

landes wird der Geburtstag des Landesvaters festlich began-

gen. Auch wir wollen nicht die letzten sein! Auch wir wol-

len den Geburtstag Sr. Majestät ergreifen und benutzen

als eine willkommene Gelegenheit, unserm theuren

 

Originalseite

 

 

Seite 16

 

Landesvater den schuldigen Tribut der Ehre, Achtung und Liebe

zu zollen und darzubringen. Stimmt daher mit mir Alle ein

in den Hochruf: S. Majestät der Kaiser Wilhelm I. soll leben:

„Hoch, hoch, hoch!!!“ Daran schloß sich die preußischer Volks-Hymne

„Heil dir im Siegerkranz!“ welche mit großer Begeisterung

gesungen wurde. Darauf hob der Lehrer wieder an wie

folgt: Zur Verherrlichung der vaterländischen Gedenktage, de-

ren wichtigster und erster ja doch der Geburtstag des Landes-

vaters ist, pflegt man patriotische Gedichte und Gesänge

vorzutragen. Auch wir haben uns aus dem schönen reich-

geschmückten Kranze vaterländischer Dichtungen manche

der schönsten Blumen ausgewählt, zu einem Strauße

zusammengebunden und wollen den nun am heuti-

gen Tage auf den Altar des Vaterlandes legen. Auch wir

haben uns auf patriotische Gedichte und Vaterlandslieder

vorbereitet, um den Geburtstag des theuren Landesvaters da-

mit festlich zu begehen. Diese vaterländischen Lieder und Dich-

tungen haben für uns einen mehrfachen Zweck und

Nutzen. Ersten dienen sie uns, wie schon bemerkt, zur Feier

der vaterländischen Feste und Gedenktage. Zweitens treten

sie in anspruchsvoller Weise in den Dienst des Geschichts-Unter-

richtes; denn der sie Ereignisse, die sich in unserem Vaterlan-

de zugetragen haben vorführen und besingen, so sind sie

ja selbst für die Kinder ein recht faßlicher, ansprechender und 

fesselnder Geschichts-Unterricht. Drittens rühmen und be-

singen sie die Thaten der Helden, die sich ums Vaterland

verdient gemacht haben. Sie wecken dadurch auch in unserer

Brust Eifer zur Nachahmung, Vaterlandsliebe und Patriotismus.

Zur Verherrlichung des Geburtstages unseres theuren Lan-

desvaters, zur Kenntnis der Geschichte unseres Vaterlandes u.

zur Erweckung und Belebung unserer Vaterlandsliebe

wollen auch wir heute die gesammelten Dichtungen und

Gesänge vortragen. Es wechselten darauf Deklamationen

und Lieder in folgender Weise ab: Deklamiert wurden:

„Blücherlied“, „Blücher“ und „Auf Scharnhorsts Tod“. Gesungen:

„ Jäger-Kriegslied: „Frisch auf zum fröhlichen Jagen!“ Dekla-

 

Originalseite

 

 

Seite 17

 

miert: „Pionier Klinke“, Gesungen: „Gott mit uns! 1864: „Vorwärts

Preußens wackre Streiter!“ Deklamiert: „Feldwebel. Protest!“ Gesungen:

Düppler-Marsch: „Frisch auf Kameraden zum Sturm heran und

zeiget, was der Preuße kann! Hurrah, hurrah, hurrah !!!“

Deklamiert: „Der Held von Königsgrätz“, der Vater und der Sohn“ u.

der Lorbeerkranz. Gesungen; „Ich bin ein Preuße!“ Deklamiert:

„Soldatenlied von 1870!“ und „Welscher Tand und deutsche That!“

Gesungen: „Nach Paris!“ „Weißenburg, Weißenburg! Hei wie brau-

sen wir dadurch!“ darauf wurden den Kindern die Brezeln

ausgeteilt, woran sich nach Wunsch der Versammlung der

Gesang: „Die Wacht am Rhein!“ anschloß. Das Schlußgebet leite-

te der Lehrer ein mit folgenden Worten: das Schlußgebet wol-

len wir am heutigen Tage in der Intention und Meinung

verrichten, daß Gott, der Lenker der Völker und Länder, der, wie die

hl. Schrift sagt, auch die Herzen der Könige leitet wie Wasserbäche,

durch gnädige Führung Sr. Majestät uns schenken und verlei-

hen wolle was dem Vaterlande frommt. Vater unser ect

 

Beihsel Lehrer

 

          Frohngau, d. 17. April 1878

 

 

Auf Anordnung des Lokal-Schulinspektors, des Herrn Jackle ward

heute die jährliche Schulprüfung und Entlassungsprüfung ab-

gehalten. Außer dem Herrn Lokal-Schulinspektor hatten sich

einige Schulfreunde dazu eingefunden. Bei der Prüfung wur-

de ein besonderes Augenmerk auf die zu entlassenden Kin-

der gerichtet. Es kamen an diesem Tage zur Entlassung nachbe-

zeichnete Kinder: Kirch Johann, Werner Johann, Lingscheid

Anna Barbara, Witzeler Anna Maria und Schnichels Elisa-

beth von Frohngau sowie Müller Elisabeth von Buir.

Zum Schluß der Prüfung wurden von der Singklasse mehrere

Lieder vorgetragen, woran sich von Seiten des Lehrers eine

Ansprache an die abgehenden Kinder anschloß. An das erste

Lied: „Es kann ja nicht immer so bleiben!“ knüpfte der Lehrer die

Worte daß das Leben  voll Wechsel und Veränderlichkeit sei. Auch

ihre Tage würden nicht immer so rosenrot und himmelblau

sein, wie sie sich jetzt das Leben ausmalten, auch ihr Lebens-

pfad würde durch frohe, aber auch durch trübe Tage führen, wie

 

Originalseite

 

 

Seite 18

 

der Dichter es bildlich so schön ausdrückt mit den Worten: „Es ru-

fen in der Zeiten Schooße die schwarzen und die weißen Loose.“

Indeß würden sie sich ihre Lebenstage, ob es finstere, ob es klare,

versüßen, wenn sie sich bemühten, so viel an ihnen läg, mit

allen Menschen in Frieden und Eintracht zu leben; denn da-

durch würde die Erde, wenn auch ein Jammerthal, zum Para-

dies. Durch das nachfolgende Lied: „Menschenliebe“ das sie ihrem Ge-

dächtnisse tief einprägen sollten, würden sie immer wieder

daran erinnert werden. Der Inhalt der beiden genannten

Lieder hat mehr unseren gesellschaftlichen Verkehr in diesem Er-

denleben im Auge; zur Erreichung unseres ewigen Zieles

der Glückseligkeit im Jenseits bedürfen wir einer anderen

Stütze. Zum Schluß wurde daher das Lied von dem dreifachen

Führer durch dieses Erdenleben, das Lied von den drei schönsten

Lebensblumen: „Glaube, Hoffnung und Liebe“ gesungen. Das-

selbe beginnt: „Einen goldnen Wanderstab ich in meinen

Händen hab. Unter Einhändigung ihrer Zeugnisse wur-

den darauf hin die abgehenden Kinder unter den besten Se-

genswünschen entlassen.

 

Beihsel Lehrer

 

          Frohngau, d. 4. Juli 1878

 

Am gestrigen Tage hatten wir Spezialkonferenz in Weyer u.

wir hörten daselbst zu unserer nicht geringen Bestürzung,

daß man Sonntag, den 2. Juni, wieder ein Attentat auf das Le-

ben unseres allergnädigsten Kaisers Wilhelm I. gemacht hat-

te. Dieses bot mir Veranlas­sung heute Morgen, den 4. Juli, nach dem

gewöhnlichen Schulgebete die Schuljugend auf die verbrecherische

That und auf das Treiben religionsloser Menschen hinzuweisen.

Es wurde so dann erwähnt, daß unser geliebter Kaiser, der Lan-

desvater ist, wie der Vater das Haupt der Familie, und daß es

daher unsere Pflicht und die Pflicht eines jeden treuen Landes-

kindes sei, dem Himmel für die gnädige Rettung unseres

theuren Landesvaters zu danken. Um diesem Dank Ausdruck

zu geben, sangen wir darauf das Vaterlandslied" Unser Kai-

 

Originalseite

 

 

Seite 19

 

ser Wilhelm lebe lang! o Gott erhalt uns ihn!

 

Beihsel Lehrer

 

          Frohngau, d. 2. September 1878

 

Heute ward der Tag des glorreichen Sieges von Sedan in

unserer Schule in festlicher Weise begangen. Außer dem

Lokal-Schulinspektor, dem Herrn Jackle, hatten sich noch meh-

rere Schulfreunde zu der Feier eingefunden. Eröffnet wur-

de die Feier durch eine Ansprache des Lehrers an die Schulju-

gend etwa folgenden Inhalts: Wir feiern heute einen

vaterländischen Gedenktag. Es ist der Gedenktag des glorrei-

chen Sieges bei Sedan, wo Napoleon III. der uns frevelmü-

thig den Krieg erklärt hatte, mit seinem Heere gefangen

genommen wurde. Aber nicht diese Schlachten sind es, die

uns zur Festfreude stimmen, die Niederlage der Franzosen

ist es nur indirekt, welche uns den Tag von Sedan fei-

ern läßt, nein!! Es sind vielmehr die Errungenschaften

der deutschen Waffen, es ist mit einem Worte gesagt,

die Wieder-Errichtung des deutschen Kaiserreiches, die

uns heute mit Freude und Jubel erfüllt. Allerdings

weisen die vaterländischen Gedichte und die patriotischen

Gesänge, mit denen wir das Fest verherrlichen, auf blu-

tige Schlachten hin, weil sie uns an die geschichtlichen That-

sachen erinnern und darum in die Zeit des Kampfes zu-

rückversetzen müssen. Daß dabei mancher derbe Hieb

auf unser Nachbarland, auf Frankreich fällt, damit ge-

schieht ihnen nur Recht; denn ohne jeglichen Grund haben

sie heimtückischer weise die Fackel des Krieges in un-

sere friedlichen deutsche Gaue hinein geworfen. der Kern-

und Brennpunkt unserer Sedanfeier aber ist und bleibt

die deutsche Einigkeit und die Wieder-Errichtung des deut-

schen Kaiserreiches. Schon während des Krieges hatten die

deutschen Krieger als Waffenbrüder auf blutiger Bahn

die Einigkeit besiegelt. Die Fürsten des deutschen Volkes

 

Originalseite

 

 

Seite 20

 

setzten dieser deutschen Einigkeit die Krone auf, indem sie

gemeinsam unserm greisen Heldenkönige die deutsche

Kaiserkrone antrugen. Es wechselten darauf zur Verherrli-

chung des Tages folgende patriotischen Deklamationen und

Gesänge: Dekl. „Der 19. Juli 1870.“ Ges. „Die Wacht am Rhein.“ Dekl.

„Welscher Tand und deutsche That!“ Ges. „O du Deutschland!“ Dekl.

„Nach Paris!“ Ges. „O Elsaß!“ Dekl. „Die Rosse von Gravelotte.“

Ges. „Morgenroth!“ Dekl. „Der Schmied von Sedan.“ Ges. „Nun

rings die Fahne ausgehängt.“ Dekl. und Gesang: „Napo-

lium.“ Dekl. „Kaiser Wilhelm.“ Ges. „Unser Kaiser Wilhelm lebe!“

Zum Schluß sprach der Lokal-Schulinspektor und betonte da-

bei, wie es richtig angegeben worden, daß nicht die Nieder-

lage der Franzosen als solche am heutigen Tage zur

Festfreude stimmen, aber dennoch hätten wir Alle und je-

der Einzelne Ursache uns zu freuen; denn der Staat bilde

eine große Familie und es könne daher auf jedes Mit-

glied dieser Familie nur eine wohltätige Rückwirkung

haben, wenn der Staat mit Ehre und Ruhm bestehe.

Die Kinder mahnte er darauf, die Schulzeit weise

und gut zu benutzen, um dereinst als Staatsbürger

ihre Stelle in Staat und Leben gut auszufüllen.

 

Beihsel Lehrer

 

          Frohngau, d. 20. September 1878

 

Es ward auf diesen Morgen vom Lokal-Schulinspektor

Herrn Jackle die Entlassungsprüfung anberaumt.

Die Kinder, welche das gesetzliche Alter hatten, wurden

entlassen und zwar: Evertz Thomas, Hoevel Albert und

Notarius Johann von Frohngau, sowie die Müller

Helena von Buir. Als Schluß wurde das Lied: „Menschen-

liebe“ gesungen. Die Abgehenden wurden mit den bes-

ten Glückwünschen entlassen und ihnen die Zeug-

nisse später eingehändigt.

 

Beihsel Lehrer

Originalseite

 

 

Seite 21

 

          Frohngau, d. 13. März 1879

 

An dem heutigen Morgen fand unter dem Vorsitze des Lo-

kal-Schulinspektors Herrn Jackle die Jahres-Prüfung der Schule

statt. Auch das Schulvorstandsmitglied Hubert Kurth war bei

der Prüfung anwesend. Die Prüfung erstreckte sich über Rechnen,

Sprachlehre, Geschichte und Gesang. Im Gesang wurden vorgetra-

gen: Vaterlandslied: „Laßt Lieder erschallen!“ Naturlied: „Sehn-

sucht nach dem Frühlinge.“ Schullied: „Freut euch der Schule!“ Da

keine Kinder das gesetzliche Alter erreicht hatten, so fand keine

Entlassung von Schülern statt. Des Nachmittags ward vom H.

Lokal-Schulinspektor den Schulkindern frei gegeben.

 

Beihsel Lehrer

 

Frohngau, d. 22. März 1879

 

Zur Feier des Geburtstages unseres allergnädigsten Kaisers

Wilhelm I. versammelte sich heute der Schulvorstand, ein Ver-

treter des Lokal-Schulinspektors, sowie sonstige Schulfreunde im

Schullokale. draußen flatterte im Frühlingswinde die neue

Schulfahne „Germania“. Die Feier im Schulsaale wurde einge-

leitet mit folgender Ansprache des Lehrers an die Schuljugend:

Wir begehen heute einen vaterländischen Gedenktag. Es ist der

Geburtstag unseres allergnädigsten Kaisers Wilhelm I. Geboren

am 22. März 1797 erreicht Seine Majestät am heutigen Tage

das seltene Alter von 82 J, ein Alter, das keiner seiner Vorgänger

erreicht hat. In allen Schulen des großen Vaterlandes wird die-

ser Tag froh und festlich begangen. Auch wir wollen in der

Feier des heutigen Tages nicht zurückbleiben. Auch wir wol-

len den Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers begrüßen als

eine willkommene Gelegenheit, unserm theuren Landes-

vater den Tribut unserer Ehre und Hochachtung zu zollen.

Zur Verherrlichung des Festes haben wir und mit vaterländi-

schen Gedichten versehen, mit patriotischen Gesängen aus-

gerüstet, die wir als Sträuße und Kränze auf den Altar

des Vaterlandes legen zum Ruhm Sr. Majestät des Kaisers.

Eröffnen wollen wir die Feier mit einem dreimaligen

Hoch auf unseren großen Kaiser. Stimmt daher alle mit ein

 

Originalseite

 

 

Seite 22

 

in den Jubelruf: Unser allergnädigster Kaiser, Wilhelm, der

siegreich soll leben: Hoch! hoch! hoch!

Es wechselten darauf Deklamationen und Gesänge mit-

einander ab, wie folgt: Gesang: „Dem König sei mein

erstes Lied!“ Deklamation: „Kaiser von Deutschland.“ Gesang: „Heil dir

im Siegerkranz!“ Deklamation: „Barbarossa, die Sage vom Kyff-

häuser und Rothbarths Abschied.“ Gesang: „Die Wacht am Rhein.“

Deklamation: „Meister Erwins Heerschau.“ Gesang: „O Elsaß, o Elsaß.“

Deklamation: „Borussia!“ Gesang: „Ich bin ein Preuße!“

Darauf wurde jedem Kinde eine Brezel verabreicht, die

sie sich wohlschmecken ließen. Zum Schluß richtete der Leh-

rer folgende Worte an die Kinder:

„Gottes Schutz und Segen hat unverkennbar auf unserem

Heldenkaiser, Wilhelm I. geruht. Großes hat der Herr durch

ihn gewirkt zum Ruhm und zur Ehre des Vaterlandes.

Ein hohes Alter hat der Herr Ihm zugedacht. Möchte es Ihm

auch von der Huld des Herrn vergönnt sein  am Abende

seines Lebens seinem großen Werke dadurch die Krone auf-

zusetzen, daß durch seine väterliche Vermittlung dem

theuren Vaterlande auch das kostbare Kleinod des in-

neren Friedens geschenkt wurde. Daß dieser unser sehn-

licher Wunsch in Erfüllung gehe, wollen wir den König

des Himmels und der Erde, der auch die Herzen der Köni-

ge leitet wie Wasserbäche, mit unserem demüthigen

Gebete anflehen. In dieser Intention wollen wir auch

unser heutiges Schulgebet verrichten. Beim Abtreten

wurde den Kindern noch eine Brezel verabreicht und

somit die Feier mit Freude und Jubel beschlossen.

 

Beihsel Lehrer

 

 

          Frohngau, d. 11. Juli 1879

 

Am heutigen Tage feiern S. Majestät der Kaiser und

König Wilhelm und Ihre Majestät die Kaiserin und Kö-

nigin Augusta das Fest der goldenen Hochzeit. Dasselbe

ist ein Familienfest wie es noch kein Königspaar des

Hohenzollernschen Hauses begangen hat, es ist aber auch

 

Originalseite

 

 

Seite 23

 

ein Nationalfest, welches dem preuß. und deutschen Vol-

ke den willkommenen Anlaß gibt, dem theuren Landes-

vater, dem Kaiser und Könige Wilhelm und der theuren

Landesmutter, der Kaiserin und Königin Augusta aber-

mals seine Liebe und Verehrung zu bezeugen.“

Mit diesen schönen Worten machte die hohe Schulbehör-

de ihre untergebenen Lehrer auf den bevorstehenden wich-

tigen Tag der goldenen Hochzeit unseres Hohen Kaiserpaa-

res Wilhelm und Augusta aufmerksam. Aber es bedurfte

dieser Anregung nicht!  Regte es sich doch aller Orten und

Enden diesen hochwichtigen Tag würdig zu begehen. Zwar

beabsichtigte man an Höchster Stelle das freudige Fest als

trauliches Familienfest zu feiern, aber das Land, die treuen

Landeskinder ließen sich die Freude nicht nehmen mit

in den Jubel des ergebenen Fürstenhauses einzustimmen.

Wie sollte nun da die Schule, die Leiterin der zukünftigen

Nation, müßig zusehen können. Die Betheiligung

der Schule war eine rege und allgemein. Auch unser

Schulsaal war mit Kränzen, Girlanden und Inschriften

festlich geschmückt, wie noch nie, die Schulfahne „Germania“

flatterte im Morgenwinde und patriotische Gedichte wechsel-

ten ab mit beliebten Vaterlandsliedern, die weithin in

die heitere Luft des hellen Tages erschallten.

Eröffnet wurde die Feier in Gegenwart unserer Schul-

freunde durch folgende Ansprache des Lehrers an die Schul-

jugend: „Kinder! Ein seltenes Fest begehen wir heute.

Selten ist es im bürgerlichen Leben; aber noch weit sel-

tener auf den Thronen der Fürsten und Könige. Unser

Hohes Kaiserpaar: Kaiser Wilhelm und Kaiserin Augusta.

Sie haben das Glück gehabt zu erleben den Tag ihrer

goldenen Hochzeit, der Jubeltag ihrer fünfzigjährigen

Verehelichung. Ruhm und Ehre gebührt ihnen darum;

denn nur auf dem Wege der Mäßigkeit und Weisheit

konnten sie diesen Tag erleben. Wenn im gewöhnlichen

 

Originalseite

 

 

Seite 24

 

Leben ein glückliches Ehepaar die goldene Hochzeit

feiert, so finden sich Kinder und Enkel, Verwandte und

Bekannte ein zum Jubeltage, um das glückliche Jubel-

paar zu beglückwünschen. Was die Familie im Klei-

nen ist, das stellt der Staat im Großen dar und Kai-

ser und Kaiserin sind Landesvater und Landesmut-

ter. Wie ruhmreich hat sich Kaiser Wilhelm bewährt

als wahrer Landesvater. Wie lag ihm stets des Vater-

landes Wohl und Wehe so sehr am Herzen! Unsere

theure Landesmutter, die Kaiserin Augusta, wie so

oft hat sie sich gezeigt und bewiesen als wahre

Landesmutter. Zur Zeit des Krieges stellte sie sich mit

der Hohen Frau Kronprinzessin Viktoria an die Spitze

der vaterländischen Frauenvereine, die es sich zur

Aufgabe stellten, für die Verwundeten und Kran-

ken Heil- und Pflegemittel, Lab- und Stärkungsmit-

tel zu beschaffen. Zur Zeit des Friedens nahm sie bei

Gelegenheit ihrer Anwesenheit in dieser oder jener

Stadt an Leid und Freud ihrer Landeskinder innigen

und herzlichen Anteil.  Ja oft setzte sie ihrer Anwe-

senheit einen Denkstein in milden Stiftungen und

Geschenken. Haben Kaiser und Kaiserin sich so als Lan-

desvater und Landesmutter sich bewiesen, so wollen

auch wir treue Landeskinder sein. Stimmt daher

alle mit Herz und Mund mit mir ein in den

Freudenruf: Unser Hohes Jubelpaar: Kaiser Wilhelm

und Kaiserin Augusta, Sie sollen leben: Hoch!!!

Darauf erschallten zum Ruhme des Jubelpaares patri-

otische Gesänge und Deklamationen ab in folgender

Abfolge: Gesang: „Heil unserm König Heil!“

Deklamation: Kaiser von Deutschland, Kaiser Wilhelm, Königin

Luise, der Harfner.“ Gesang: „Dem König sei mein erstes Lied!“

Deklamation: „Mein Vaterland.“ Gesang: „Preisend mit

 

Originalseite

 

 

Seite 25

 

viel schönen Reden.“ Deklamation: „Barbarossa, die Sage vom Kyffhäuser

und Rothbarths Abschied.“ Gesang: „Es braust ein Ruf wie Don-

nerhall.“ Deklamation: „Meister Erwins Heerschau.“ Gesang:

„Elsaß, o Elsaß!“ Deklamation: “Der Lorbeerkranz, Borus-

sia.” Gesang: „Ich bin ein Preuße!“ Darauf wurde in kur-

zen Worten dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß Gott, der

Vater des ganzen Weltalls, noch lange unser geliebtes Jubel-

paar erhalten wolle zu Nutz und Frommen des Vaterlan-

des. Diesem Wunsche wurde sodann laut Ausdruck gegeben

in dem Gesang: „Unser Kaiser Wilhelm lebe lang! O Gott er-

halt uns Ihn!“ In dieser Intention wurde auch das Schluß-

gebet verrichtet.

 

Beihsel Lehrer

 

 

          Frohngau, d. 2. September 1879

 

Am Nachmittage des heutigen Tages ward das Gedächtniß des

glorreichen Sieges von Sedan in unserer Schule in festlicher

Weise begangen. Als Einleitung suchte der Lehrer in einer kur-

zen Ansprache es den Kindern nahe zu legen, warum gerade

ein Gedenktag zur Erinnerung des Sieges der deutschen Waf-

fen über die Franzosen angeordnet sei. Er wies dabei darauf

hin, wie die Blätter der Weltgeschichte dieses rechtfertigten;

da fände sich nämlich aufgezeichnet, wie Frankreich von

jeher der Erbfeind von Deutschland gewesen; besonders sei ihm

Preußen, das sich in den Freiheitskriegen so ruhmreich erho-

ben und behauptet habe, ein Dorn im Auge gewesen. Gra-

de in dem letztbegonnenen Kriege habe Frankreich es da-

rauf abgesehen gehabt, Preußen zu demütigen. Groß sei

darum auch die Freude und der Jubel wegen des so glor-

reich errungenen Sieges. Es wechselten darauf zur Ver-

herrlichung des Festes folgende Deklamationen und Gesänge

miteinander ab: Deklamation: „ der 17. Juli 1870.“ Gesang:

„Frisch auf zum fröhlichen Jagen!“ Deklamation: „Die Wacht

am Rhein.“ Gesang: „Weißenburg.“ Deklamation: „Kaiser Wilhelm.“

Gesang: „Elsaß, o Elsaß!“ Deklamation: „Die Rosse von Gravelotte.“

Gesang: „Morgenroth.“  Deklamation: „Der Schmied von Sedan.“

 

Originalseite

 

 

Seite 26

 

Gesang: „Preisend mit viel schönen Reden.“ Deklamation:

„Die deutschen Kanoniere von 1870.“ Gesang: „ Ihr tapferen Kano-

niere dort oben auf der Schanz`!“ Deklamation: „ Mein

Vaterland, der Harfner, Königin Luise von Preußen.“ Gesang:

„Heil dir o Kaiser, Heil!“ Das Schlußgebet wurde in der

Intention und Absicht verrichtet, der Himmel möge uns

fr. gütigst schenken und gewähren, was zum Schutz und

frommen des theuren Vaterlandes diene.

 

Beihsel Lehrer

 

 

          Frohngau, d. 22. September 1879

 

Auf den heutigen Morgen ward vom Lokal-Schulinspek-

tor Herrn Jackle die Entlassungs-Prüfung angeordnet.

Nach vorgenommener Prüfung wurde von den Kindern,

welche das gesetzliche Alter erreicht hatten, zur Entlassung

reif erklärt  der Schüler Anton Schabeau von Frohngau.

Dagegen wurden die Schüler Jakob Werner von Frohngau

und Matthias Kurth von Buir und die Schülerin Mar. Cäcilia

Müller von Buir wegen noch mangelhafter Schulbildung

nicht entlassen, sondern angehalten, die Schule das Win-

ter-Halbjahr noch zu besuchen. Es wurden die Lieder ge-

sungen: „Es kann ja nicht immer so bleiben“ und:

„Wohlauf noch gesungen im trauten Verein!“

 Nach dem Schlußgebet wurde der Schüler Anton Schabeau

mit den besten Glückwünschen entlassen und ihm das

Entlassungs-Zeugnis eingehändigt.

 

Beihsel Lehrer

 

 

          Frohngau, d. 20. März 1880

 

Da der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers auf den Mon-

tag in der Karwoche fiel, so ward von der Königl. Regierung

die Feier desselben auf Samstag d. 20. März angeordnet.

Wie in den früheren Jahren, so wurde auch in diesem

Jahre dieser Tag in unserer Schule festlich begangen.

 

Originalseite

 

 

Seite 27

 

Zur Feier hatte sich eingefunden ein Vertreter des Lokal-

Schulinspektors Jackle. Eröffnet wurde die Feier durch

eine kurze Ansprache des Lehrers. Anknüpfend an das Wort

der hl. Schrift: „Eine Ehrenkrone ist der Altar, auf dem Wege

der Gerechtigkeit wird sie erworben,“ suchte er den Kindern

die Bedeutung des Tages zu Gemüthe zu führen. Er schilderte

den jungen Staatsbürgern, wie S. Majestät unser allver-

ehrter Kaiser Wilhelm, nicht nur als Landesvater, sondern

auch besonders wegen thätigen, mäßigen und soliden

Lebens Ehre und Achtung verdienen. An das auf unseren

theuren Landesvater, Kaiser Wilhelm den Siegreichen, aus-

gebrachte Hoch schlossen sich sodann folgende patriotischen Ge-

dichte und Gesänge an. Gedicht: „Kaiser von Deutschland.“

Lied: „Vom Kaiser sei mein erstes Lied.“ Gedicht: „Kaiser W.“

Lied: „Die preußische Volkshymne. Vorträge: „Barbarossa, die Sa-

ge vom Kyffhäuser und Rothbarths Abschied.“ Lied: „Die

Wacht am Rhein.“ Gedicht: „Meister Erwins Heerschau.“ Lied:

„O Elsaß!“ Gedicht: „Mein Vaterland. Lied: Preisend mit

viel schönen Reden.“ Vortrag und Gesang: Was ist des

deutschen Vaterland?“ Gedichte: Königin Luise von

Preußen, der Harfner und der Lorbeerkranz. Lied: „Heil,

unserm Kaiser, Heil!“ Gedicht: Borussia. Lied: „Ich bin ein

Preuße!“ Darauf wurden unter die muntere Schulju-

gend Brezeln verteilt. Als Schlußgesang folgte das Lied:

„Unser Kaiser Wilhelm lebe lang! o Gott erhalt uns ihn!

Es wurde dann im Anschluß an dieses Lied das Schluß-

gebet in der Intention und Meinung verrichtet,

der Himmel möge das Leben unseres theuren Lan-

desvaters schützen, erhalten und seg-

nen zum Heil und Segen des ganzen deutschen

Vaterlandes.

Beihsel Lehrer.

Originalseite

 

 

Seite 28

 

 

          Frohngau, d. 25. März 1880

 

Die Schul- und Entlaßungsprüfung ward vom Lokal-Schul-

Inspektor Herrn Jackle auf Mittwoch, den 24. März anbe-

raumt. Da der Herr aber durch Unwohlsein daran gehindert war,

am bestimmten Termin zu erscheinen, so wurden die

zu entlassenden Kinder auf Anordnung des Lokal-Schul-

Inspektors auf Donnertag-Nachmittag zur Prüfung vorgela-

den. Aus dem Schulvorstande erschien im Schullokale der

Gemeindevorsteher Hubert Kurth von Frohngau.

Sämtliche Prüflinge hatten das zur Entlassung bedingte

Alter und wurden nach eingehender Prüfung mit Rück-

sicht auf ihre Fähigkeiten und Anlagen der Entlassung

reif erklärt. Der abgehenden Schüler waren acht; nämlich:

Kirch Anna Katharina, Schnichels Wilhelm und Werner Jakob

von Frohngau; ferner Hansen Elisabeth, Joepen Anna Mar.,

Kurth Matthias Gerhard, Müller Georg und Müller Cäcilia

Mar. von Buir. Als Schluß trugen die acht abgehenden

Kinder das Lied vor: „Einen goldnen Wanderstab, ich in

meinen Händen hab.“ Unter Einhändigung ihrer Zeug-

nisse und den besten Lehren und Segenswünschen

fürs Leben wurden darauf die Kinder entlassen.

 

Beihsel Lehrer

 

 

          Frohngau, d. 2. August 1880

 

Am heutigen Tage, dem ersten Montage des Monats

August versammelten sich die Lehrer des Spezialbezirks

Nettersheim zu einer gemeinschaftlichen Conferenz in

unserem Schullokale. Die III. St. bekam zur schriftlichen

Beschäftigung „den nackten einfachen Satz“; die II. St.

bearbeitete nach kurzer mündlicher Unterweisung

den erweiterten einfachen Satz. Mit der I. St. unterhielt

 

Originalseite

 

 

Seite 29

 

sich der Lehrer über den zusammengesetzten Satz und zeigte

durch die von den Kindern angeführten Beispiele, daß derselbe

in seinen manchfachen Formen den Schülern zum Verständ-

nis gebracht sei. Zum Schluß sangen die Kinder das Vaterlands-

lied: „ Laßt Lieder erschallen!“ und das Gesellschaftslied: „ Es kann

ja nicht immer so bleiben!“ Darauf wurde von Lehrer Beihsel

die Aufsatzarbeit vorgelesen über das selbstgewählte Thema:

„Die Kenntnis der Sätze leistet dem Aufsatzunterrichte wesent-

liche Dienste“. Diese aufgestellte These, sowie die Begründung der-

selben fand allgemeinen Beifall. Eine lebhafte Diskussion

aber entwickelte sich bei der Frage, wie man den Kindern

die Kenntnis und das Verständnis der Sätze und Satzformen

vermitteln kann. Die im Haus des Lehrers Beihsel statt-

gehabte Fortsetzung des collegialischen Zusammenseins

der Lehrer verlief und schloß in der heitersten Stimmung.

 

Beihsel Lehrer

 

 

          Frohngau, d. 2. September 1880

 

Wie in den früheren Jahren, so sollte gemäß Verfügung

Königl. Regierung besonders in diesem Jahre der 10jährige

Gedenktag des glorreichen Sieges bei Sedan in allen

Schulen festlich begangen werden. Nachdem die Schuljugend

im schullokal versammelt war, erschien auch der Herr

Lokalschulinspektor um der Feier mit anzuwohnen.

Eröffnet wurde die Feier durch folgende Ansprache des

Lehrers: Wir haben uns heute versammelt zur Feier

eines vaterländischen Gedenktages. Es ist der 10jährige

Gedenktag des glorreichen Sieges bei Sedan, den wir

heute festlich begehen. Gemäß dem Wunsche der hohen

Behörde soll dieser Tag gefeiert werden zur bleibenden

Erinnerung an die großen Thaten welche das deutsche

Volk erzielt hat im Kampfe gegen unser Nachbarvolk, die

 

Originalseite

 

 

Seite 30

 

unruhigen Franzosen. Die deutschen Waffenthaten sollen

stets im Gedächnisse der deutschen Jugend bleiben. Einst in den

Frankreichkriegen machten sich unsere Väter vom Joche des Ein-

dringlings, vom Joche des übermütigen Eroberers, vom Joche

des Tyrannen Napoleon I. los. Unsere Brüder haben sich ihrer

Väter würdig gezeigt. Sie haben einmütig mit kühner

Hand die freche Herausforderung zum Kriege zurück-

gewiesen. Frankreich ist geschlagen und gedemütigt

worden. Doch weit entfernt sind wir davon, den heuti-

gen Tag zu feiern, um Leidenschaft gegen Frankreich

an den Tag zu legen. Nein, wir besingen in Gedichten

und Liedern die Thaten unserer Brüder, um unsere junge

Brust zu erwärmen und zu entflammen zu treuer

Anhänglichkeit an Fürst und Vaterland, um unsere Her-

zen zu stählen mit Liebe zum Vaterlande und zum

angestammten Herrscherhause. es wechselten sodann

folgende Deklamationen und Gesänge zur Festfeier

miteinander ab: Dekl.: „Der 19. Juli 1870.“ Ges.: „Frisch auf zum

fröhlichen Jagen.“ Dekl.: „Die Wacht am Rhein.“ Ges.: „O du Deutsch-

land, ich muß marschieren.“ Dekl.: „Soldatenlied von 1870.“ Ges.:

„Weißenburg.“ Dekl.: „Welscher Tand und deutsche That.“ Gesang:

„Was kraucht dort in dem Busch herum?“ Dekl.: „Die Rosse von

Gravelotte.“ Ges.: „Morgenroth.“ Dekl.: „Die tapferen Krieger

von 1870.“ Ges.: „Ihr tapferen Kanoniere.“ Dekl.: „Der Schmied

von Sedan.“ Ges.: „Nun rings die Fahnen ausgehängt.“ Dekl.: „Kaiser

Wilhelm.“ Ges.: „Elsaß, o Elsaß!“ Das Schlußgebet wurde

verrichtet, um Gottes Schutz und Segen über das deutsche

Vaterland herabzuflehen.

Beihsel Lehrer

 

Originalseite

 

 

Seite 31

 

          Frohngau, d. 7. September 1880

 

Bei der heute stattfindenden Schul- und Entlassungsprüfung,

welche unter dem Vorsitze und Leitung des Lokal-Schul-

inspektors Herrn Steuer-Inspektor Jackle vor sich ging,

wurden nachgenannte Schüler der Entlassung reif er-

klärt: Bins Joseph, Hoevel Johann, Schnichels Christian von

Frohngau und Müller Nicolas von Buir. Nachdem den Ab-

gehenden die bereits fertig gestellten Zeugnisse einge-

händigt worden, wurden sie in einer Ansprache des H.

Lokal-Schulinspektors unter den besten  Glück- und Segens-

wünschen entlassen.

 

Beihsel Lehrer

 

 

          Frohngau, d. 22. März 1881

 

Zu der Festfeier des Geburtstages Sr. Majestät unseres allverehr-

ten Landesvaters Kaisers Wilhelm hatten sich, außer

sämtlichen Schulkindern auch einige Schulfreunde einge-

funden. Nach einer kurzen Ansprache des Lehrers wurde die

Feier eröffnet durch ein dreimaliges Hoch auf unseren

teuren Heldenkaiser. Daran schloß sich die preußische Volks-

hymne: „ Heil dir im Siegerkranz.“ Darauf wechselten

folgende Deklamationen und Gesänge miteinander

ab: „Kaiser Wilhelm;“ „Die deutsche Kaiserkrone;“ „Kaiser

von Deutschland.“ Ges.: „Dem Kaiser sei mein erstes Lied.“

Dekl.: „Rothbarts Abschied.“ Ges.: Die Wacht am Rhein.“ Deklam.:

„Meister Erwins Heerschau.“ Ges.: O Elsaß, o Elsaß.“ Dekl.:

„Gruß an das Vaterland.“ “Deutsches Weihelied.” Ges.: „Laßt

Lieder erschallen.“ Dekl.: „Mein Vaterland.“ „Das deutsche

Vaterland.“ Ges.: Preisend mit viel schönen Reden.“ Dekl.: „Das

Lied der Deutschen.“ „Des Deutschen Vaterland.“ Ges.: „Was ist des

Deutschen Vaterland?“ Dekl.: Borussia.“ Ges.: „Ich bin ein Preuße.“

Zum Schluß ward das Lied gesungen: unser Kaiser Wil-

 

Originalseite

 

 

Seite 32

 

helm lebe lang! O Gott erhalt`uns ihn!“ In der Intention

dieses Liedes wurde dann auch das Schlußgebet der Schule

verrichtet. Darauf erhielt jedes Schulkind zwei Bre-

zeln und wurde so die Festfreude unter dem frohen

Jubel der Schuljugend beschlossen.

 

Beihsel Lehrer

 

 

          Frohngau, d. 7.  April 1881

 

 

Unter dem Vorsitze und unter der Leitung des Lokal-

Schulinspektors Herrn Steuer-Inspektor Jackle  fand heute

nachmittag die Schul- und Entlassungsprüfung statt.

Die Schulkinder: Hehs Gertrud, Evertz Johann und Ling-

scheid Peter, sämtlich aus Frohngau, hatten das zur Entlas-

sung erforderliche Alter; sie wurden darum auch, da

sie sich mit Kenntnissen und Fertigkeiten wohl ausge-

rüstet erwiesen, aus der Schule entlassen. Die Schülerin

Gertrud Kirch von Frohngau hatte zwar das gesetzliche

Alter noch nicht erreicht; aber auf Antrag des Vaters

ward ihre Entlassung von der Schulbehörde gestattet, da

sie sich der Entlassung wert und würdig erwies. Dage-

gen wurde der nahe 14 Jahre alte Schüler Schabeau Jakob

nicht entlassen, weil er den Anforderungen der Prüfung

nicht im mindesten genügte. Zum Schluß wurde das

Gesellschaftslied: „Wohlauf noch gesungen im trauten

Verein!“ gesungen. Die Zeugnisse wurden den abge-

henden Schülern und Schülerinnen jedoch erst am Schluß

des Schuljahres, nämlich am 13. April eingehändigt.

 

Beihsel Lehrer

 

Originalseite

 

 

Seite 33

 

          Frohngau, d. 2.  September 1881

 

Der elfjährige Gedächnistag des glorreichen Sieges von Sedan wur-

de heute in unserer Schule festlich begangen. Eröffnet wurde die

Feier durch eine Ansprache des Lehrers folgenden Inhalts: Napoleon III.

erklärte im Jahre 1870 Preußen, das den Franzosen immer ein Dorn im

Auge war, den Krieg. Er gedachte durch einen glücklichen Krieg seinen

wankenden Thron zu stützen. „Rache für Sadowa!“ war der neidischen

Franzosen unberechtigtes Kriegsgeschrei. Frankreich mochte Preußens Grö-

ße an der Spitze Nord-Deutschlands und die sich anbahnende und voll-

ziehende Einigkeit Deutschlands nicht sehen und gedachte Preußen

zu demütigen. Aber „wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.“

Frankreich wurde für seinen Übermut bestraft und verlor den

Kaiserthron; die deutsche Einigkeit aber vollzog sich in der herrlichsten

Weise: einmütig trugen die deutschen Fürsten unserem Heldenkö-

nige Wilhelm dem Siegreichen die deutsche Kaiserkrone an. Gar

schön besingt der Dichter dieses freudige Ereignis in pontischen Er-

güssen; er sagt im Gedichte: „der Schmied von Sedan“: Den Ham-

mer sandte Baierland, und Schwaben schürt den Feuerbrand, den

Amboß wälzt uns Sachsen her, nun schmiedet all zu Deutschlands

Ehr.“ Nach dieser geschichtlichen Ansprache kamen von Seiten der Kin-

der folgende patriotische Gedichte und Vaterlandslieder zum

Vortrag: Deklamation: „Der 19.Juli 1870.“ Gesang: „Frisch auf zum fröh-

lichen Jagen!“  Dekl. „Soldatenlied von 1870.“ Ges. „O du Deutschland!“

Dekl. „Husarenart.“ Ges. „Der Trompeten Schlachtgeschmetter.“ Dekl. „Der

Schmied von Sedan.“ Ges. „Nun rings d. F. ausgeh..“ Dekl. „Zur Siegesfeier von Se-

dan.“ Ges. „Was kraucht dort in dem Busch herum?“ Dekl. „Am 3. September 1870.“

Ges. „Weißenburg.“ Dekl. „Meister Erwins Heerschau.“ Ges. O Elsaß.“ Dekl.

Barbarossa; die Sage vom Kyffhäuser; Rothbarts Abschied.“ Gesang:

 „Es braust ein Ruf!“ Dekl. „Der freie Deutsche Rhein.“ Ges. „Der freie

Deutsche Rhein.“ Dekl. „Gruß an das Vaterland.“ Ges. „Laßt Lieder

erschallen!“ Das Schlußgebet ward in der Intention verrichtet,

Gott der Herr, der Lenker der Völker und Länder, möge unserem

lieben deutschen Vaterlande, das nach außen so erhaben und

 

Originalseite

 

 

Seite 34

 

groß, so ruhmreich und stark dasteht, auch im Innern Frieden und

Einigkeit, Glück, Wohlergehen und Gedeihen schenken.

 

Beihsel Lehrer

 

          Frohngau, d. 13. September 1881

 

Zu der am heutigen Tage abgehaltenen Entlassungs-

Prüfung waren außer dem Lokal-Schulinspektor Herrn

Steuer-Inspektor Jackle die Schulvorstandsmitglieder Hub.

Kurth von Frohngau und Joh. Dahm von Buir erschienen.

Manche fähige Kinder konnten nicht entlassen werden,

weil sie das zur Entlassung gesetzliche Alter noch nicht

hatten, andere, die wohl das erforderliche Alter

hatten, wurden angehalten, die Schule bis zur Osterprü-

fung zu besuchen wegen schwacher und mangelhafter

Bildung. Es wurde nur entlassen der schon ein halbes

Jahr nachgesessene Jakob Schabeau aus Frohngau.

Zum Schlusse der Prüfung wurden gesungen die Lieder:

„Die letzte Rose“ und „Die Heimat der Seele.“

 

Beihsel Lehrer

 

          Frohngau, d. 22. März 1882

 

Heute wurde der Geburtstag unseres teuren Helden-

kaisers in unserer Schule in festlicher Weise begangen.

Eröffnet wurde die Feier mit Gebet und folgender An-

sprache des Lehrers: „Wir feiern heute den Geburtstag

unseres alten ehrwürdigen Heldenkaisers Wilhelm I.

Geboren am 22. März 1797 erreicht unser allverehrter

Kaiser das hohe Alter von 85 Jahren. Es ist dieser Tag ein

Freudentag für das ganze deutsche Vaterland. Alle sind

wir unserem teuren Heldenkaiser zum Dank und zur

Liebe verpflichtet. Gleich wie der Vater das Haupt der Fami-

lie ist und alles zum Besten der Familie leitet und führt,

so ist der Kaiser der allgemeine Landesvater. Und wahrlich,

 er hat sich dieses Ehrentitels würdig und wert bewiesen.

Was hat er nicht alles gethan zum Besten des Vaterlandes!

Die Geschichte gibt laut Zeugnis davon. Dichter und Sänger

 

Originalseite

 

 

Seite 35

 

wetteifern miteinander, seine Thaten genügsam zu prei-

sen. Und das mit Recht; den nächst Gottes Hülfe haben wir

besonders seiner väterlichen Leitung und Umsicht den Ruhm

und Glanz, das Glück und Wohlergehen unseres teuren Va-

terlandes zu verdanken. Da wir aber eine große Familie im

Staate bilden, so wirkt das Gedeihen und Blühen des gesamten

Vaterlandes vorteilhaft zurück auf jede einzelne Familie;

das Wohlergehen des Vaterlandes übt seinen wohlthätigen Ein-

fluß  auf Stadt und Land, auf Bürger und Bauer. So gera-

de ist das Wort des Dichters zu verstehen: „Was ich bin und was

ich habe,  dank ich dir, mein Vaterland.“ Das Kind freut

sich am Geburtstage des Vaters, daß der Himmel in ge-

sund und wohl erhalten hat: Wir wollen uns als treue

deutsche Landeskinder auch freuen am Geburtstag un-

seres gemeinsamen Landesvaters. Mit Jubel stimmen

wir darum ein in den Hochruf, welcher heute aus allen

deutschen Landen unserem teuren Heldenkaiser entgegen-

schallt: „Unser deutscher Heldenkaiser Wilhelm I., soll leben:

Hoch, hoch, hoch!“ Hieran schloß sich die Preußische Volkshym-

ne: „Heil dir im Siegerkranz! Dann wechselten fol-

gende patriotische Gedichte und Vaterlandslieder mit-

einander ab: Gedicht: „Kaiser Wilhelm“ und „Die deutsche Kai-

serkrone.“ Gesang: „Dem Kaiser sei mein erstes Lied.“

Dekl. „ Barbarossa;“ Vortrag: „Sie Sage vom Kyffhäuser;“

Dekl. „Rothbarts Abschied.“ Ges. „Die Wacht am Rhein.“

Dekl. „Meister Erwins Heerschau.“ Ges. O Elsaß, o Elsaß!“ Ged.

„Gruß an das Vaterland.“ Dekl. „Frühlingsgruß an das Vater-

land.“ Ges. „Laßt Lieder erschallen.“ Dekl. „Deutsches Weihelied.“

Dekl. „Das Lied der Deutschen.“ Ges. „Was ist des Deutschen Vaterland?“

Dekl. „Das deutsche Vaterland.“ Dekl. „Mein Vaterland.“ Ges. Prei-

send mit viel schönen Reden.“ Dekl. „ Borussia.“ Ges. „Ich bin ein

Preuße!“ Zum Schluß ward das Lied gesungen: „Unser

Kaiser Wilhelm lebe lang!“ und in dieser Intention das Schluß-

gebet angeschlossen. Darauf wurde die frohe Schuljugend ent-

lassen und jedem Kinde zwei Brezeln eingehändigt.

 

Beihsel, Lehrer.

Originalseite

 

 

Seite 36

 

          Frohngau, d. 24.  März 1882

 

Heute ward durch den Lokal-Schulinspektor Herrn Steuer-Inspektor Jackle

die Schul- und Entlassungsprüfung abgehalten. Es wurden

entlassen: Kurth Reinhard, Radermacher Philipp und Ramers

Maria Anna aus Frohngau, sowie Behrend Joh. Peter, Hehs Anna

Maria, Kurth Barbara und Kurth Anna Maria aus Buir.

Für die etwas jüngeren Schüler Hehs Johann aus Frohngau

und Müller Joseph aus Buir ward die Entlassung beim Herrn

Kreis-Schulinspektor beantragt, welche auch erfolgte.

Nach stattgehabter Prüfung hielt der Lokal-Schulinspek-

tor an die abgehenden Schüler und Schülerinnen eine

kurze Ansprache folgenden Inhalts: „Ihr verlaßt nun die

Schule und tretet ins Leben ein. Behaltet und benutzt

die Kenntnisse die euch hier beigebracht worden sind;

besonders sucht der Schule durch ein erbauliches und an-

ständiges Betragen Ehre zu machen. Es pflegen diejeni-

gen, welche zusammen in die Schule gegangen sind,

sich zeitlebens zugethan zu sein; es ist dies gut und

löblich; so lebt in Frieden und Eintracht mit allen

Menschen und laßt Neid und Mißgunst, Zank und

Streitsucht in unseren Herzen keinen Raum finden.

Dadurch tragt ihr mit dazu bei,  daß die soziale Frage ge-

löst und es besser werde in unserem teuren Vaterlan-

de. Im Anschluß an diese schöne Ansprache erwähnte der

Lehrer, daß das bekannte Lied: „Menschenliebe“ den angereg-

ten Gefühlen Ausdruck gebe. Als Schluß wurde dann

dieses schöne Lied angestimmt und von der Schuljugend

mit frommer und heiliger Begeisterung gesungen.

 

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 2.  September 1881

 

Der zwölfjährige Gedächnistag des glorreichen Sieges

von Sedan wurde heute in unserer Schule festlich be-

gangen. Der Lehrer eröffnete die Feier mit einer

Ansprache an die Kinder, worin er die Veranlassung

 

Originalseite

 

 

Seite 37

zum Kriege, sowie die heldenmütige Erhebung Deutsch-

lands gegen die ungerechten Angriffe der Franzosen

klarlegte. Es wechselten dann zur Belebung der patrioti-

schen Gesinnung folgende Deklamationen und Gesänge:

Dekl. „Der 19. Juli 1870.“ Ges. „Es braust ein Ruf wie Donnerhall.“

Dekl. und Ges. „Der freie deutsche Rhein.“ Dekl. „Kriegslied der frei-

willigen Jäger.“ Ges. “O du Deutschland.“ Dekl. „Husarenart.“

Ges. “Der Trompeten Schlachtgeschmetter.“ Dekl. „Die Rosse von

Gravelotte.“ Ges. „Morgenroth.“ Dekl. „Zur Siegesfeier von Sedan.“

Ges. „Nun rings die Fahnen ausgehängt.“ Dekl. “Der Schmied

von Sedan.“ Ges. „Was kraucht dort in dem Busch herum?“

Dekl. „Am 3. September 1870.“ Ges. “O Elsaß.“ Dekl. „Gruß an das

Vaterland.“ Ges. „Ich hab mich ergeben.“ Dekl. „Die deutsche Kai-

serkrone“ und „Kaiser von Deutschland.“ Gesang: „Unser

Kaiser Wilhelm lebe lang!“ An dieses Lied schloß sich das Schluß-

gebet in der Intention: Gott erhalte und segne unser teu-

res Vaterland. Wie es nach außen groß und mächtig

da steht, so schenke ihm Gott im Innern Frieden und

Einigkeit.

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 23. September 1881

 

Nachdem der Lokal-Schulinspektor Herr Jackle von Buir-

haus die zu entlassenden Schulkinder: Jackle

Thekla und Evertz Maria geprüft hatte, wurden heute

die Zeugnisse für diese beiden Schülerinnen an den

Lokal-Schulinspektor zum Unterschreiben mitgegeben.

Auf Anfrage beim Herrn Kreis-Schulinspektor we-

gen Entlassung der Evertz, lief von dort der Bescheid ein,

daß der Evertz am 31. October das Zeugnis einzuhändi-

gen sei. Als Abschiedslied für die abgehenden Kinder

wurde zum Schluß der Schule gesungen das Gesell-

schaftslied: „Es kann ja nicht immer so bleiben,

hier unter dem wechselnden Mond.“

Beihsel, Lehrer.

 

Originalseite

 

 

Seite 38

 

          Frohngau, d. 6. November 1881

 

Am heutigen Tage, am ersten Montage des Monats No-

vember, versammelten sich die Lehrer des Spezialbezirks Net-

tersheim zur gemeinschaftlichen Conferenz in unserem

Schulsaale. Die kleineren Schüler der zweiten Stufe fer-

tigten die Aufgabe an: „Zu 3 Zehnern zählt die einzel-

nen Pfge. von 1 bis 10 Pf.“ Die größeren Schüler der zwei-

ten Stufe schrieben einige Aufgaben aus der Flächen-

rechnung; sie machten Auflösungen über Quadrat u.

Rechteck an praktischen Aufgaben aus dem Leben.

Mit der ersten Abteilung ward die Lehrprobe durchge-

nommen; nämlich: „Einführung der Körperrechnung.“

Am Schlusse wurde von Kindern die drei Lieder ge-

sungen: „Herbstlied, die letzte Rose und die Heimat

der Seele.“ Nachdem die Kinder entlassen waren, wur-

de vom Lehrer Beihsel die Aufsatzarbeit verlesen über

das Thema: Was kann und soll die ländliche Volksschu-

le in der raumlehre erreichen und wie kann sie das?“

An diesen Vortrag schloß sich eine kurze Besprechung, so-

wohl über die Aufsatzarbeit, als auch über die voraufge-

gangene Lehrprobe. Nachdem dann im Schulsaal noch zwei

der bestimmten Lieder durchgesungen worden, bega-

ben sich sämtliche Lehrer in die Behausung des Lehrers

Beihsel, um auch in erheiternder Weise das collegia-

lische Zusammensein zu pflegen.

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 16. März 1883

 

Heute fand unter dem Vorsitze des Lokal-Schulinspek-

tors des Steuer-Inspektors Herrn Jackle, sowie im Bei-

sein der Schul-Vorstandsmitglieder Hubert Kurth und

Anton Kirch die Schul- und Entlassungsprüfung

statt. Es wurde geprüft in folgenden Fächern:

„In der biblischen Geschichte, in der Naturgeschichte,

der Geographie und Geschichte, im Lesen mit Dekla-

mation, sowie in der schriftlichen Darstellung auf-

gegebener Rechenaufgaben.“ Zum Schlusse wur-

 

Originalseite

 

 

Seite 39

 

den die Lieder gesungen: „Auf den Schnee folgt der schöne

Hoffungsklee;“ O, wie ist es kalt geworden!“ und das

Gesellschaftslied: „Es kann ja nicht immer so bleiben!“

Es wurden vier Kinder, die das gesetzliche Alter hatten,

entlassen nämlich: Ramers Joseph, Kurth Joseph, Kirch Peter

und Bins Helena, alle aus Frohngau. Den abgehenden

Kindern wurde bedeutet, daß sie die Schule noch bis zum

Schluß des Schuljahres besuchen müßten und alsdann auch

ihre Zeugnisse erhalten würden.

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 17. März 1883

 

Gemäß Verfügung Königlicher Regierung wurde

die Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers am

heutigen Tage in unserer Schule festlich begangen,

weil der 22. März auf grünen Donnerstag in die

Karwoche fiel. Eröffnet wurde die Feier durch folgen-

de Ansprache des Lehrers: „Eine Ehrenkrone ist das Alter!“

Auf dem Wege der Gerechtigkeit wird sie gefunden.“

Mit Recht können wir dieses Wort aus der hl. Schrift auf

unseren teuren Landesvater, Wilhelm I. anwenden,

denn S. Majestät  der Kaiser erreicht am 22. März,

seinem Geburtstage,  den wir heute schon feierlich

begehen, sein 87. Lebensjahr. Aber auch auf dem

Wege der Gerechtigkeit hat S. Majestät der Kaiser dieses

hohe Alter erreicht. Wenn uns auch die Geschichte dar-

über nichts berichtete, so könnten wirs schon bewei-

sen aus dem bekannten Sprichwort: „Arbeit Mäßig-

keit und Ruh, schließt dem Arzt die Thüre zu.“ Daraus

kann man ersehen, daß der Kaiser ein solides, ein mä-

ßiges und thätiges Leben geführt hat; denn nur auf

einer solchen Lebensbahn kann man ein hohes Alter

erreichen. Aber auch die Geschichte gibt Zeugnis über die

stete Regsamkeit und Thätigkeit des Kaisers. Schon als

Prinz-Regent unter der Regierung seines Bruders, des

Hochseligen Königs Friedrich Wilhelm IV. nahm er regen

Teil an den Regierungsgeschäften. Das erkannte auch

 

Originalseite

 

 

Seite 40

 

Friedrich Wilhelm IV. dankbar an und sprach es oft zum

Ruhm seines Bruders Wilhelm aus. Als man dem Kö-

nige einst einen Knotenstock verehrte, dessen Knopf

den Kopf seines Bruders Wilhelm darstellte, sprach er,

anspielend auf die thätige Hilfe seines Bruder: „Wie

thut es mir so wohl, daß ich mich so fest auf meinen Bru-

der stützen kann!“ Welche ruhmreiche Thätigkeit aber

hat er erst entwickelt, als das Ruder des Staatsschiffes,

das Steuer der Regierung, mit dem Ableben seines Bru-

ders in seine Hand gelegt wurde. Er hat unser Va-

terland zu Ehre, Rum und Größe geführt. Er ist der

neue Barbarossa dem wir die Wiedererstehung des

deutschen Kaiserreiches verdanken. Das deutsche Volk

erkennt dieses auch dankbar an und die Geschichte hat

unserem teuren Heldenkaiser den Ehrennamen

„Wilhelm der Siegreiche!“ gegeben. Mit Begeisterung

stimmen wir darum ein in den Ausruf, der heu-

te jedes deutschen Brust erfüllt: „Unser teurer Hel-

denkaiser Wilhelm der Siegreiche! soll leben: Hoch!!!“

Dann folgten nachstehende Deklamationen und Ge-

sänge: Gesang. „Heil dir im Siegerkranz.“ Dekl. „Kai-

ser Wilhelm.“ Ges.„Dem Kaiser sei mein erstes Lied.“ Dekl.

„Der Lorbeerkranz.“ Ges. „Ich bin ein Preuße.“ Dekl. „Derff-

linger. Der alte Derfflinger. Fehrbellin.“ Ges. „Morgen-

roth.“ Dekl. „Der alte Fritz. Zieten. Husarenart.“ Ges. „Ich

bin Husar gewesen.“ Dekl. „Die Königin Luise von

Preußen. Der Harfner. Das Lied vom Feldmarschall.“

Ges. „Kriegslied der freiwilligen Jäger.“ auch: „Blücher-

lied: „Der Trompeten Schlachtgeschmetter.“ Dekl. „Gruß an

das Vaterland. Dem Vaterlande. Mein Vaterland.

Gelübde. Lied eines deutschen Knaben.“ Ges. „Laßt Lie-

der erschallen.“ Dekl. „Deutsches Weihelied. Das Lied der

Deutschen. Des Deutschen Vaterland.“ Ges. „Preisend

mit viel schönen Reden.“ Daran schloß sich eine kur-

ze Besprechung des Lehrers über das Vierkaiserbild. Er

 

Originalseite

 

Seite 41

 

suchte den Kindern darzulegen, wie das Vierkaiserbild

nicht nur erinnern an das hohe Alter unsers Landesvaters,

sondern auch recht geeignet sei, das Andenken des teuren

Monarchen unter seinem Volke bleibend zu erhalten; und

darum sei die Idee, welche dieses Kunstblatt ins Leben

rief, eine glückliche zu nennen, weil sie verwirklichen

hilft, daß unser teurer Landesvater immer im deut-

schen Volke fortlebe, daß sein Andenken ein gesegne-

tes sei. Zum Schluß wurde das Lied gesungen: „Unser

Kaiser Wilhelm lebe lang!“ In dieser Intention wur-

de sodann auch das Schlußgebet verrichtet. Den ab-

tretenden Kindern wurden recht schöne Brezel ver-

abreicht und so die Feier unter Freude und Jubel

geschlossen.

 

Beihsel Lehrer

 

          Frohngau, d. 2. September 1883

 

Da der 2. September in diesem Jahre auf den Sonntag fiel,

so ward die Sedanfeier in unserer Schule am Sams-

tag d. 1. September festlich begangen. Die Feier wurde

eingeleitet durch eine Ansprache des Lehrers über

den Spruch: „Eintracht macht stark.“ Beleuchtet wur-

de dieser Spruch durch Hinweis auf die einmütige Er-

hebung des deutschen Volkes zur Zeit des französischen

Krieges Von den Kindern wurde darauf vorge-

tragen folgende Gedichte und Gesänge: Deklamation: „Der

19. Juli 1870.“ Ges. „Zu Charlottenburg im Garten.“ Dekl. „Sol-

datenlied von 1870.“ Ges.. „Weißenburg.“Dekl. „Meister

Erwins Heerschau.“ Ges. “O Elsaß, o Elsaß.“ Dekl. „Die Rosse

von Gravelotte.“ Ges. „Morgenrot.“ Dekl. „Zur Siegesfei-

er von Sedan.“ Ges. „Nun rings die Fahnen ausge-

hängt.“ Dekl. „Der Schmied von Sedan.“ Ges. „Was kraucht

dort in dem Busch herum?“ Dekl. „Am 3. September 1870.“

Ges. „Kaiser Wilhelm lebe lang!“ In der Intention

des letzen Liedes wurde sodann auch das Schluß-

gebet verrichtet.

 

Beihsel Lehrer

 

Originalseite

 

Seite 42

 

          Frohngau, d. 20. October 1883

 

Bei der diesjährigen Entlassungsprüfung wurden aus

der Schule entlassen: Schnichels Anton aus Buir und

Schnichels Anna Maria aus Frohngau. Für die mitgeprüf-

te Schülerin Helena Hehs ward auf Antrag des Vaters die

vorzeitige Entlassung nachgesucht, welche auch unterm

12. October erfolgte. Bei der stattfindenden Entlassung

am letzten Schultage wurden als Abschiedslieder ge-

sungen: „Es kann ja nicht immer so bleiben!“ und:

„Was ist es, das die ganze Welt der Lebenden zusammen

hält?“

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 22. März 1884

 

Die Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm

wurde in unserer Schule folgenderweise begangen:

Eröffnet wurde die Schulfeier durch folgende Ansprache

des Lehrers: „Wir begehen heute den Geburtstag unseres

teuren Landesvaters, den Geburtstag Sr. Majestät Kai-

ser Wilhelm I. Geboren am 22. März 1797 erreicht un-

ser Kaiser heute das hohe Alter von 87 Jahren. Es herrscht

heute Freude und Jubel durchs große Vaterland und

alle treuen Landeskinder senden heute Bitt- und

Segenswünsche zum Heil des teuren Landesvaters zum

Himmel empor: Besonders aber wird in allen Schulen

des Vaterlandes der Geburtstag des Landesvaters in

Vorträgen: Patriotischen Gedichten und Gesängen ver-

herrlicht. Auch wir haben uns mit Gedichten und

Vaterlandsliedern ausgerüstet und wollen sie, zu

Sträußen und Kränzen gewunden, niederlegen auf

den Altar des Vaterlandes. Diese Gedichte und Gesänge

gelten allererst unserem teuren Landesvater;

denn wie der Vater das Haupt der Familie ist,  so ist

unser allverehrter Kaiser unser gemeinsamer Lan-

desvater, dem das Wohl aller seiner Unterthanen sehr

 

Originalseite

 

Seite 43

 

am Herzen liegt. Sie gelten in zweiter Linie unserem ange-

stammten Herscherhause; ihm geloben wir dadurch von unserer

Treue, indem wir mit dem Dichter sprechen: „Wir sind ja Preu-

ßen, wollen Preußen sein!“ Endlich gelten unsere Gedichte u.

Gesänge dem ganzen Vaterlande; denn wir fühlen warm

mit dem Dichter die Worte: „Was ich bin und was ich habe, dank

ich dir mein Vaterland!“ Hierauf wechselten von seiten

der Kinder folgende Gedichte und Vaterlandslieder: Deklama-

tion und Gesang: „Heil dir im Siegerkranz.“ Dekl. „Kaiser will-

helm.“ und „Die deutsche Kaiserkrone.“ Ges. „Dem König sei mein

erstes Lied.“ Dekl. und Ges. „Der Kaiser ist ein lieber Mann.“

Dekl. „Königin Luise von Preußen“ und: „Der Harfner.“ Ges. „Ich

hab mich ergeben.“ Dekl. „Borussia.“ u. Der Lorbeerkranz.“ Ges.

„Ich bin ein Preuße.“ Dekl. „Der alte Derffling.“ Ges. „Morgenrot.“

Dekl. „Der alte Fritz.“ „Lied eines deutschen Knaben.“ „Das Schwert.“

Ges. „Ich hatt einen Kameraden.“ Dekl. „Das deutsche Vater-

land.“ „Mein Vaterland.“ Ges. „Preisend mit viel schönen

Reden.“ Dekl. „Gruß an das Vaterland.“ „Das Lied der Deutschen.“

Ges. „Deutschland, Deutschland über alles!“ Dekl. „Dem Kaiser

des deutschen Reiches.“ Ges. „Unser Kaiser Wilhelm lebe lang.“

im Anschluß an dieses Lied und in der Intention des-

selben wurde dann das Schlußgebet gesprochen. Dann

erhielt jedes Kind beim Abtreten eine Brezel und

so wurde unsere Schulfeier unter Freude und Jubel

der Schuljugend beschlossen.

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 24. März 1884

 

Heute Nachmittag wurde unter der Leitung des Lokal-

Schulinspektors Herrn Steuer-Inspektor Jackle und im

Beisein des Schulvorstands-Mitgliedes Kurth Hubert aus

Frohngau, sowie des Herrn Lehrers Breuer von Bouderath,

in hiesiger Schule die Jahres- u. Entlassungsprüfung

 

Originalseite

 

Seite 44

 

abgehalten. Die Schülerin Gertrud Müller aus Buir und der Schü-

ler Jakob Grons aus Frohngau, welche das zur Entlassung gesetz-

liche Alter hatten, wurden der Schule entlassen. Die fähige

Schülerin Katharina Kurth ward auf Wunsch des Vaters auch

mit geprüft. Auch für sie traf vor Beginn des neuen

Schulsemesters auf Grund eines Antrages von seiten

des Vaters mit beiliegendem Prüfungs-Zeugnis die

Entlassungsbewilligung vom Herrn Kreis-Schulin-

spektor ein.

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 5. Mai 1884

 

Heute versammelten sich die Lehrer des Konferenz-

bezirkes Nettersheim zur Abhaltung einer Lehrer-Kon-

ferenz im Schullokale zu Frohngau. Herr Steuer-Inspek-

tor Jackle, Lokal-Schulinspektor der Schule zu Frohngau,

beehrte die Versammlung mit seiner Gegenwart.

Die Lehrprobe hatte Lehrer Beihsel aus Frohngau, sie lau-

tete: „Wie ich den Beifügesatz vorführe.“ Nach der Lehrpro-

be sangen die Schulkinder als Schluß des Unterrichts die

Lieder: 1. „O wie herrlich und wie schön ist es in die Schul`

zu gehn!“ 2.:„Freut euch der Schule, weil ihr noch Kinder

seid.“ 3. „Der Mai ist gekommen.“ Der alsdann folgende

Vortrag des Lehrers Beihsel behandelte das Thema der Lehr-

probe. Nach dem Schluß der Konferenz im Schullokal

begab sich die ganze Versammlung zur Wohnung des

Lehrers Beihsel, wo bei Mahl und Trinkgelage das col-

legialische Zusammensein bis spät am Abende in

heiterster Stimmung gepflogen wurde.

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 2. September 1884

 

Heute feierten wir in unserer Schule den glorreichen

Tag von Sedan. Schon am gestrigen Abend wurde der

festliche Tag angekündigt; denn ringsum hörte man

aus der Ferne zahlreiche Böllerschüsse. Vor unserem

Schulhause aber flatterte schon heute Morgen früh die

Schulfahne Germania. Um ½ 9 Uhr versammelten sich

Lehrer und Schüler im Schullokal. Eröffnet wurde die

Feier nach kurzem Gebete durch eine Ansprache des

Lehrers, in welcher er den Kindern Bedeutung und

Zweck der Feier des Sedantages erklärte, sowie ein kur-

zes Bild der Geschichte des Krieges entrollte.

 

Originalseite

 

Seite 45

 

Darauf wechselten zur Verherrlichung des Tages, sowie zur

Beleuchtung und Illustration der vorgetragenen Erzäh-

lungen folgende patriotische Gedichte und Vaterlands-

lieder: Gedicht und Gesang: „Zu Charlottenburg im Gar-

ten.“ Deklamation: „Soldatenlied von 1870.“ Ges. „Weißenburg.“

Dekl. „Der freie deutsche Rhein.“ und: „Die Wacht am Rhein.“

Ges. „Es braust ein Ruf wie Donnerhall.“ Dekl. „Kriegslied

der freiwilligen Jäger.“ Ges. „Frisch auf zum fröhlichen Ja-

gen.“ Dekl. „Husarenart.“ Ges. „Ich bin Husar gewesen.“

Dekl. „Die Rosse von Gravelotte.“ Ges. „Morgenrot, Morgen-

rot.“ oder: „Des Reiters Morgengesang.“ Dekl. „Zur Siegesfeier

von Sedan.“ Ges. „Nun rings die Fahnen ausgehängt.“

Dekl. „Der Schmied von Sedan.“ Ges. „Napolium“ oder: „Was

kraucht dort in dem Busch herum?“ Dekl. und Ges. “O El-

saß.“ Dekl. „Kaiser Wilhelm.“ Ges.„Unser Kaiser Wilhelm

lebe lang!“ Im Anschluß an die Intention dieses

Liedes wurde das Schlußgebet verrichtet in der

Meinung, Gottes Schutz über unsern

teuren Landesvater und über das ganze deutsche

Vaterland herabzuflehen.

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 21. März 1885

 

Da der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers auf den Sonntag

fiel, so wurde er schon am heutigen Tage in den Schulen

festlich begangen. Außer dem Lokal-Schulinspektor Herrn

Steuer-Inspektor Jackle wohnte der Schulfeier bei das Schul-

vorstands-Mitglied Hubert Kurth, Gemeindevorsteher

in Frohngau. Eröffnet wurde die Feier nach dem ge-

wöhnlichen Schulgebete durch folgende Ansprache des Leh-

rers: „Als Salomon, der Sohn Davids, auf den Königs-

Thron kam, da war er noch jung an Jahren. Darum bat

er zum Herrn: Sieh ich bin noch jung und unerfahren;

gib mir darum Weisheit und Verstand, damit ich dein

Volk gut regieren und Recht und Unrecht zu unter-

scheiden vermöge. Diese Bitte gefiel dem Herrn und er

sprach zu Salomon: Siehe, weil du nicht gebeten hast um

langes Leben, noch um Reichtum, noch um den Unter-

gang deiner Feinde, sondern um Weisheit, so habe ich

dir ein so weises und verständiges Herz gegeben, daß

deinesgleichen weder vor dir gewesen ist noch nach dir

 

Originalseite

 

Seite 46

 

kommen wird. So war es! Salomon war voll der Weisheit

und die Könige der Erde kamen zu ihm, um ihn wegen

seiner Weisheit zu bewundern. Auch die Königin von

Saba kam zu ihm. Sie stellte mancherlei Fragen an

ihn und überzeugte sich von seiner Weisheit. Dann

brach sie aus in den Lobspruch: „Gepriesen sei der Herr,

dein Gott, der dich auf den Thron Israels gesetzt hat.“ „Weil

der Israel liebt, darum machte er dich zum Könige,

Recht und Gerechtigkeit zu üben.“ Auch unser teurer

Landesvater hat seine erhabene Stelle von oben, von

Gott. Darum nennt sich auch S. Majestät in demü-

tiger Unterwerfung unter Gott, den Allerhöchsten:

„Wilhelm, durch Gottes Gnaden König von Preußen.“

Auch die anderen Worte der morgenländischen Kö-

nigin: „Weil der Herr Israel lieb hat, darum mach-

te er dich zum Könige!“ können wir mit Recht auf

Fürst und Vaterland anwenden und sagen: „Weil

der Himmel unser deutsches Vaterland liebt, darum

schenkte er uns den trefflichen König Wilhelm u.

darum erhält er uns denselben bis zu den höchsten

Stufen des menschlichen Alters.“ Ja, heute, am erhabe-

nen Geburtstage Sr. Majestät, wo der allverehrte

greise Herrscher sein 88. Lebensjahr vollendet, heu-

te blickt sein ganzes Volk voll Dank zum Himmel

empor und fleht um Glück, Heil und Segen für

den teuren Landesvater. Auch wir sprechen darum

mit Herz und Mund den Spruch: „Dem Kaiser des

deutschen Reiches.“ Danach folgten Gesänge und Dekla-

mationen in folgender Ordnung: Ges. „Die preußi-

sche Volkshymne.“ Dekl. „Kaiser Wilhelm.“ „Der Kaiser.“

„Der König lebe hoch.“ Ges. „Dem König sei mein erstes

Wort.“ Dekl. „Die deutsche Kaiserkrone.“ „Dem Kaiserhaus.“

Ges.. „Dem Kaiserhaus mein schönstes Lied.“ Dekl. „Borussia.“

„Der Lorbeerkranz.“ Ges. „Ich bin ein Preuße.“ Dekl. „Köni-

gin Luise von Preußen“ „Der Harfner.“ Ges. „Ich hab mich

ergeben.“ Dekl. „Gruß an das Vaterland.“ „Das deutsche

Vaterland.“ „Mein Vaterland.“ „Das Lied der Deutschen.“

 

Originalseite

 

Seite 47

 

Ges. „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!“

Dekl. „Des deutschen Vaterland.“ Ges. “Der reichste Fürst.“ Dekl.

„Barbarossa“ nebst Erzählung und Erklärung der Deutung

des Gedichtes. Schlußgesang: „Unser Kaiser Wilhelm lebe lang!“

Nach Beendigung der Vorträge sprach der Lokal-Schulinspektor Hr.

Steuer-Inspektor Jackle den Schulkindern wie dem Lehrer loben-

de Anerkennung aus über ihren großen Fleiß, bekundet

in den vorgetragenen Deklamationen und Liedern.

Dann sprach er sich vor den Kindern darüber aus, wie

notwendig es sei, die Vaterlandsliebe zu pflegen und

diese Gefühle, die in der Schule gehegt und gepflegt wür-

den, auch im späteren Leben warm zu bewahren.

Zum Schluß wurden den Kindern Brezeln verabreicht

und so wurde die Schulfeier unter Freude und

Jubel der Schuljugend beschlossen.

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 23. März 1885

 

Unter dem Vorsitze des Lokal-Schulinspektor und Steuer-

Inspektor Herrn Jackle und im Beisein des Herrn Leh-

rers Breuer von Bouderath, sowie des Schulvorstands-

Mitgliedes Johann Dahm von Buir fand heute Nach-

mittag in unserer Schule die Schul- und Entlassungs-

prüfung statt. Die Abteilung I. a machte als Auf-

satzarbeit: Umschreibung des Gedichtes: „Hoffnung.“

Die Abteilung I. b schrieb Spruchrätsel nebst deren

Erklärung nieder. Die anderen Abteilungen schrie-

ben kurze, für sie faßliche Rätsel auf. Fast alle Ar-

beiten der Kinder wurden bezüglich Orthographie

und Schrift kontrolliert. Dann schrieben die kleine-

ren Abteilungen Sprüche auf, während die Kinder

der größeren Abteilungen sämtlich im Lesen

geprüft wurden. Während darauf die oberen Ab-

teilungen auf das Rechnen achteten, waren eini-

ge dazu aufgerufen, Kinder der Abteilung I. a

an der großen Tafel vornahmen, fertigte die III. Abt.

das Einmaleins mit 3 an. Als Schluß wurden die

Lieder gesungen: „O Tannenbaum“ „Ein Schiff streicht

durch die Wellen“ u. Gottvertrauen: Wider alle

Wunden.“ Das zur Entlassung gesetzlich Alter hatte

 

Originalseite

 

Seite 48

 

nur die Schülerin Anna Bins. Dieser wurde gesagt, daß

sie mit Ablauf des Schulsemesters von der Schule entlas-

sen sei. Auch wurden am heutigen Prüfungstage

zum Ersten male seit meiner Tätigkeit an hiesiger

Schule die in der Handarbeitsstunde verfertigten

Hemden, Schürzen und Strümpfe an dürftige u.

fleißige Kinder verteilt. Möchte dieser Modus

der öffentlichen Verteilung auch ferner Anwen-

dung finden! Viel unnötiges, ja böses Gerede wür-

de dadurch zum Schweigen gebracht.

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 2. September 1885

 

Der von der Hohen Behörde als vaterländischer Gedenk-

tag angeordnete Tag des glorreichen Sieges von Se-

dan wurde heute in unserer Schule in folgender

Weise gefeiert: Als Einleitung legte der Lehrer

den Kindern in einem Vortrage die Bedeutung

des hehren Tages vor Herz und Sinn, anknüpfend

an den Spruch: „Wer anderen eine Grube gräbt,

fällt selbst hinein.“ Der Vortrag lautete:

„Die Wahrheit dieses Sprichwortes erfuhr in recht

herber, aber wohlverdienter Weise Napoleon III.

der letzte Kaiser der Franzosen. Um seinen

wankenden Thron zu stützen, suchte er den Fran-

zosen zu schmeicheln durch eine Kriegserklärung

an Preußen; denn seit den Befreiungskriegen von

1813 bis 1815 waren die Preußen den Franzosen

ein Dorn im Auge. Besonders aber sahen die

Franzosen mit Neid und Mißgunst auf Preußen,

da unter der Führung Preußens die deutsche

Einigkeit so friedlich anbahnte und so herrlich

entfaltete. Ein Krieg mit Preußen fand daher

besonders Anklang bei den Franzosen und sie ge-

dachten, das rum- und sieggekrönte Preußen

zu erniedrigen, sich selbst aber mit Sieg und

Rum zu bedenken. Aber: „Wer anderen eine Grube

gräbt, fällt selbst hinein.“ Ob der ungerechten, frevel-

haften Herausforderung zum Kriege war Alldeutsch-

land aufgebracht und empört und alle erhoben sich

wie ein Mann; aus aller Munde erscholl: „Die Wacht

am Rhein,“ deren Inhalt ist: „Sie sollen ihn nicht ha-

 

Originalseite

 

Seite 49

 

ben, den freien deutschen Rhein!“ Das Resultat des Krieges war

infolge dieser einmütigen Erhebung Deutschlands, infolge

der gerechten Begeisterung der Deutschen, daß Frankreich

geschlagen wurde. Ja, bei Sedan, einer alten französischen

Festung, vollzog sich ein Ereignis, daß in der Weltge-

schichte einzig da steht. Der zuvor so stolze Kaiser Napole-

on ergab sich hier nach vielen Niederlagen seiner

Armee an den König Wilhelm. Wie ein gewöhnlicher

Gefangener stand er arm und gedemütigt vor König

Wilhelm. Er fiel in die Grube, in die er Preußen stür-

zen wollte, ganz Frankreich mit sich hineinziehend.

Auf König Wilhelm machte dieses Ereignis einen

tiefen Eindruck. In einer Depesche schrieb er

an seine Gemahlin Augusta: Die jüngsten großen Er-

eignisse kommen mir vor wie ein Traum, wenn ich nicht

wüßte, daß sie sich vor meinen Augen vollzogen haben.

Dieses weltgeschichtliche Ereignis soll darum in stetem Anden-

ken bleiben und so ist der 2. September für immer als vaterlän-

discher Gedenktag angeordnet worden. Die vaterländischen

Gedichte und Gesänge aber, welche zum Vortrag kommen

sollen und die hehre Geschichte dieser großen Zeit zum Ge-

dächtnis und zum Bewußtsein bringen und unser Herz

erfüllen mit Liebe zu Fürst und Vaterland.“

Es wechselten sodann folgende Patriotischen Gedichte und

Gesänge miteinander ab: Dekl. „Der 19. Juli 1870.“ Ges. „Zu Char-

lottenburg.“ Dekl. „Soldatenlied von 1870.“ „Welscher Tand und deutsche

That.“ „Der freie deutsche Rhein.“ „Die Wacht am Rhein.“ Ges. „Es

braust ein Ruf!“ Dekl. „Die deutschen Kanoniere von 1870.“

„Nach Paris.“ Ges. „Weißenburg.“ Dekl. „Der Schmied von Sedan.“

Ges. „Was kraucht dort in dem Busch herum?“ oder: „Napolium.“

Dekl. „Zur Siegesfeier von Sedan.“ „Am 3. September 1870.“ Ges.

„Nun rings die Fahnen ausgehängt.“ Deklamation; „Meister Erwins

Heerschau.“ Ges. “O Elsaß, o Elsaß.“ Dekl. „Die Rosse von Grave-

lotte.“ „Ich bin Husar gewesen.“ Ges. „Morgenrot.“ Dekl. „Dem

Vaterlande.“ Ges. „Ich hab mich ergeben.“ Deklamation. „Kaiser Will-

helm.“ „Die deutsche Kaiserkrone.“ „Dem Kaiser des deut-

schen Reiches.“ Ges. „Unser Kaiser Wilhelm lebe lang! O

Gott erhalt uns ihn!“ In dieser Intention und Meinung

wurde auch das Schlußgebet verrichtet.

 

Beihsel, Lehrer.

 

Originalseite

 

Seite 50

 

          Frohngau, d. 4. Januar 1886

 

Auf Anordnung und Zuschrift des königlichen Landrats-

amtes wurde heute in unserer Schule das 25jährige

Regierungs-Jubiläum unseres teuren Kaisers

Wilhelm festlich gefeiert. Eröffnet wurde die Feier

durch folgende Ansprache des Lehrers: „ Wir begehen heu-

te das 25jährige Regierungs-Jubelfest unseres Kaisers

Wilhelm, des Königs von Preußen. Es war am Morgen

des 2. Januar 1871, da war sein Bruder Friedrich Wilhelm

IV, der Friedliebende, eingegangen in den Ort des ewi-

gen Friedens; eingegangen in jenes Reich, daß das

Kind dem edlen Könige verhieß, als es auf dessen

Frage: wohin gehöre ich denn mein Kind? ant-

wortete: Ins Himmelreich. Wilhelm war immer sei-

nes Bruders kräftigste Stütze in Führung der Regie-

rungsgeschäfte gewesen. Mit der Krankheit seines

Bruders hatte er als Prinzregent von Preußen vollends

die Zügel der Regierung in Händen. Nun, nach dem

Ableben seines Bruders ergriff er selbstständig das

Steuerruder des Staates mit kräftiger Hand, obwohl

er schon im 64. Lebensalter stand. Ja, Wilhelm war

bei seinem Regierungsantritt schon lange ein Sech-

ziger und davon heißt es im goldenen „A-B-C:“

„Sechzig Jahr geht’s Alter an.“ Wer hätte es demnach

prophezeien mögen, daß Wilhelm noch sein 25jähriges

Regierungs-Jubiläum feiern wurde! Doch die

Vorsehung hat ihn diesen hehren Tag erleben lassen

und wir zollen unserm teuren Landesvater den

höchsten Tribut unserer Achtung und Ehre, wenn

wir auf ihn anwenden den Spruch der heiligen

Schrift: „Eine Ehrenkrone ist das Alter! Auf dem

Wege der Gerechtigkeit wird sie gefunden!“

Das ganze Vaterland schenkte diesem wichtigen Tage

seine Aufmerksamkeit. In Schulen wurde es ge-

feiert, in Vereinen wurden Feste veranstaltet

und in den Kirchen erscholl das feierliche „Te Deum“

zum Lobe des Allerhöchsten.“

An diese feierliche Ansprache des Lehrers schloß sich

ein dreistimmiges Hoch auf S. Majestät, den Kaiser,

 

Originalseite

 

Seite 51

 

an und an dieses die preußische Volks-Hymne: „ Heil dir

im Siegerkranz.“ Dann wurde das Gedicht: „Der Lorbeerkranz“

vorgetragen, woran wir anschlossen das „Kriegslied der frei-

willigen Jäger.“ Hierauf kam das Gedicht „Borussia“ mit

dem Preußenlied: „Ich bin ein Preuße!“ zum Vortrag.

Zum Schluß sangen wir das Lied: „Unser Kaiser Wilhelm

lebe lang!“ und verbanden mit der Intention dieses

Liedes ein andächtiges „Vater unser“ in der Meinung,

daß der Himmel noch lange unseren teuren Kaiser

erhalten möge zum Heil des Vaterlandes.

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 22. März 1886

 

Nachdem am gestrigen Abend der heutige Festtag durch

feierliches Glockengeläute angekündigt worden, verkün-

dete heute Morgen früh die vor dem Schulhause flattern-

de Schulfahne Germania den vaterländischen Ge-

denktag. Es galt nämlich würdig zu feiern den Ge

burtstag unseres allverehrten Kaisers Wilhelm. Im

Beisein eines Schul- und Jugendfreundes, des Herrn

Johann Vansümmeren, dessen Neffchen auch hiesige

 Schule besucht, fand die Feier folgenderweise statt:

Zunächst hielt der Lehrer folgenden Festvortrag:

„Heute feiern wir den Geburtstag unseres teuren

Landesvaters, unseres allverehrten Kaisers Wilhelm.

Am 22. März 1797 geboren, erreicht S. Majestät heu-

te das 90. Lebensjahr. Welch ein hohes Alter! Im golde-

nen Alphabet heißt es: „60 Jahr, geht’s Alter an! 70 Jahr,

ein Greis! 80 Jahr, nimmer weiß!“ d.h. nie mehr ver-

ständig, nie mehr klug! „90 Jahr, der Kinder Spott!“ d.h.

einfältig wieder wie ein Kind; daher auch die Re-

densart, die man oft von alten Leuten sagt: „Er

oder Sie ist verkind!“ Nicht so auf unsern teuren

Landesvater passen diese Regeln des goldenen Alpha-

bets. Gott der Herr, der Geber aller guten Gaben, hat

ihm nicht nur Gesundheit und Rüstigkeit des Kör-

pers verliehen, sondern ihm auch bis in die höchsten

Stufen des menschlichen Alters die Fülle und die

Frische des Geistes erhalten und bewahrt; denn noch

 

Originalseite

 

Seite 52

 

tagtäglich lesen wir in den Blättern, wie der Kaiser

sich von seinen Räten Vortrag halten läßt und so noch

immer regen Anteil nimmt, an der Regierung des

Vaterlandes. Zur Zeit des Königs Saul sprach der Herr

zum Propheten Samuel: „Wer mich ehrt, den will ich

ehren!“ Dieses Wort der Schrift findet volle Anwen-

dung auf unsern teuren Landesvater. Er hat den

Herrn geehrt; denn während der Stürme der letzten

Jahre hat der greise Monarch oft feierlich das Wort

gesprochen: „Ich will, daß meinem Volke die Religion

erhalten bleibe!“ Nie hat er ein wichtiges Werk un-

ternommen ohne zuvor den Segen des Himmels

auf sich, seine Familie und sein Volk herabzurufen.

Nie hat er einen Sieg errungen, den er sich selbst zu-

geschrieben, sondern immer dem Lenker dort oben

die Ehre gegeben. Darum hat der Herr ihn auch ge-

ehrt, indem er ihn mit Ruhm und Herrlichkeit krön-

te wie keinen Sterblichen und ihn vor aller Welt

auszeichnet durch ein so hohes Alter. Den aber Gott

selbst so ehrt, den dürfen und sollen auch wir ge-

wiß ehren. Wir wollen darum Nachahmer Gottes

sein wie die lieben Kinder und als treue Landes-

kinder unserm teuren Landesvater auch den

Tribut der Ehre zollen, indem wir mit Herz und

Mund einstimmen in den Jubelruf, der heute

aus Millionen Herzen aufsteigt: „Unser aller-

gnädigster Kaiser Wilhelm soll leben: „Hoch etc.“

Darauf erschallten zur Feier des Tages patriotische

Gedichte und Vaterlandslieder, in denen der Kai-

ser, die kaiserliche Familie oder das Vaterland ge-

feiert wurden, in reicher Auswahl miteinander

ab: Dekl. und Ges. „Heil dir im Siegerkranz.“ Dekl.

„Kaiser Wilhelm.“ „Zum Geburtstag des Kaisers.“ Ges. „Dem

König sei mein erstes Wort.“ Dekl. „Der Harfner.“ „Kö-

nigin Luise von Preußen.“ Ges. „Dem Kaiserhaus mein

 

Originalseite

 

Seite 53

 

schönstes Lied.“ Dekl. „Barbarossa.“ und „Erklärung oder Deutung der

Sage.“ „Die deutsche Kaiserkrone.“ Ges. “Der Kaiser ist ein lieber

Mann!“ Dekl. „Borussia.“ „Der Lorbeerkranz.“ Ges. „Ich bin ein

Preuße.“ Dekl. „Gruß an das Vaterland.“ „Dem Vaterlande.“

Ges. „Ich hab mich ergeben.“ Dekl. „Deutsches Weihelied.“ „Das Lied

der Deutschen.“ Ges. „Deutschland, Deutschland über alles!“

Dekl. „Des deutschen Vaterland.“ „Das deutsche Vaterland.“ Ges.

„Kennt ihr das Land?“ Dekl. „Mein Vaterland.“ Der reichste

Fürst.“ Ges. „Preisend mit viel schönen Reden.“ Dekl. „Dem

Kaiser des deutschen Reiches.“ Ges. „Unser Kaiser Wilhelm lebe

lang!“ In der Intention dieses Liedes wurde das Schluß-

gebet angeschlossen. Beim Abtreten wurden den Kin-

dern Brezeln verabreicht und so wurde die Feier

unter Freude und Jubel der Schuljugend beschlossen.

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 26. März 1886

 

Heute fand in hiesiger Schule unter dem Vorsitze des Lokal-

Schulinspektors Herrn Steuer-Inspektors Jackle von Buir-

haus und die Schul- und Entlassungsprüfung statt. Der Prüfung

wohnten außerdem bei Lehrer Breuer aus Bouderath u.

die Schulvorstandsmitglieder Hubert Kurth und Christian

Evertz aus Frohngau. Der Zimmermeister Hövel, dessen

Tochter mit zu Entlassung kam, wohnte auch der Prüfung

bei. In folgenden Unterrichtsgegenständen fand die Prü-

fung statt: Biblische Geschichte, Lesen samt Sprachlehre,

Rechnen nebst Raumlehre und vaterländischer Geschichte.

Zur Entlassungsprüfung wurden folgende fünf Kin-

der zugelassen: Kirch Jakob, Hövel Helena, Evertz Katha-

rina und Schneider Margareta aus Frohngau und

Dahm Anna aus Buir. Sämtliche Prüflinge wurden

der Entlassung fähig und reif befunden und es ward

darum bestimmt, daß den genannten Kindern am

letzten Tag des Schulsemesters ihr Entlassungs-Zeugnis

einzuhändigen sei. Zum Schluß des Prüfungsaktes

wurden die Lieder gesungen: „Dem Kaiserhaus mein

 

Originalseite

 

Seite 54

 

erstes Lied!“ und: „Preiset die Reben, hoch preiset den Rhein!“

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 5. April 1886

 

Heute versammelten sich in unserer Schule die Lehrer

des Konferenzbezirkes Nettersheim zu ihrer ersten Spezial-

konferenz in diesem Jahre. Die Lehrprobe war: „Vorfüh-

rung der Ergänzung.“ Das Thema zur schriftlichen Ar-

beit hieß: „Die methodische Behandlung der Ergänzung.“

Zum Schluß der Unterrichtsprobe wurde von den Kin-

dern das Rheinlied vorgetragen: „Preiset die Reben,

hoch preiset den Rhein!“ Nachdem auch die Lehrer der

Sangeszunft ihren Tribut gezollt, versammelten

sich alle zum Mittagessen in der Wohnung des

Lehrers, woselbst die Lehrer in recht kollegialischer

Weise den Nachmittag des Konferenztages in

der heitersten Stimmung verbrachten. Zum Be-

weise dafür führe ich nur an, daß beim Vortrag

einiger Lieder an das Lied: „Brüder laßt uns lus-

tig sein!“ das lateinische Lied: „Gaudeamus igetur“

angeschlossen wurde, wobei die Lachmuskel in

beständiger Wallung blieben.

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 2. September 1886

 

Auch in diesem Jahr wurde die Siegesfeier des glorreichen

Tages von Sedan in unserer Schule in festlicher Weise began-

gen. In der Ansprache des Lehrers an die Schuljugend wurde

darauf hingewiesen, daß man lange darüber beraten habe,

welchen Tag man als vaterländischen Gedenktag zur Beherzig-

ung der großen Ereignisse des deutsch-französischen Krieges

ansetzen solle: ob den Tag des glorreichen Sieges von Sedan,

d. 2. September 1870, oder den Tag der Proklamation des neuen

deutschen Kaiserreiches, den 18. Januar 1871. Man entschied sich

endlich für den ersteren Tag, weil er uns Ereignisse brachte,

welche auf jedes deutsche Gemüt einen überwältigenden Ein-

druck machten; darum erschien dieser Tag auch am geeignet-

sten der Repräsentant aller Geschichte der großen Zeit deutsch-

 

Originalseite

 

Seite 55

 

französischen Krieges zu sein. In der Erzählung des Lehrers vom

Kriege selbst wurde unter Benutzung des Büchleins: „Der Franzo-

senkrieg.“ das Kesseltreiben von Sedan besonders hervorgehoben

und beleuchtet. Zur Einprägung der Geschichte und zur Verherrli-

chung des Tages wechselten dann folgende patriotische Gedichte und

Gesänge miteinander ab: Dekl. „Der 19. Juli 1870.“ Ges. „Zu Charlot-

tenburg.“ Dekl. „Soldatenlied von 1870.“ Dekl. „Welscher Tand und

deutsche That.“ Ges. „Die Wacht am Rhein.“ Dekl. „Der freie deutsche Rhein.“

Dekl. „Die deutschen Kanoniere von 1870.“ Ges. „Nach Paris.“ „Weißen-

burg.“ Dekl. „Der Schmied von Sedan.“ Ges. „Nun rings die Fahnen

ausgehängt.“ „Am 3. September 1870.“ und Dekl. „Zur Siegesfeier von Se-

dan.“ Ges. „Napolium.“ o. „Was kraucht dort in dem Busch herum?“

Dekl. „Meister Erwins Heerschau.“ Ges. “O Elsaß, o Elsaß.“ Dekl. „Die

Rosse von Gravelotte.“ Ges. „Morgenrot, Morgenrot.“ Dekl. und Ges.

„Ich bin Husar gewesen.“ Dekl. „Dem Vaterlande.“ Ges. „Gelübde“ oder

„Ich hab mich ergeben.“ Dekl. „Die deutsche Kaiserkrone.“ „Kaiser Will-

helm.“ „Dem Kaiser des deutschen Reiches.“ Ges. „Unser Kaiser Wilhelm

lebe lang!“ In der Intention dieses Liedes wurde ein „Vater

unser“ gebetet und so wurden zum Schluß der Feier Fürst

und Vaterland empfohlen in den Schutz des Allerhöchsten.

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 22. März 1887

 

Der Geburtstag Sr. Majestät, unseres allverehrten Kai-

sers Wilhelm wurde heute in unserer Schule in fest-

licher Weise begangen. Galt es ja doch, den neunzig-

sten Jahrestag des Geburtsfestes unseres teuren Helden-

kaisers würdig zu feiern. In seiner Ansprache an die

Kinder führte der Lehrer besonders aus, wie Fürsten u.

Abgesandte von den Höfen Europas sich nach Berlin, der

Residenz des Kaisers begeben hätten, um den greisen

Monarchen bei der Vollendung seines 90. Lebensjahres

zu beglückwünschen. Im ganzen Vaterlande finde

diese Geburtstags-Festfeier den freudigsten Wider-

hall; besonders aber würden in allen Schulen zur

Verherrlichung des Tages patriotische Gedichte und Ge-

sänge vorgetragen.

Die Deklamationen und Lieder, welche bei unserer Schul-

feier aufgeführt wurden, hatten zum Gegenstand:

 

 

Originalseite

 

Seite 56

 

1. das Kaiserhaus oder die kaiserliche Familie; 2. unseres

engeres Vaterland, Preußen; 3. Deutschland, unser ge-

meinsames Vaterland.

Nachdem zum Heil des teuren Landesvaters das Schul-

gebet verrichtet worden, fand die Feier bei der Schul-

jugend einen freudigen Abschluß, als jedem Kinde

als kleines Festgeschenk eine Brezel überreicht wurde.

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 28. März 1887

 

Bei der heute von dem Lokal-Schulinspektor Herrn

Steuer-Inspektor Jackle abgehaltenen Schul- und Entlas-

sungsprüfung war bezüglich des zur Entlassung gesetz-

lich erforderlichen Alters eine neue Regierungs-Ver-

fügung maßgebend, kraft welcher die Entlassung mit

13 ½ Jahr stattfinden konnte. Es wurden demzufolge

zur Prüfung zugelassen und zur Entlassung bestimmt:

Kurth Matthias und Evertz Regine aus Frohngau

und Jackle Joseph, Müller Peter und Hehs Barbara

aus Buir. Die Zeugnisse wurden den genannten

Kindern nach Schluß des Wintersemesters eingehändigt.

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 2. September 1887

 

Auch in diesem Jahr wurde der Tag des glorreichen

Sieges bei Sedan in unserer Schule in festlicher Weise be-

gangen. Durch eine Ansprache des Lehrers wurden die

Kinder mit dem Wesen und der Bedeutung des Sedan-

tages bekannt gemacht. Die darauf folgenden Gedichte

und Gesänge waren entnommen der Geschichte des

deutsch-französischen Krieges; sie besangen unseren

deutschen Heldenkaiser, Wilhelm den Siegreichen, oder

sie galten endlich dem gesamten deutschen Vater-

lande. Mit einem herzlichen Gebet für das Wohl

und Gedeihen des teuren Vaterlandes, namentlich

um Einigkeit und Kraft und Stärke im Inneren,

wurde die schöne Feier geschlossen.

Beihsel, Lehrer.

 

Originalseite

 

Seite 57

 

          Frohngau, d. 22. März 1888.

 

          Zur Gedächtnisfeier unseres Kaisers Wilhelm

 

Gemäß Verfügung königlicher Regierung versammelten sich

heute Lehrer und Schüler im Schulsaal, um die wegen Ablebens

unseres geliebten Kaisers Wilhelm angeordnete Gedächtnisfeier

würdig zu begehen. Eröffnet wurde die Feier durch folgende

Ansprache des Lehrers: „Wie freudig haben wir so oft den heuti-

gen Tag, den Geburtstag unseres Kaisers Wilhelm, mit­einan-

der gefeiert. Auch in diesem Jahr hatten wir uns wieder auf

diesen hehren Tag gefreut und schon begonnen, uns mit patri-

otischen Gedichten und Liedern zu dessen würdiger Feier zu rüs-

ten. Aber mit einem Schlag wurde aus dem nahen Freuden-

tag ein tief ergreifender großer Trauertag. Unser unvergeß-

licher Kaiser Wilhelm hat seinen 91. Geburtstag nicht mehr er-

lebt. Am 9. d. M. ist er aus dieser Zeitlichkeit sanft hinüberge-

schlummert ins Land der Ewigkeit. War es auch vorauszuse-

hen, daß die Tage des greisen Monarchen gezählt seien, so

wurden dieselben noch beschleunigt durch den Kummer um

seinen im Ausland weilenden kranken Sohn und durch die

Trauer über den Tod seines Enkels in Baden. Die Nachricht von

dem Tode des Kaisers kam indes wie ein harter plötzlicher

Schlag und erfaßte nicht nur jede deutsche Brust, sondern

selbst das Ausland mit tiefer Wehmut und Trauer. Unser

hl. Va­ter Leo XIII. war von der Todes-Nachricht des deutschen Kai-

sers so erschüttert, daß er einige Zeit zur Arbeit unfähig war

und das Beileids-Telegramm an den Kaiserlichen Hof

nicht selbst abzufassen vermochte. Der Kaiser von Rußland,

Alexander III., ein entfernter Verwandte unse­res Kaisers

Wilhelm, verordnete, daß das ganze russische Heer einige Wo-

chen lang Trauerflor tragen, und daß das Regiment dessen

Chef Kaiser Wilhelm gewesen war, für alle kommenden Zei-

ten den Namen „Wilhelm der Erste“ tragen solle. Trauert

so das Ausland um den Heimgang des großen Kaisers, um

wie viel mehr muß uns, die deutschen Landeskinder, der Tod

unseres treuen Landesvaters mit Trauer erfüllen.

Es war ein schöner Gedanke seines erlauchten Soh­nes, unseres

neuen Kaisers Friedrich, daß er verordnete, daß am Ge-

burtstage unseres heimgegangenen Kaisers Wilhelm in

 

Originalseite

 

Seite 58

 

allen Schulen des großen Vaterlandes eine Gedächtnisfeier

statt­finde; es war dies ein Gedanke, der jedem Deutschen wie

aus tiefer Brust gesprochen war. Denn wer möchte nicht

gern an diesem Tage sich das Leben des heimgegangnen

Kaisers als Muster zur Nachahmung  sich vor Augen stellen.

In seinem erhabenen Leben treten uns besonders seine Tu-

gendsäulen als Grundpfeiler seines Charakters entgegen.

Diese sind: „Die Tapferkeit, die Ehre, die Pflicht und die Liebe zum

Vaterlande.“ Ein Muster der Tapferkeit ist er nicht erst gewor-

den durch seine Heldenthaten in den siegrei­chen Kriegen, die

er führte, nein schon in frühester Jugend erwarb er sich

durch Tapferkeit das eiserne Kreuz. Auch in seinem Äußern

finden wir diese Tapferkeit; denn seitdem er in die Armee

eingetreten, trug er nun mehr den Waffenrock und das

Schwert wich nicht mehr von sei­ner Seite. Die zweite Tu-

gendsäule ist die Ehre. Nicht nur der Ehre des Vaterlandes

galt sein Streben, auch die Ehre seines Hauses und die per-

sönliche Ehre hat er stets hochgehalten; denn sein ganzes

langes Leben finden wir durch nichts Unedles entweiht.

Der dritte Grundzug seines Charakters ist die Pflicht Bis zum

letzten Atemzuge blieb er treu der Sorge und rastlosen

Thätigkeit in seiner erhabenen aber schwierigen Stellung.

In seinen jüngeren Jahren trug ein Orgelbauer dem

jungen Prinzen, den er nicht kannte, als er auf einem

seiner Instrumente musizierte, eine Organistenstel-

le an. Der junge Prinz, der den Ruf der Pflicht wohl erkann-

te, erwiederte: „Ich habe eine Stelle, die ich nicht aufgeben

kann und nicht aufgeben will.“ Als einst einer seiner

Kammerdiener, ein Siebziger, wegen seines hohen Alters

wünschte, in den Ruhestand versetzt zu sein, entgegnete

ihm der Kaiser lachend: „Du und ich, wir zwei haben kei-

ne Zeit zu ruhen.“ Ein gar sprechendes Bild seiner Pflicht

in rastloser Thätig­keit ist seine letzte mit zitternder

Hand auf dem Todesbette gegebene Namensunter-

schrift: Wil­helm. Die vierte Tugendsäule endlich, die

Liebe zum Vaterlande, steht bei Kaiser Wilhelm im voll-

sten Glanze da. Sein ganzes Leben und Streben galt dem

Vaterlande. Dem Vaterlande zu leben und ihm zu dienen,

das war seine Ehre; das Vaterland zu erheben, das war sein

 

Originalseite

 

Seite 59

 

Ruhm. Seine rastlose Thätigkeit in der Einrichtung des Heeres

und dessen glorreiche Führung vom Kampf zu Sieg hat un-

ser deutsches Vaterland zum ersten Staate der Welt gemacht.

Darum war es auch die letzte große Freude unseres nun

verblichenen Kaisers, als ihm die Meldung ward, daß der

deutsche Reichstag das neue Wehrgesetz wie ein Mann an-

genommen habe; denn darin sah der Kaiser die wichtigste

Bürgschaft für den ruhmreichen Fortbestand des teu­ren

Vaterlandes. Das erhabene Leben unseres Kaisers Wilhelm

wollen wir nachahmen: sein Tugend-Beispiel soll uns

stets vor Augen schweben. Tapferkeit, Ehre, Pflichtreue und

Vaterlands­liebe, sie seien ein Erbteil von unserm nun

in Gott ruhendem Kaiser Wilhelm; dieses Erbteil unseres

teuren Landesvaters wollen wir wie es treuen Landes-

kindern geziemt als ein teures Vermächtnis schätzen, eh-

ren und hochhalten. Dann wird in Deutschlands Gauen

wahr, was der Dichter in seinem Trauergedichte sagt:

„Und wenn die Trommeln rufen: Ihr Männer zum

Ge­wehr! Dann geht der Kaiser Wilhelm wie immer

vor uns her." In eben diesem Sinne ist auch zu ver-

stehen das Dichterwort: „Der Kaiser ist nicht tot!

Der Kaiser, der lebt."

Nach dieser feierlich-ernsten Ansprache des Lehrers wurde

von der ganzen Schulklasse das Gedicht vorgetragen: „Lan-

destrauer“ Darauf folgten die Trauer-Gedichte: „Dem

Kaiser Wilhelm“, „An des Kaisers Bahre und „An der

Gruft des Kaisers". Endlich kamen zum Vortrag die

Gedichte und Gesänge: „Der Wanderer in der Sägemühle",

„Die Kapelle" und: „Die Heimat der Seele". Ersteres er-

innert an den Spruch: „Vielleicht sind auch zu meinem

Sarg die Bretter schon geschnitten!“ Die Kapelle ruft

uns zu: „Auch dir wird einst das Glöcklein läuten!“

Die Heimat der Seele aber erinnert uns daran,

daß im Himmel unser wahres Vaterland ist.

Mit ei­nem andächtigen Vater unser fürs liebe deutsche

Vaterland wurde die Gedächtnisfeier ge­schlossen.

 

Beihsel, Lehrer.

 

Originalseite

 

Seite 60

 

          Frohngau, d. 27. März 1888

 

Heute Morgen fand unter dem Vorsitze und der Leitung

des Lokal-Schulinspektors Herrn Steuer-Inspektor Jackle

in hiesiger Schule die Schul- und Entlassungsprüfung statt.

Auch unser Pfarrer und sämtliche Mitglieder des

Schulvorstandes waren zur Prüfung erschienen. Nachdem

die beiden oberen Abteilungen mit einer schriftlichen Ar-

beit beschäftigt worden, begann mit den Kleinen die

mündliche Prüfung. Dann kam die III. Stufe und darauf

die I. Stufe ans Lesen, mit welchem bei den zu entlassen-

den Kindern Sprachlehre verbunden wurde. Die zur Entlas-

sung zu prüfenden Kinder waren: Schneider Peter aus

Frohngau, Dahm Katharina, Radermacher Anna, Jackle

Maria Klara und Schnichels Maria aus Buir. Jeder

von den Prüflingen mußte eine Prüfungsaufgabe im

Rechnen an der Schultafel frei anfertigen. Im Gesang

kamen von der ganzen Schulklasse insgesamt zum Vor-

trag: „Die Kapelle“ und „Der Seele Heimat.“

Die Entlassungs-Zeugnisse werden für die genannten

abgehenden Kinder baldigst angefertigt und ihnen

demnächst zugestellt werden. 

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 30. Juni 1888

 

Aus Anlaß des am 15. Juni erfolgten Hinganges unseres

allverehrten Kaisers Friedrich III. ward von unserem

hochwürdigsten Herrn Erzbischof in allen Kirchen der

Erzdiözese eine Ge­dächtnisfeier oder Trauerfeierlichkeit

für den teuren heimgegangenen Kaiser angeordnet.

Der hochwürdigste Herr Erzbischof hatte selbst eine feierli-

che Trauerrede verfaßt, welche von der hochwürdigsten

Geistlichkeit bei der Gedächtnisfeier den Gläubigen vorgele-

sen wurde. Die Trauer‑ oder Totenbahre war mit grü-

nen Topfpflanzen und Myrtensträuchern sinnig geziert.

Vor Ver­lesung der Trauerrede sang der Kirchenchor eine Strophe

und nach derselben zwei Strophen von dem Trauerliede:

 

Originalseite

 

Seite 61

 

„Die Heimat der Seele:“ „Wo findet die Seele die Heimat, die Ruh?“

Unser neuer Kaiser Wilhelm II. verordnete, daß in allen Schulen

des großen Vaterlandes eine Gedächtnisfeier für den heimgegange-

nen Kaiser Friedrich stattfinde. Diese Feier fand statt am

30. Juni. Es wurde dabei besonders hervorgehoben, welch hehrer und

erhabener Gedanke es von unserem jugendli­chen Kaiser Wilhelm

war, daß er diese Feier zum Ruhme seines Vaters anordnete.

Und wahr­lich! Der Aufruf zu einer solchen Feier fand den lau-

testen Widerhall im ganzen Vaterlande: In Schulen und Ver-

einen wurde die Gedächtnisfeier in sinniger Weise und un-

ter allgemeiner Be­teiligung gehalten. War doch der teure

Heimgegangene als Kronprinz der Liebling der deut­schen Na-

tion! Aber erst als Kaiser gaben seine Ansprachen an Regie-

rung und Volk aller Welt Zeugnis: welch hehrer Geist in

ihm walte, welche hohe Mannnesehre und Menschenwürde

in ihm wohne. Bei unserer Schulfeier wurde von der

Schuljugend das schöne Gedicht: „Landes­trauer“ vorgetragen.

Dann sangen wir die Lieder: „Die Heimat der Seele.“ „Der

Wanderer in der Sägemühle.“ „Die Kapelle.“ Das Schlußgebet

wurde in der Intention verrichtet: Gott wolle unserem

schwerheimgesuchten Kaiserhause Linderung im Leid u.

Trost verleihen, unserem neuen Kaiser aber Kraft u.

Stärke schenken zum Heil des Vaterlandes.

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 18. Oktober 1888

 

Es war jedem treuen Vaterlandsfreunde aus dem Her-

zen gesprochen, als Seine Majestät der Kaiser und Kö-

nig durch allerhöchsten Erlaß am 09. Juli d. J. zu bestim-

men geruhte, daß in sämtlichen Schulen der Monar-

chie die Geburts‑ und Todestage der in Gott ruhenden

Kaiser Wilhelm I. und Friedrich fortan als vaterlän-

dische Gedenk‑ und Erinnerungstage begangen

werden sollten. Da in diesem Jahre der 18. Oktober

in die Herbst-Ferien fiel, so sind wir beim Beginn

des neuen Schulsemesters vorstehender Verordnung

 

Originalseite

 

Seite 62

 

mit Freuden nachgekommen. Es wurde dabei erwähnt,

daß der heimgegangene Kaiser Friedrich am 18. Oktober

seinen Ge­burtstag zum Erstenmal als Kaiser würde

gefeiert haben, wenn ihn der Himmel im Leben gelas-

­sen. Dann wurde darauf hingewiesen, daß der Geburts-

tag unsers verewigten Kaisers, der 18. Oktober, in der

Geschichte unsers Vaterlandes ein gar bedeutungsvol-

ler Tag sei. Zum Schlus­se haben wir am Geburtstage

des geliebten Kaisers Friedrich den Schwur erneuert:

nach sei­nem Muster und Beispiele dem Vaterlande

treu zu bleiben und fürs Wohl des Vaterlandes thätig

zu sein bis zum letzen Atemzuge.

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 27. Januar 1889

 

Der Geburtstag Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II. fiel in

diesem Jahre auf einen Sonntag. Darum ward die Schul-

feier von der Hohen Behörde auf Samstag d. 26. verlegt.

Unter Benutzung des Büchleins: „Heil Kaiser dir!

(Festgabe für die deutsche Jugend zur ersten Geburtstags-

Feier Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II.) haben wir des Kai-

sers Geburtstag in feierlicher Weise begangen wie folgt:

Ansprache an die Kinder. Deklamation: „Die deutschen Ei-

chen.“ Ges. „Hermannslied.“ Ein dreimaliges Hoch auf

den Kaiser und die preußische Volkshymne: „ Heil dir im

Siegerkranz!“ Erzählung oder Vortrag: „Lebensbild unseres

Kaisers.“ Dekl. „Die drei Worte:“ „Gott, König, Vaterland.“

Gesang: „Dem König sei mein erstes Wort.“ Dekl. „Am

Kaisers-Geburtstag.“ Dekl. und Gesang: „Der Kaiser ist ein

lieber Mann.“ Vortrag: „Thronbesteigung Kaiser Wilhelm II.

und seine Proklamation: „An mein Volk!“ Dekl. „Dem

Kaiser: Auf des Ahnherrn hehrem Thron.“ Ges. „Dem Kai-

serhaus mein schönstes Lied.“ Dekl. „Dem Kaiser des

deutschen Reiches.“ Ges. „Ich bin ein Preuße!“

Zum Schlusse hielt der Lehrer folgende Ansprache an die

Kinder: „unser Keiser vollendet heute sein 30. Lebensjahr

 

Originalseite

 

Seite 63

 

und haben wir somit einen Kaiser noch jung an Jahren.

Als König Salomon seinem Vater David in der Regierung

folgte, da war auch er an Jahren noch jung. Darum rief er

zum Herrn und flehte: „Herr, ich bin noch jung und uner-

fahren; darum gib mir Weisheit und Verstand, damit ich dieses

große Volk gut regieren und Gutes und Böses zu unterscheiden ver-

möge.“ „Diese Bitte gefiel dem Herrn und er sprach zu Salomon:

„Siehe, weil du nicht um Reichtum und Ehre, nicht um den

Tod deiner Feinde, nicht um ein langes Leben gebeten hast, son-

dern um Weisheit: darum habe ich dir ein so weises und ver-

ständiges Herz gegeben, daß deines Gleichen weder vor dir ge-

wesen ist, noch nach dir kommen wird.“  „ Dieses wollen

wir uns zur Lehre nehmen und in unserem Schlußgebet un-

seren jungen König und Kaiser des Himmels Weisheit erfle-

hen, damit auch er durch den Schutz und Segen von oben

sein Volks gut zu regieren vermöge.“ In dieser Intention

wurde das Schlußgebet verrichtet. Beim Heimgang wurde

jedem Schulkinde eine Brezel verabreicht und so die erste

Kaisers-Geburtstags-Feier mit Freude und Jubel ge-

schlossen.

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 17. April 1889

 

Nach vorhergegangener Schul- und Entlassungsprüfung

durch den Lokal-Schulinspektor Herrn Steuer-Inspektor

Jackle wurden am heutigen Tage aus der Schule entlas-

sen: Witzeller Georg, Kurth Elisabeth, Meyer Anna aus

Frohngau und Behrend Anna aus Buir.

Der mitgeprüfte Schüler Johann Beihsel aus Frohngau konn-

te an diesem Tag noch nicht entlassen werden, weil

zuvor ein Gesuch um Entlassung an den Herrn Kreis-

Schulinspektor gerichtet werden mußte, da dieser Schüler

erst am 3 November sein 14. Lebensjahr vollendete.

Seine Entlassung erfolgte erst am 29. April.

Beihsel, Lehrer.

 

Originalseite

 

Seite 64

 

          Frohngau, d. 2. September 1889

 

Am heutigen Morgen fand in unserer Schule die vor-

geschriebene Sedansfeier statt. Nachdem der Lehrer in ei-

nem geschichtlichen Vortrage die Kinder mit der Bedeu-

tung des Tages bekannt gemacht hatte, wechselten zur

Verherrlichung des Festes und zur Bekundung und z. Bele-

bung der patriotischen Gesinnung folgende Gedichte

und Vaterlandslieder miteinander ab: „Der 19. Juli 1870.“

„Die Wacht am Rhein.“ „Welscher Tand und deutsche That.“ „Die

deutschen Kanoniere von 1870.“ „Nach Paris oder Weißenburg.“

„Die Rosse von Gravelotte.“ „Reiters Morgengesang.“ „Zur

Siegesfeier von Sedan.“ „Nun rings die Fahnen ausgehängt!“

„Napolium.“ oder „Was kraucht dort in dem Busch herum?“

„Die deutsche Kaiserkrone.“ „Dem Kaiser des deutschen Reiches.“

Nach Deklamation und Gesang wurde die Feier geschlos-

sen mit einem herzlichen Gebet für unser liebes teu-

res Vaterland.

 

Beihsel Lehrer

 

          Frohngau, d. 27. Januar 1890

 

Ansprache des Lehrers an die versammelte Jugend:

„Nach dem kirchlichen Gottesdienste, wobei wir den Aller-

höchsten, den Herrn der Völker und Staaten, den König der

Könige, um Glück und Segen für unseren teuren Kai-

ser Wilhelm und das ganze Vaterland angefleht, haben

wir uns jetzt im Schulsaale versammelt, um auch hier

den „Allerhöchsten Geburtstag“ in würdiger Weise zu be-

gehen. Mit patriotischen Gedichten und Vaterlands-Ge-

sängen haben wir uns reichlich ausgerüstet, um sie in

einem schön geordneten Kranze hinzulegen auf den

Altar des Vaterlands, und um hieran unser Herz zu

entflammen zur Liebe und Treue zu Fürst und Vater-

land. Unsere Feier wollen wir eröffnen mit dem Rufe:

Unser allergnädigster König und Kaiser Wilhelm II. soll

leben: „Hoch, hoch, hoch!“ Darauf wechselten zur Feier des

Tages folgende Deklamationen und Vaterlandslieder:

Dekl. „Heil Kaiser dir.“ Ges. „Heil dir im Siegerkranz.“ Dekl. „Kai-

 

Originalseite

 

Seite 65

 

ser Wilhelm lebe hoch!“ Ges. „Dem König sei mein erstes Wort.“

Dekl. „Vorüber ist die unheilvolle Wetterwolke.“ Dekl. „Auf des Ahn-

herrn hehrem Thron.“ Dekl. „Der Kaiser ist ein lieber Mann.“

Ges. „Der Kaiser ist ein lieber Mann.“ Dekl. „Drei Worte: Gott,

König, Vaterland.“ Ges. „Dem Kaiserhaus mein schönstes Lied.“

Dekl. „Borussia.“ Dekl. „Ich bin ein Preuße.“ Dekl. „Mein Vater-

land.“ Dekl. „Das deutsche Vaterland.“ Ges. „Kennt ihr das Land

so wunderschön?“ Dekl. „Des deutschen Vaterland.“ Ges. „Laßt

Lieder erschallen!“ Dekl. „Deutschland, Deutschland über alles!“

Ges. „Deutschland, Deutschland über alles!“ Dekl. „Dem Kaiser

des deutschen Reiches.“ Ges. „Unser Kaiser Wilhelm lebe lang!“

Im Anschluß an dieses Lied und in der Intention dessel-

ben wurde das Schlußgebet verrichtet und den Kindern

beim Abtreten als Geschenk eine Brezel eingehändigt.

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 24. März 1890

 

Heute fand unter dem Vorsitze und der Leitung des Lokal-

Schulinspektors, Rechnungsrates Herrn Jackle in hiesiger

Schule die Schul- und Entlassungsprüfung statt. Auch die

Schulvorstandsmitglieder Kurth und Evertz hatten sich

zur Prüfung eingefunden. Die Prüfung erstreckte sich

über Lesen, Satzlehre oder Sprachlehre, Rechnen und Gesang.

Zur Entlassungsprüfung wurden zugelassen: Evertz Mat-

thias, Breuer Maria, Pütz Gertrud, Notarius Anna aus

Frohngau und Dahm Barbara, Schnichels Susanna

und Radermacher Katharina aus Buir. Letztgenann-

te, die den Winter einige Monate krank war, wurde der

Entlassung nicht fähig befunden. Die sechs anderen Prüf-

linge wurden zur Entlassung bestimmt und daher die

Aufstellung ihrer Zeugnisse verordnet. Für Notarius u.

Schnichels mußte aber nebst dem Zeugnis ein Antrag der

Eltern auf vorzeitige Entlassung eingehen, da diese beiden

Kinder das gesetzliche Alter noch nicht erreicht hatten.

 

Originalseite

 

Seite 66

 

Die zweite Singklasse sang vor dem Abtreten der Kleinen

die Lieder: „O wie herrlich und wie schön ist es, in die Schul`

zu gehn!“ und: „Es klappert die Mühle am rauschenden

Bach.“ Die erste Singklasse sang beim Schluß die Lieder:

„O wie ist es kalt geworden!“ und: „Auf den Schnee, auf

den Schnee folgt der schöne Hoffnungsklee.“ Als Schluß zum

Gebete wurde gesungen: „Unschuld, schönste Himmelsgabe.“

Nach Schluß der Prüfung wurde Nachfrage gestellt über

den Stand der Nähschule. Der Lehrer, der sich darüber in-

formiert hatte, teilte mit, wie viele Hemden, Schürzen und Strüm-

pfe uns Schürzen fertig gestellt seien. Es wurde dar-

auf verordnet, eine Verteilungsliste über diese Sachen

aufzustellen, dem Schulvorstande zur Einsicht vorzule-

gen und gemäß dieser Verteilungsliste dann am

letzten Schultage die gefertigten Sachen den Kindern

einzuhändigen.

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 2. September 1890

 

Am heutigen Tage wurde in unserer Schule der zwanzig-

jährige Gedächnistag des glorreichen Sieges von Sedan

in festlicher Weise begangen. Nach der Ansprache des Lehrers

wurden zur Verherrlichung des Tages, zum Ruhm des

Vaterlandes und zur Begeisterung der jungen Staats-

bürger folgende patriotische Gedichte und Gesänge vor-

getragen: Deklamation: „Welscher Tand und deutsche

That.“ Dekl. und Ges. „Die Wacht am Rhein.“ Dekl. „Der

freie deutsche Rhein.“ Dekl. und Ges. „Der 19. Juli 1870.“

Dekl. „Zur Siegesfeier von Sedan.“ Dekl. und Ges. “O Elsaß.“

Dekl. „Die Rosse von Gravelotte.“ Gesang: „Morgenrot.“

Ges. „Weißenburg.“ Ges. „Nun rings die Fahnen ausge-

hängt.“ Ges. „Was kraucht dort in dem Busch herum?“

Dekl. „Die deutsche Kaiserkrone.“ Dekl. „Gruß an das Vater-

land.“ Dekl. „Kennt ihr das Land?“ Ges. „Die preußische

Volkshymne: Heil dir im Siegerkranz!“

 

Originalseite

 

Seite 67

 

Das Schlußgebet wurde an diesem Tage in der Intention ver-

richtet: Gott wolle unser deutsches Vaterland das nach außen

so erhaben und groß da steht, auch im Innern einig

und stark machen.

Beihsel, Lehrer.

 

          Frohngau, d. 25. Oktober 1890

 

Aus Anlaß des Geburtstages unseres großen Feldherrn, des

Grafen Moltke wurde heute in unserer Schule eine vaterlän-

dische Feier veranstaltet. Eröffnet wurde dieselbe durch folgen-

de Ansprache des Lehrers an die Schuljugend:

 „Wir begehen heute einen vaterländischen Gedenktag. Am

morgigen Tage ist der 90. Geburtstag unseres großen Feld-

herrn, des Grafen Moltke. Seine Majestät, unser allergnädig-

ster Kaiser Wilhelm haben zu verordnen geruht, daß aus An-

laß dieses Geburtstages am 25. Oktober in allen Schulen des

ganzen Vaterlandes eine entsprechende Feier stattfinde

zum Ruhme und preise des großen Feldherrn, der sich um