Chronik des Dorfes Frohngau 1800 bis 1899

Letzte Aktualisierung 27.06.2017 (1895-Chronik Bürgermeisterei Holzmülheim-Tondorf)

 

1802

 

Frohngau und Buir trennen sich von der Pfarre Tondorf und gründen eine eigene Pfarre.

 

Erster Pfarrer ist Jois Jaes Chrysanthus Kolvenbach, geboren am 31.05.1752 in Münstereifel. Er wird am 26. September eingeführt und ist bis zum 13.01.1819 in Frohngau tätig.

 

 

1803

 

Paulus Radermacher von Dorsel wird als erster weltlicher Schullehrer angestellt und ist bis 1826 tätig. Sein Vater soll Landsknecht auf der Burg Aremberg gewesen sein.

 

Das Rheinland wird auf Veranlassung der französischen Besatzung ab 1803 durch Tranchot neu kartiert. (Siehe unter Bildergalerie: Frohngau 1809)

 

 

1804

 

Durch ein Dekret des damaligen Bischofs von Aachen, Marcus Antonius Berdolet, über die neue Begrenzung der Pfarren wird die Pfarrerhebung offiziell bestätigt.

 

Frohngau muss 200 Reichstaler Kriegskontribution zahlen, die von Peter Kirch und Johannes Kurth vorgestreckt wird.

 

 

1808

 

Die Kanzel aus der abgerissenen St. Johanniskirche in Münstereifel kommt in die Kirche nach Frohngau.

 

 

1812

 

Die französische Besatzung  führt eine Volkszählung durch, die für Frohngau folgendes Ergebnis hat:

 

 

Häuser 37, davon 1 nicht bewohnt.

 

174 Einwohner. davon 67 männlich, 50 weiblich und 57 Kinder unter 13 Jahre.

 

Quelle: Hauptstaatsarchiv Düsseldorf. Best.: Roer-Depart./Akte 1690, Blatt 32-33

Blatt 289 / R bis 291 / R und Blatt 301 / R bis 303 / R

 

 Abschrift der Bevölkerungsliste von 1812

 

 

1813

 

Pfarrer Kolvenbach kauft laut Kirchenrechnung auf einer Versteigerung in Blankenheim für über 100 Reichstaler Kirchenmöbel.

 

Frohngau stellt acht Mann zur Rheinarmee, wovon sechs fallen.

 

 

1815

 

Nach dem Wiener Kongress werden am 5. April das Rheinland und somit auch der Ort Frohngau preußisches Staatsgebiet.

 

 

1816

 

Von April bis September vernichten Frost, Schnee und Eisstürme Ernten in Nordamerika und Europa. Es kommt zu Hungersnöten.

 

Ursache für das Jahr ohne Sommer ist der Ausbruch des indonesischen Tambora-Vulkans 1815, der auf der Nordhalbkugel einen vulkanischen Winter verursacht. Die Abkühlung des Weltklimas durch den Ausbruch hält noch bis 1819 an.

 

In der Eifel bricht eine große Hungersnot aus. In den Monaten April und Mai schneit es tagelang. Die Felder können nicht bestellt werden oder die Feldfrüchte verfaulen auf dem Feld.

 

 

1819

 

Pfarrer Kolvenbach verlässt die Pfarrgemeinde.

 

Pfarrverwalter wird zunächst Pfarrer Johann Matthias Linden aus Bouderath.  

 

Am 19.Oktober 1819 wird Matthias Anton Frings Pfarrer von Frohngau und ist bis 1827 in Frohngau tätig.

 

 

1821

 

Gemäß Wörterbuch des Preußischen Staates von 1821 hat Frongau 203 Einwohner.

 

 Kopie der Seite 399 des Wörterbuches des preußischen Staates von 1821

 

 

1826

 

Die 1659 erbaute erste Schule wird abgerissen und an gleicher Stelle die zweite Schule gebaut. Das Gebäude steht heute noch und wird als Pfarrheim genutzt.

 

An der Pfarrkirche wird östlich vor dem Chor eine Sakristei angebaut.

 

Paulus Radermacher beendet seinen Schuldienst. Nach ihm sind folgende Lehrer in Frohngau tätig:

 

Schmitz von Witscheiderhof, Poll aus Urfey, Pütz aus Sötenich, Schmitz aus Nöthen, Stappen aus Alendorf.

 

 

1827

 

Wechsel vom Dekanat Gemünd ins Dekanat Steinfeld.

 

Lambertus Lentz, geboren am 19.03.1767, wird Pfarrer in Frohngau und ist bis zu seinem Tod am 12. Februar 1844 in Frohngau tätig. Er soll ein guter Schütze gewesen sein und versorgte gelegentlich seine Küche mit einem Hasen oder Reh.

Als ihm einmal ein Hase gebracht wurde der nicht waidgerecht erlegt worden war, soll er folgenden Ausspruch gemacht haben:

 

„Wat für en Sau hät däe nu wie jeschauße“

 

 

1828

 

Gemäß der Topographisch statistische Beschreibung der Rheinprovinz hat Frohngau 219 Einwohner.

 

 Ausschnitt Seite 850 der topographisch statistische Beschreibung der Rheinprovinz 1830

 

 

1832

 

Thomas Stappen wird Lehrer in Frohngau und ist über 30 Jahre lang bis zum Jahre 1866 tätig.

 

 

1838

 

Die 1689 neben der Kirche erbaute erste Schule wird durch einen Neubau ersetzt, die bis zum Jahre 1908 genutzt wird.

 

Im Wochenblatt und Anzeiger für den Kreis Schleiden Nr. 14 und 52 werden die Gast- und Schankwirte in der Bürgermeisterei Holzmülheim aufgeführt. Aus Frohngau werden Jakob Blum zu Frohngau und Georg Witzeller zu Frohngau genannt.

 

Die Gemeinde kündigt den öffentlichen Verkauf von Holz im Unterhaltungsblatt und Anzeiger für den Kreis Schleiden  an.

 Kopie der Anzeige

 

 

1839

 

Bei der Brief- und Paketpost zwischen Münstereifel und Blankenheim über Frohngau ist ein Paket verloren gegangen. Dem Finder wird eine Belohnung von 10 Thalern versprochen.

 

 

1841

 

In einer Veröffentlichung des Unterhaltungsblattes und Anzeigers für den Kreis Schleiden sind für Frohngau verzeichnet: Häuser 45; Einwohner 219, darunter katholische 219

 

 

1842

 

Am Pfarrhaus ist eine Reparatur durchzuführen. Die notwendigen Gewerke werden am 1. 2. im Unterhaltungsblatt und Anzeiger für den Kreis Schleiden ausgeschrieben.

 

 Kopie der Ausschreibung

 

 

Am 2. April wird die innere Instandsetzung des Pfarrhauses im Unterhaltungsblatt und Anzeiger

für den Kreis Schleiden ausgeschrieben.

 

 Kopie der Ausschreibung

 

 

Im Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf wird unter dem 21. 4. ein Steckbrief gegen den Knaben Peter Schmitz aus Frohngau veröffentlicht.

 

 Kopie des Steckbriefs

 

 

1844

 

Pfarrer Lambertus Lentz stirbt am 12. Februar im Alter von 76 Jahren. Pfarrverwalter wird Pfarrer Haas aus Tondorf.

 

Peter Christian Wurth aus Kreuzberg, bisher Vikar in Opladen, wird am 4. 3. als Pfarrer eingeführt. Geboren am 1.02.1797. wurde er am 23.09.1826 zum Priester geweiht. Er ist bis zu seinem Tod am 20. September 1877 in Frohngau tätig. Unter seiner Regie wird 1868 bis 1869 die Kapelle in Buir gebaut.

 

 Zeitschrift für Wissenschaft und Kunst 1845

 

 

1845

 

Die innere Instandsetzung des Pfarrhauses ist durchzuführen. Die Ausschreibung erfolgt unter dem 2. April im Unterhaltungsblatt und Anzeiger für den Kreis Schleiden.

 

 Kopie der Ausschreibung

 

 

1846

 

Die Reparatur und innere Instandsetzung des Schulhauses ist durchzuführen. Die Ausschreibung erfolgt unter dem 7. November im Unterhaltungsblatt und Anzeiger für den Kreis Schleiden.

 

 Kopie der Ausschreibung

 

 

1848

 

Die Bundesstraße 51 von Köln nach Trier wird ausgebaut und damit die Eifel verkehrsmäßig erschlossen.

 

 

1850

 

In einem Buch mit dem Titel

"Der Regierungsbezirk Aachen

Ein Wegweiser für Lehrer, Reisende und Freunde der Heimathkunde"

 

von J.H. Kaltenbach, Lehrer an der höheren Bürger- und Provinzial-Gewerbeschule zu Aachen aus dem Jahre 1850 werden unter anderem die Orte der jetzigen Gemeinde Nettersheim beschrieben.

 

 Kopie der Ortsbeschreibungen

 

 

1851

 

Die Kirchengemeinde kündigt den öffentlichen Verkauf von Holz im Unterhaltungsblatt und Anzeiger für den Kreis Schleiden  an.

 Kopie der Bekanntmachung

 

 

1852

 

In dem Buch: „Eiflia illustrata oder geographische und historische Beschreibung der Eifel“ Untertitel: „Die Städte und Ortschaften der Eifel 1852“ sind die Orte der Bürgermeisterei Holzmülheim beschrieben. Danach hat Frohngau 265 Einwohner, die in  41 Häusern wohnen

 

 Frohngau in die Städte und Orte der Eifel

 

 

1853

 

Die Kirchengemeinde kündigt den öffentlichen Verkauf von Holz im Unterhaltungsblatt und Anzeiger für den Kreis Schleiden  an.

 

 Kopie der Bekanntmachung

 

 

1854

 

Die bestehende Postkutschenverbindung Köln - Trier wird um eine Haltestation erweitert, die an Buirhaus eingerichtet wird und von Frohngauern genutzt werden kann.

 

 

1857

 

Der Junggesellenverein Frohngau wird im Unterhaltungsblatt für den Kreis Schleiden genannt.

 

 

1860

 

Der Bürgermeister Nelles der Gemeinde Holzmülheim-Tondorf kündigt den öffentlichen Verkauf von Holz im Unterhaltungsblatt und Anzeiger für den Kreis Schleiden  an.

 

 Kopie der Bekanntmachung

 

 

1862

 

Pfarrer Peter Christian Wurth kauft die alte Orgel aus der Pfarrkirche zu Opladen für 200 Thaler an.

Diese wird in der Pfarrkirche in Frohngau aufgestellt und bis zum Neubau der Kirche genutzt.

 

Nach dem Neubau der Kirche 1923-1924 wird diese in der Kapelle in Buir aufgestellt, wo sie bis heute genutzt wird.

 

 

1864

 

Nach der 1865 herausgegebenen Statistik des Regierungsbezirkes Aachen von H. A. Reinick hat

Frohngau 210 Einwohner.

 

 Statistik des Regierungsbezirkes Aachen 1. Abt. 1865

 

 

1866

 

Nach der Pensionierung des Lehrers Thomas Stappen wird die Schule zwei Jahre lang von dem Lehr-Aspiranten Peter Schönenberg verwaltet.

 

Der Brandweiher, auf dem Grundstück gegenüber der Kirche, wird ausgebaut 

(jetzt Kinderspielplatz und ehemalige Volksschule).

 

Der Pfarrort Frohngau hat 210 Seelen

 

 Siehe Handbuch der Erzdiözese Köln von 1866

 

 

1868

 

Josef Beißel, geboren am 2 Oktober 1846 in Oberdrees übernimmt am 13. Oktober provisorisch die Lehrerstelle. Am 16. November 1874 wird ihm die Verwaltung der Schulstelle Frohngau definitiv übertragen. Er ist bis zum Jahre 1897 als Lehrer tätig

 

 

1869

 

(Auszug aus der Chronik von Mahlberg und Michelsberg)

 

Durch den Zimmermeister Hövel aus Frohngau wird auf dem Michelsberg für 490 Thaler der Turmhelm für die Michaelskapelle fertig gestellt.

 

 

Der 1866 pensionierte Lehrer Thomas Stappen verstirbt am 3. November im Alter von 62 Jahren.

 

 

1870

 

Um die Kirche mit dem Friedhof wird eine Mauer errichtet.

 

In diese Mauer ist eine Vielzahl von historischen Grabkreuzen aus Sandstein eingearbeitet, die aus dem 18. Jahrhundert stammen.

 

 

1871

 

Frohngau hat am 1.12. 202 Einwohner.

 

 Siehe „Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Westfalen“

 

 

1872

Genehmigung einer Schenkung der Geschwister Johann und Hubert Blum

„Dem Antrag des Kirchenvorstandes zu Frohngau vom 18. diesen Monats entsprechend genehmigen Wir demselben von Geschwister Blum angeboten Schenkung eines Kapitals von 60 Thaler behufs Stiftung einer alljährlich an einem Donnerstag im Monate Februar für die verstorbenen Eltern Jakob Blum und Margaretha Crump abzuhalten eine Segensmesse mit Gesang und Orgelbegleitung bei welcher für die selben drei Vater unser und Ave Maria gebetet werden sollen ermächtigen den Kirchenvorstand zur Annahme und verordnen um den Zinsen dem Pfarrer als Zelebrant 20/30 dem Küster und Organisten 5/30 und der Kirche welche dem Balgtreter 3 Silbergroschen zahlt den Rest zuzuweisen.

 

 Kopie der Urkunde

 

 

1873

 

Die Gemeinde Frohngau legt an den Ortsstraßen Regenrinnen (Gossen) an.

 

 

1875

 

Die Volkszählung vom 1.12. hat für Frohngau folgendes Ergebnis: Männliche Personen 107; weibliche Personen 91; Ortsanwesende: 198.

 

Die Ergebnisse beruhen auf der Volkszählung vom 1.12.1875. Beim Zählvorgang werden nur die ortsanwesenden Personen gezählt. Wer am Tage der Zählung nicht anwesend ist, wie Militärpflichtige, außerhalb des Heimatortes arbeitende, und auf Reisen befindliche Personen werden bei der Zählung nicht berücksichtigt.

 

 

1877

 

Am 20. Juni schlägt der Blitz in den Turm der Kirche ein, welcher erheblich beschädigt wird. Die Feuerversicherung zahlt nur 75 Mark Entschädigung.

 

Am 20. September stirbt Pfarrer Peter Christian Wurth im Alter von 80 Jahren. Sein Grabstein steht noch hinter dem Kirchturm auf dem Priesterfriedhof.

 

Infolge des Kulturkampfes zwischen Staat und Kirche wird die Pfarrstelle Frohngau 10 Jahre lang nicht besetzt.

 

Die Pfarre wird von den Vikaren Hinzen aus Eiserfey und Langenhard aus Nöthen betreut.

 

Sonntags kommt ein fremder Geistlicher zu Pferd als Aushilfe. Er erhält 8,00 Mark.

 

 

1878

 

Der Weg nach Roderath wird ausgebaut.

 

 

1879

 

Von 1879 bis 1895 wurde eine Chronik von der Bürgermeisterei Holzmülheim - Tondorf geführt.

 

Der Bürgermeisterei gehörten folgende Orte an:

1. Tondorf, 2. Rohr, 3. Lindweiler, 4. Engelgau, 5. Frohngau , 6. Buir, 7. Holzmülheim, 8. Bouderath, 9. Roderath

 

In der jeweiligen Jahreschronik wurden unter anderem besondere Ereignisse, die Wetterdaten des jeweiligen Jahres und eine Jahresstatistik von 1879 bis 1889  dargestellt. Die Einwohnerzahlen und der Viehbestand beziehen sich auf die gesamte Bürgermeisterei.

 

(Auszug aus der Chronik der Bürgermeisterei Holzmülheim - Tondorf vom Jahre 1879 bis 1895)

 

 Statistik 1879

 

Wetterdaten 1879

 

Der Sommer des Jahres 1879 brachte fast nur kalte und nasse Witterung, wodurch die Vegetation in ihrer Entwicklung angehalten wurde und sämtliche Ernten sich wesentlich verspäteten. Die Ernte der Winterfrüchte endete noch Mitte September und konnte auch dann mit der Haferernte wegen der verspäteten Reife noch nicht vollauf begonnen werden.

Mitte October trat fast anhaltendes Regenwetter ein, welchem dann Anfangs November Schnee und Frost folgten.


Die eingebrachten Sommerfrüchte, welche ohnehin nicht von guter Qualität waren, wurden meistens nicht trocken eingebracht und verdarben vielfach in den Scheunen.

Ein beträchtliches Quantum aber von Hafer, Grummet, Kartoffeln und sonstigen Sommerfrüchten blieb im Felde, weil Schnee und Frost dem Landwirthe zu früh seine Thätigkeit hemmten. Ganz besonders hatte aber die Gemeinde Tondorf über eine fast nie dagewesene, wenigstens hierorts noch nicht erlebte allgemeine Missernte zu klagen; die Ernte der Winterfrüchte bestand fast nur aus Unkraut mit wenigen Halmen Spelz vermischt , während Hafer, Grummet & Kartoffeln etc. zum großen Theile im Felde blieben und verdarben. Es war dieses umso schlimmer, als die genannte Gemeinde in guten Jahren bei ihrem so sehr sterilen Boden bei der hohen örtlichen Lage fast keinmal einer guten Ernte sich erfreut und wenige Einwohner ihren Bedarf an Brodfrüchten einbrachten. Die Einwohner sahen daher mit Bangen der Zukunft entgegen, und zwar mit Recht, denn die meisten wußten nicht, in welcher Weise sie Nahrungsmittel für ihre Familien beschaffen sollten.

Unter diesen Umständen schien die absolute Nothwendigkeit sich zu ergeben, daß der Gemeinde in außerordentlicher Weise Hülfe und Unterstützung herbringen würden, zu welchem Zwecke auch vom Bürgermeister die erforderlichen Schritte bewerkstelligt wurden, in der festen Überzeugung, daß sie nicht unnütz bei der hohen Behörde geschähen.

 

 

1880

 

Am 1. Dezember findet im Kreis Schleiden eine Volkszählung statt. Frohngau hat demnach 197 Einwohner.

 

  Veröffentlichung im Unterhaltungsblatt und Anzeiger für den Kreis Schleiden 1882

 

 

 

(Auszug aus der Chronik der Bürgermeisterei Holzmülheim Tondorf vom Jahre 1879 bis 1895)

 

 Statistik 1880

 

 

Wetterdaten 1880

 

Der zu Ende des vorigen Jahres eingetretene strenge Winter dauerte ohne wesentliche Änderung der Temperatur an bis zu Anfang des Monates März, wo trockene Witterung eintrat. Diese selbe trockene Witterung hielt fast ohne Unterbrechung an bis zur Hälfte des Monats Juni und war in dieser Zeit nur zu Ende April ein einziger Tag an welchem ein mäßiges Gewitter einigen Regen brachte. Durch dieses andauernde milde trockene Wetter konnte die Bestellung der Äcker und Gärten zur Sommersaat sehr schnell und ohne Unterbrechung von Statten gehen; es konnte jedoch ein wesentlicher Theil der Sämereien wegen Mangel an Feuchtigkeit nicht zu keimen gelangen oder verdorrte sogar. Ein großer Theil des Samens, namentlich bei Hafer kam erst im Juni bei dem ersten durchdringenden Regen zum Keimen und zur Entwicklung. Man sah im Monate Juni in den Haferfluren große Strecken, wo nichts Grünes bemerkt werden konnte. Dadurch entwickelte sich die ganze Sommersaat in unserer Gegend so sehr verschieden, bezüglich der einzelnen Saatkörner, was man hinvorts mit dem Ausdruck Zweiwuchs bezeichnete. Dadurch kam es, daß früher einzelne Haferhalme reif waren, während andere noch grasgrün und noch nicht zur Hälfte sich entwickelt hatten. Der Strohertrag der Haferernte war zwar ein guter zu nennen, während der Körnerertrag kaum mittelmäßig genannt werden kann. Bei andauernd schönem günstigen Wetter den ganzen Sommer hindurch, ging alle Feldarbeit
 günstig von statten. Die Heuernte wurde schön trocken eingebracht, jedoch war das Quantum im Vergleich zu dem Vorjahre mindestens ein Drittel geringer. Das Gras hatte sich, wegen Mangel an Feuchtigkeit erst im Juni nach dem ersten durchdringenden Regen entwickeln können und war daher bei seinem Schnitte noch gar zu weich, wodurch es gar zu sehr eintrocknete. Desgleichen war auch die Ernte der Winterfrüchte an Stroh wohl eine sehr kärgliche zu nennen und kaum mittelmäßig, hingegen war der Körnerertrag vom Weizen befriedigend, von Spelz und Korn hingegen bedeutend geringer. Überhaupt hat sich in den letzten Jahren hierorts der Anbau von Weizen auf Kalkboden bei ordentlichem Bebauen und guter Düngung als viel lohnender erwiesen im Vergleich zum Ertrage des Korns und der Spelz. Die Ernte von Kartoffeln und Gemüse kann als eine gute Mittelernte bezeichnet werden. Die feuchte oder viel mehr nasse Witterung mit öfters starken Regengüssen hielt den Winter hindurch an, so daß man Ursache hatte, für die Saaten vielen Schaden zu befürchten. Fast im ganzen Umkreise der hiesigen Bürgermeisterei wurden viele Gemeinden der Nachbarschaft im Laufe dieses Jahres mit Hagelschlag und Überschwemmungen heimgesucht, namentlich im benachbarten Kreise Adenau, glücklicherweise wurden die hiesigen Gemeinden von einem solchen Unglücke bewahrt.

 

 

1881

 

(Auszug aus der Chronik der Bürgermeisterei Holzmülheim Tondorf vom Jahre 1879 bis 1895)

 

 Statistik 1881

 

Wetterdaten 1881

 

Zu Anfang des Jahres war das Wetter wie zu ende des vorigen Jahres vorwiegend regnerisch und hatten das Land und die Saaten sehr durch Nässe zu leiden. Im Monat Februar wurde jedoch zeitweise die Kälte sehr empfindlich und mußten die Viehställe noch außerordentlich versorgt werden, um das Vieh vor Erfrieren zu schützen. Anfangs März wurde das Wetter wieder erträglicher, der Schnee ging ab und hielt nur leichter Frost noch eine kurze Zeit an; es konnte in der zweiten Hälfte März schon mit der Bestellung der Hafer- und Sommersaaten begonnen werden. Diese ging dann auch bei sehr günstiger Witterung im April rasch und leicht vor sich und zeigte einen so schönen Stand im Mai, daß sie große Hoffnungen für die Ernte zu rechtfertigen schien. Im Juni hatten wir durchweg trockene Witterung, die sich zu Ende Juni zu einer in den letzten Jahren nicht dagewesenen Hitze steigerte, die auch den ganzen Monat Juli anhielt, so daß die gesamte …….. in Feld und Flur fast zu verdorren schien. Zu Folge dieser fast tropischen Hitze hörte die Entwicklung und das Wachsthum der Feldfrüchte auf und ging alle Hoffnung auf eine gute ergiebige Ernte für dieses Jahr verloren. Die Heuernte ging sehr gut und rasch vor sich, lieferte jedoch einen schwachen ja sogar noch schwächeren Ertrag als im Vorjahr. Die Winterfrüchte reiften sehr rasch und konnte Ende Juli schon mit der Erndte derselben begonnen werden. Trotz des im August endlich fallenden Regens schritt die Erndte
 doch ohne nachteilige Folgen und wurde gegen Ende August beendet.

Der Ertrag an Winterfrüchten konnte im Allgemeinen als befriedigend bezeichnet werden und hätte man ihn bei der großen Dürre kaum erwarten können.

Der Monat September brachte noch mehr Regen und konnte daher mit der Erndte der Sommerfrüchte nur langsam vorgegangen werden und wurde das geringe Quantum welches diese Erndte lieferte auch noch in einem sehr wenig trockenen Zustande eingescheuert. Zur Bestellung der Wintersaat war allenthalben Anfangs September der Boden zu naß, so daß die Hauptsaat gegen alles Herkommen erst Ende September bestellt werden konnte, also für hiesige Gegend ca. einen Monat zu spät, weshalb auch die Entwicklung der jungen Saat sehr gering und schwach wurde und mithin die Hoffnung auf eine gute Erndte für das kommende Jahr sehr beeinträchtigt wurde. Mit October wurde das Wetter wieder sehr kalt und trocken und ging die Grummet und Gemüse-Ernte ziemlich rasch und günstig von Statten. Der ertrag der Grummeterndte war sehr mangelhaft, die Kartoffelerndte war eine reichliche, obschon einige Sorten von der Fäulnis stark angegriffen waren. Von Ertrag an Gemüsen kann im Allgemeinen nicht die Rede sein. Hierdurch kam es, daß gegen Mitte October schon mit der Viehfütterung trockenes Futter (: Heu und Grummet und Stroh) verwendet werden mußte, was die Winterstallfütterung um wenigstens einen Monat ausdehnte. Gegen Ende October trat plötzlich heftiger Frost ein mit geringem Schnee, welches Wetter jedoch nur 8 Tage anhielt und von da bis Mitte December war immer günstiges und schönes Wetter, wodurch noch viele nützliche Arbeiten in Feld und Wiesen ausgeführt werden konnten; besonders günstig wirkte diese milde Witterung auf die junge schwache Saat. In der zweiten Hälfte des Monats December stellte sich endlich wieder Sturm und Frost ein. Der Fruchtpreis stellte sich gleich nach der Ernte günstig; auch selbst der Hafer hatte trotz der schlechten Qualität noch einen sehr acceptablen Preis. Bei dem Stroh blieb der hohe Preis des Vorjahres fast bestehen, und war es für den Landwirth unmöglich, einen Ausfall an Stroh durch Ankauf desselben zu decken.

Beim Rindvieh stellte sich in diesem Herbst der Preis noch bedeutend geringer als im Vorjahre und wurde trotzdem nur trächtiges und fettes Vie allenthalben gesucht und gekauft; das übrige Vieh fand im Allgemeinen keine Abnehmer; gegen ende December ging der Preis etwas in die Höhe. Der Preis der Pferde war nur um ein Geringes gegen das Vorjahr gefallen, Fohlen waren jedoch sehr im Preise gesunken. Die Löhne der Handwerker und Dienstboten stellten sich wohl um ein Weniges geringer als in den Vorjahren, jedoch erhielten tüchtige Arbeiter noch immer einen hohen Lohn.

Als besonders außergewöhnliche Vorkommnisse können nachfolgende verzeichnet werden.

In der Nacht vom 17 ten auf den 18 ten November gegen ½ 12 Uhr wurde ein Erdbeben verspürt, welches in einer starken Erschütterung mit donnerähnlichem
 Rollen bestand, und wurde ein Hauptstoß in der Richtung von Nordost nach Südost wahrgenommen.

In der Nacht vom 26 ten auf den 27 ten November war ein orkanartiger Sturm der auch den ganzen Tag am 27 ten noch andauerte und mit anhaltendem Regen begleitet war und vielen Schaden an Häusern und Bäumen anrichtete.

 

 

1882

 

(Auszug aus der Chronik der Bürgermeisterei Holzmülheim Tondorf vom Jahre 1879 bis 1895)

 

An Unglücksfällen in diesem Jahre ist zu bemerken, daß am 10 ten December Abends gegen 8 Uhr das Haus des Tagelöhners Egidius Heinen zu Frohngau nebst Scheune und Stall vollständig niederbrannte. Der Brand dauerte nur ca. 2 Stunden bis gegen 10 Uhr Abends, bis wohin das Gebäude vollständig am Boden lag und nur noch vereinzelte Holzstücke in der glimmenden Asche rauchten. Das Haus lag an der Südseite des Dorfes Frohngau, das letzte an der sogenannten Kummengasse und bei dem herrschenden Südwinde an genanntem Abend ist es nur der sofortigen energischen Hülfe der gesamten Einwohner von Frohngau, sowie derjenigen der nächstgelegenen Gemeinden zuzuschreiben, daß das Feuer nicht weiter um sich gegriffen hat; wesentlich mag jedoch auch noch der Umstand dazu beigetragen haben daß gerade an dem Abende die Dächer mit einer wenn auch nur dünnen Schneelage bedeckt waren. Über die Ursache dieses Brandes ist nichts Sicheres festgestellt worden; es war zwar der Verdacht allgemein daß der genannte Eigenthümer Heinen um die Entstehung wisse, die angestellten und durch die Königliche Staatsanwaltschaft fortgesetzten Untersuchungen haben jedoch kein positives Resultat gehabt. An Brandvergütung hat Heinen von der Rheinischen Provinzial - Feuer – Societät im Ganzen 768 Mark erhalten.

 

 Statistik 1882

 

Wetterdaten 1882

 

Bezüglich der Witterungsverhältnisse in diesem Jahre ist Folgendes zu bemerken: Das Wetter war von Anfang Januar bis gegen Ende, der zeit gemäß günstig, es war Schnee gefallen mit Frostwetter. Der Februar brachte zu Anfang Thauwetter, später Frost ohne Schnee; der März brachte nur noch leichten Frost und daher den Vortheil, daß die Landwirthe recht zeitig mit Bestellung der Äcker zur Hafersaat beginnen konnten. Durch die im April anfallende trockene Witterung konnte die Bestellung der Sommersaaten schnell und ununterbrochen fortgeführt werden, so daß dieselben mit Ende April beendet waren. Durch die anhaltende Trockenheit in diesem Monate kam jedoch die Hafersaat sehr schlecht zu stehen indem viele Saatkörner nicht zum Keimen kamen. ende April trat endlich langersehntes Regenwetter ein und zwar anhaltend, so daß das Setzen der Kartoffeln sehr behindert wurde, welches in dieser Jahreszeit zu geschehen pflegt. Der Monat Mai war durchweg feucht und kalt. Mit dem Monat Juni wurde die Witterung günstiger und der Stand der Früchte berechtigte Anfangs zu den schönsten Hoffnungen bis in der Nacht vom 10 zum 11 ten Juni ein starker Frost großen Schaden anrichtete. Die Roggenblüthe hatte sehr gelitten, das Laub an den Kartoffelsträuchern war schwarz erfroren; in einzelnen Lagen waren die Roggenähren ganz erfroren so daß sie ganz weiß wurden. Die zweite Hälfte Juni war feucht und kalt. Mit Anfang Juli erhielten wir günstiges Wetter und konnten daher die Heuernte rasch vor sich gehen. Gegen Mitte Juli stellte sich wieder anhaltendes Regenwetter ein; am 26 ten Juli regnete es anhaltend 24 Stunden, so daß die Bäche aus ihren Ufern heraustraten. Dieses Regenwetter hielt den ganzen Monat August an, die Winterfrüchte kamen nicht zur Reife
bis man endlich Anfangs September mit der Erndte derselben beginnen konnte, doch wurde auch jetzt noch durch Regenwetter häufig aufgehalten. In gleicher Weise wurde die Reife des Hafers aufgehalten, so daß erst mit Anfang October mit der Erndte desselben begonnen werden konnte, diese wurde jedoch durch das häufige Regenwetter so beeinträchtigt, daß fast kein Hafer in gehörig trockenem Zustande eingebracht worden ist. Gemüse und Kartoffeln warfen einen sehr geringen Ertrag ab, dagegen war der Ertrag der Kohlrabi ein ganz außergewöhnlich großer. Grummet war bei der andauernd nassen und kalten Witterung wenig gewachsen und konnte das Wenige was davon gemäht wurde auch nicht trocken eingebracht werden. Mit der Bestellung der Wintersaat konnte erst Ende September begonnen werden und wurde die Herstellung derselben im Verlaufe des Octobers noch häufig durch das Regenwetter beeinträchtigt. Mit Anfang November trat schon Winterwetter mit Schnee und Frost ein.

 

 

1883

 

Zur Brandbekämpfung wird eine neue Feuerspritze angeschafft, welche der Klempnermeister und Pumpenmacher Joseph Stemmler von Call zur Zufriedenheit der Gemeindevertretung geliefert hat.

 

 

Foto der Feuerspritze

 

Zur Aufbewahrung der Feuerspritze wird an die Pfarrscheune eine Remise angebaut.

 

 

Foto der Remise

 

(Auszug aus der Chronik der Bürgermeisterei Holzmülheim Tondorf vom Jahre 1879 bis 1895)

 

 Statistik 1883

 

Wetterdaten 1883

 

Der Stand der Winterfrüchte resp. Saaten war zu Anfang dieses Jahres ein sehr schwacher zu nennen. Bei der sehr späten Bestellung der Aecker zur Wintersaat im vorigen Herbste so wie bei der meistens sehr mangelhaften Bearbeitung derselben; (weil Zeit und Witterung eine gute Bearbeitung nicht zuließen!) waren auf vielen besaeten Feldern die Saatsprossen zu Anfang Januar kaum erkennbar. Daß der sich nun bei Anfang des Jahres einstellende und bis fast Anfangs März fast mit zunehmender Stärke fortdauernde Frost die jungen Saaten sehr schädigte und in ihrer Entwicklung hemmte ist selbstredend, umso mehr als die Ackerkrume durch die anhaltende nasse Witterung im Herbste ganz und gar mit Wasser gesättigt worden war. Auch wurden in Folge des anhaltenden Frostes Saatwurzeln ausgehoben. Durch das mit Anfang März eintretende Thauwetter mit Regen und Nachtfrösten sowie der gegen den 10 ten gefallene schwere Schnee wurde das Gedeihen der Winterfrüchte noch mehr beeinträchtigt.

Es konnte erst mit Anfang April mit der Hafersaat begonnen werden., da mit diesem Monat trockenes Wetter eintrat. Dieses trockene Wetter hielt den ganzen Monat April hindurch so wie auch den Mai hindurch an, so daß die Feldarbeiten gar keine Störung erlitten. Jedoch
 war diese andauernde Trockenheit wiederum ein Hinderniß für das Wachsthum und Gedeihen der gesammten Boden…….. Die Saatkörner kamen nur theilweise und sehr dürftig zum keimen, die Wintersaaten, Klee, Gartenfrüchte, Futterkräuter und Gräser auf Wiesen und Flur wuchsen nicht von der Stelle und fingen auf trockenen felsigem Boden schon an zu verdorren. Endlich am 8 ten Juni kam der so lange ersehnte Regen und es blieb regnerisches Wetter noch eine ganze Woche lang. Mit dem 16 Juni Nachts trat ein Frost ein, welcher sich mehrere Nächte nacheinander wiederholte, jedoch nicht mit solcher Heftigkeit auftrat, daß ein wesentlicher Schaden dadurch entstanden ist. Gegen Ende Juni, zu Beginn der Heuerndte trat eine große Hitze mit vielen und starken Gewittern ein, welch letztere jedoch ohne besondere Schäden vorüber gingen. Die Heuerndte konnte hauptsächlich schön und trocken eingebracht werden, bis zum 10 ten Juli wieder Regenwetter eintrat, welches den ganzen Monat hindurch anhielt. Dieses Regenwetter dauerte an bis zur 2 ten Hälfte des August. Der Ertrag der Heuerndte konnte kaum mittelmäßig genannt werden. Die Erndte der Winterfrüchte begann mit der 2 ten Hälfte des August, wo auch schönes helles Wetter eintrat, welches bis über die Hälfte des September anhielt, so daß die Erndte der Winterfrüchte ganz gut und auch die Hafer hauptsächlich schön trocken eingescheuert werden konnte. die Erndten der Winterfrüchte und Sommerfrüchte waren kaum mittelmäßig. Ende September und die erste Hälfte October war fast anhaltend Regenwetter, jedoch konnte mit der Wintersaat begonnen werden und die Kartoffelerndte konnte Mitte October schön eingebracht werden. Diese Erndte war eine überaus reichliche wie man sie in 20 Jahren kaum gesehen hatte. Danach trat noch einige Zeit Regenwetter mit Sturm ein, der December aber brachte bis gegen Ende überaus schöne Tage.

Ferner muß noch verzeichnet werden, daß in Folge der schlechten theils verdorbenen Erndte des vorigen Jahres bei Beginn des Frühjahres in diesem Jahre unter den geringen Ackersleuten hiesiger Gegend sich ein großer Nothstand zeigte, namentlich an Saatkartoffeln und Lebensmittel. Um diesem Nothstande abzuhelfen wurde fast in allen Provinzen des Staates gesammelt, sowohl an Geld als an Lebensmittel und Bekleidungsstücken und wurden demnach massenhaft Gaben an das constituierte Nothstandscomite des Kaisers eingesandt. Dem unterzeichneten Bürgermeister wurden außer mehreren Kasten von Kleidungsstücken, Säcken mit Korn, Weizen und Gerste auch ein Geldbetrag von Sa. 1701 Mark 80 Pfg. zur Linderung des Nothstandes in der Bürgermeisterei Holzmülheim Tondorf & Lommersdorf durch den Königl. Landrath eingehändigt, welche auch pflichtgemäß durch Beschaffung von Saatkartoffeln und Lebensmittel für die Bedürftigen verwendet worden sind.

 

 

1884

 

Am 21. Dezember verirrt sich der achtzehnjährige Johann Hövel im Schneesturm auf dem Weg von Engelgau nach Frohngau. Trotz eifrigen Suchens findet man die Leiche erst beim Abgang des Schnees am 6. Febr.1885.

 

(Auszug aus der Chronik der Bürgermeisterei Holzmülheim Tondorf vom Jahre 1879 bis 1895)

 

Ueber außergewöhnliche Unglücksfälle ist zu verzeichnen daß der Lagerarbeiter Johann Hövel aus Frohngau, 18 Jahre alt, Sohn des Zimmerers Johann Hövel und dessen Ehefrau Susanna geb. Schmidt von Frohngau auf der Heimreise von Mechernich nach Frohngau am 21. December abends sich zwischen Engelgau und Frohngau bei starkem Schneegestöber verirrte. Nachdem die Eltern Kenntnis davon erhalten hatten, daß er auf der Heimreise in Engelgau gesehen worden war und danach nicht zu Hause eintraf, hat der Vater Hövel das auffallende Verschwinden seines vorgenannten Sohnes auf dem Bürgermeistereiamte angemeldet. Es wurden demnach die sämtlichen Einwohner resp. Erwachsenen Männer der nächstgelegenen Gemeinden Frohngau, Engelgau, Tondorf und Roderath vom Bürgermeister aufgeboten, trotz des allenthalben hoch liegenden Schnees Feld und Wald ihrer bez. Gemarkungen behufs Auffindung des Hövel Sohn abzusuchen. Die angeordnete Absuchung war indessen ohne Erfolg. Eine nochmalige Absuchung von Wald und Flur der genannten Gemeinden war ebenfalls ohne jeglichen Erfolg. Erst nach 7 Wochen am 6. Februar 1885 wurde bei einer nochmals angeordneten Durchsuchung der genannten Fluren, bei größtentheils abgegangenem Schnee die Leiche des Genannten aufgefunden in dem sogenannten Genfbache in der Gemarkung der Gemeinde Engelgau cirka 150 Schritte oberhalb der Brücke am Weyerbenden, (wo der Fußpfad über die genannte Brücke nach Blankenheim führt. Die Leiche lag ganz im Wasser des genannten Baches und war noch ganz gut erhalten; von Verwesung war noch keine Spur wahrzunehmen. Die gründliche Untersuchung ergab, daß der Tod durch Erfrieren eingetreten sei. Wahrscheinlich war demnach g. Hövel, nachdem er irrend längere Zeit in der Nacht am 21. Dec. Umher gelaufen, in der Nähe der Fundstelle niedergesunken vor Ermattung, danach erfroren und von dem Wasser des Anfangs Februar abgehenden hohen Schnees bis in die bezeichnete Stelle des Baches weiter fortgeschwemmt worden. Nachdem die gerichtliche Untersuchung an Ort und Stelle stattgefunden hatte, wurde die Leiche mit einem Sarge durch eine Fuhre nach Frohngau transportiert und dort an demselben Tage noch gegen Abend unter allseitiger Theilnahme kirchlich beerdigt.

 

An außergewöhnlichen Bauten wurde vorgenommen:

 

Der Ausbau des Verbindungsweges von Frohngau direct auf Engelgau wurde am 10 ten Mai öffentlich an den Wenigstfordernden in Verding gegeben für das Letztgebot von 2900 Mark. Die Wegestrecke fing am Dorfe Frohngau an, ging über die sogenannte Kraus bis zur Grenze der Gemarkung Frohngau nach Engelgau und war 1120 Meter lang, veranschlagt zu 3971 Mark 05 Pfg.

 

 

 

 Statistik 1884

 

Wetterdaten 1884

 

Die Witterung war von Anfang des Jahres bis zum 7 ten April eine außergewöhnlich günstige und in der ersten Hälfte des Monats März hatten wir an mehreren Tagen ein wirkliches Sommerwetter. Die gesammte Vegetation fing an aufzuleben, so daß man hätte glauben sollen, der Frühling habe begonnen.

Indessen stellte sich mit dem 7 ten April ein vollständiges Winterwetter mit Frost und Schnee ein, welches bis Ende April andauerte.

Die in den Niederungen bis dahin so schön aufgegangenen Wintersaaten und Obstblüthen wurden hierdurch sehr geschädigt, was sich besonders aber an dem Steinobst zeigte und sich dieserhalb hierin eine Ernte für dieses Jahr nicht erwarten ließ.

Der Roggen, welcher in den Niederungen außergewöhnlich stark aufgegangen war, war stellenweise von dem Schnee geknickt worden, so daß derselbe abgemacht und als Viehfutter benutzt werden mußte. Hierorts wo der Roggen einen ebenfalls guten Stand hatte, ist derselbe weniger geschädigt worden. Zur Bestellung der Sommersaaten war die Witterung von April bis Mitte Juni wohl günstig zu nennen für die Arbeiten bei dem anhaltend trockenen Wetter, indessen war dasselbe zur Entwicklung der Vegetation eben nicht sehr günstig, da es durchgehend auch an der nöthigen Wärme fehlte. In Folge dessen blieben die Wintersaaten sehr zurück. Zum gleichen war es der Fall mit den Sommersaaten, Futterkräuter und Gartenpflanzen. Von Mitte Juni wo genügender Regen kam bis halben September war im Allgemeinen das Wetter günstig zu nennen, insofern Wärme mit Regen und trockenen Tagen in genügender Weise vorherrschte, so daß die Heuerndte, die Winterfrüchte und Sommerfrüchte schön und trocken eingebracht werden konnten. Die Heuerndte war eine mittlere Erndte der Winterfrüchte nur bezüglich des Strohertrages noch annähernd gut, bezüglich des Körnerertrages war sie hingegen nur eine mittlere zu nennen.


Die Erndte der Sommerfrüchte, Hafer Buchweizen und  Hülsenfrüchte war ebenfalls nur eine mittlere. Die Grummetschur war eine gute. Die Witterung blieb bis zum Schlusse des Jahres günstig und konnten Gemüse und die Kartoffeln schön und trocken eingebracht, so wie auch die Bestellung der Wintersaaten gut bewerkstelligt werden. Die Quantität und Qualität der Gemüse und Kartoffelerndte konnte befriedigend genannt werden.

Die Witterung war von Anfang des Jahres bis zum 7 ten April eine außergewöhnlich günstige und in der ersten Hälfte des Monats März hatten wir an mehreren Tagen ein wirkliches Sommerwetter. Die gesammte Vegetation fing an aufzuleben, so daß man hätte glauben sollen, der Frühling habe begonnen.


Indessen stellte sich mit dem 7 ten April ein vollständiges Winterwetter mit Frost und Schnee ein, welches bis Ende April andauerte.

Die in den Niederungen bis dahin so schön aufgegangenen Wintersaaten und Obstblüthen wurden hierdurch sehr geschädigt, was sich besonders aber an dem Steinobst zeigte und sich dieserhalb hierin eine Ernte für dieses Jahr nicht erwarten ließ.

Der Roggen, welcher in den Niederungen außergewöhnlich stark aufgegangen war, war stellenweise von dem Schnee geknickt worden, so daß derselbe abgemacht und als Viehfutter benutzt werden mußte. Hierorts wo der Roggen einen ebenfalls guten Stand hatte, ist derselbe weniger geschädigt worden. Zur Bestellung der Sommersaaten war die Witterung von April bis Mitte Juni wohl günstig zu nennen für die Arbeiten bei dem anhaltend trockenen Wetter, indessen war dasselbe zur Entwicklung der Vegetation eben nicht sehr günstig, da es durchgehend auch an der nöthigen Wärme fehlte. In Folge dessen blieben die Wintersaaten sehr zurück. Zum gleichen war es der Fall mit den Sommersaaten, Futterkräuter und Gartenpflanzen. Von Mitte Juni wo genügender Regen kam bis halben September war im Allgemeinen das Wetter günstig zu nennen, insofern Wärme mit Regen und trockenen Tagen in genügender Weise vorherrschte, so daß die Heuerndte, die Winterfrüchte und Sommerfrüchte schön und trocken eingebracht werden konnten. Die Heuerndte war eine mittlere Erndte der Winterfrüchte nur bezüglich des Strohertrages noch annähernd gut, bezüglich des Körnerertrages war sie hingegen nur eine mittlere zu nennen.


Die Erndte der Sommerfrüchte, Hafer Buchweizen und  Hülsenfrüchte war ebenfalls nur eine mittlere. Die Grummetschur war eine gute. Die Witterung blieb bis zum Schlusse des Jahres günstig und konnten Gemüse und die Kartoffeln schön und trocken eingebracht, so wie auch die Bestellung der Wintersaaten gut bewerkstelligt werden. Die Quantität und Qualität der Gemüse und Kartoffelerndte konnte befriedigend genannt werden.

 

 

1885

 

(Auszug aus der Chronik der Bürgermeisterei Holzmülheim Tondorf vom Jahre 1879 bis 1895)

 

 

 Statistik 1885

 

Wetterdaten 1885

 

Die Witterung war im Verlaufe dieses Jahres folgende.

Bei Beginn des Jahres waren die Fluren bis gegen Mitte Februar mit mäßigem Schnee bedeck, wodurch sie nicht nicht nur vor Kälte geschützt waren sondern die Saaten sich noch weiter entwickelt hatten. Von Mitte Februar bis Ende März war eine ganz milde Temperatur vorherrschend so daß manche Arbeiten in Feld und Wald zu dieser Jahreszeit verrichtet werden konnten. Im Monat April war ebenfalls helles schönes Wetter jedoch ohne Regen, so daß die Bestellung der Sommersaaten keine Unterbrechung erlitt. Im Monat Mai war die Witterung allenthalben sehr kalt und hell mit manchen Reifen und Nachtfrösten; der Juni brachte ebenfalls helles trockenes Wetter und  große Hitze bis gegen Ende ein durchdringender Regen kam, welcher die stellenweise schon zu verdorren scheinende Vegetation wieder neu aufleben machte. In Folge der anhaltenden Trockenheit im Frühjahre und Vorsommer waren die Feldfrüchte sehr in ihrer Entwicklung zurückgeblieben. Die Heuerndte war daher eine mittelmäßige. Das im Juli und August eintretende günstige warme Wetter abwechselnd mit genügendem Regen, ließ die Winterfrüchte zur gehörigen Reife gelangen und konnten dieselben auch gut und trocken eingescheuert werden. Da der September ebenfalls sehr günstiges Wetter brachte, warm mit genügendem Regen, so konnten auch die Sommerfrüchte trocken und schön eingebracht werden, sowie die Bestellung der Wintersaat größtentheils erwünscht ausgeführt werden. Durch das Ende September eintretende Regenwetter, welches bis zum Jahresschlusse abwechselnd mit Kälte anhielt, war zum Einheimsen der noch im Felde befindlichen Sommerfrüchte, Gemüse und Kartoffeln wie auch des Grummets nicht sehr günstig und ist manche dieser genannten Erzeugnisse in keinem trockenen Zustande eingebracht worden. Der Ertrag der Winter und Sommerfrüchte kann nur ein mittelmäßiger genannt werden. Bei Gemüse, Kartoffeln und Grummet
kann die Erndte ebenfalls als eine mittelmäßige bezeichnet werden.

 

 

Frohngau hat am 1.12. 193 Einwohner.

 

 

1886

 

(Auszug aus der Chronik der Bürgermeisterei Holzmülheim Tondorf vom Jahre 1879 bis 1895)

 

 Statistik 1886

 

Wetterdaten 1886

 

Die Witterung verhielt sich in diesem Jahre wie folgt. Von Beginn des Jahres an bis Ende März war allenthalben Feld und Flur mit einer starken Schneedecke versehen. Zu Anfang April trat selbst trockenes Wetter ein, welches anhielt so daß die Bestellung der sämmtlichen Sommersaaten ohne jegliche Unterbrechung vor sich gehen konnte. Da indessen diese trockene Witterung fortwährend anhielt, so wurden auch wiederum die bestellten Sommersaaten sowohl als die Wintersaaten und die übrige gesammte Vegetation wesentlich in ihrer Entwicklung behindert. Zu der II. Hälfte Juli trat endlich der langersehnte Regen ein; jedoch kam er für die Halmfrüchte zu spät. in der Folge war die Witterung bis zum Spätherbste sehr günstig, so daß Alles schön eingebracht werden konnte und auch die Bestellung der Wintersaat günstig vor sich gehen konnte. Die Heuerndte konnte kaum eine Mittelerndte genannt werden. Im gleichen war der Ertrag an Körnern bei der Winterfrucht ein mittelmäßiger, der Strohertrag war jedoch sehr gering. Bei dem Hafer war ungefähr dasselbe Verhältniß vorhanden. Bei Futterkräutern war ebenfalls der Erndteertrag ein mittelmäßiger; die Kartoffelerndte war hingegen eine außerordentlich günstige und konnte auch sehr trocken eingebracht werden.

 

 

1887

 

Petrus Hubert Bausen, geboren am 13. September 1940 in Langendorf, wird am 21. Juni Pfarrer der Pfarrgemeinde Frohngau  und ist bis zu seinem Tod am 10. Januar 1891 tätig.

 

(Auszug aus der Chronik der Bürgermeisterei Holzmülheim Tondorf vom Jahre 1879 bis 1895)

 

 Statistik 1887

 

Wetterdaten 1887

 

Die Witterungsverhältnisse waren folgende:

Während der Monate Januar, Februar und der 1 ten Hälfte des März war fast anhaltender starker Schneefall mit Frost; die 2 te Hälfte des Monats März brachte erst besseres mildes Wetter.


Der Schnee ging ab und es trat leichter Frost ein, wodurch es den Ackersleuten ermöglicht wurde mit den Arbeiten des Frühjahrs resp. Hafersaat zu beginnen. die Wintersaaten hatten unter der schweren anhaltenden Schneedecke stellenweise durch Fäule sehr gelitten. Bei der nun anhaltend günstigen und Milden Witterung im Monate April erholten sich jedoch die Saaten wieder zusehends. Die Hafer und andere Sommersaat konnten sehr günstig bestellt werden. Gegen ende April trat Regenwetter ein, welches fast ununterbrochen bis Anfangs Juni anhielt, so daß erst im Juni die Kartoffelsaat stattfinden konnte. Infolge der anhaltend nassen Witterung hatten die Winterfrüchte sich allenthalben sehr schön entwickelt; auch Klee und Futterkräuter hatten einen schönen Stand.

Für die Monate Juni und Juli stellte sich anhaltende Trockenheit ein, wodurch die Entwicklung der Vegetation sehr gehemmt wurde.

Im Monate August fror es am 11 ten und 15 ten so stark, daß auf vielen Feldern die Kartoffeln erfroren. Von da war das Wetter bis den 13 ten October kühl, abwechselnd mit Regen und vielfach windig. Am 13 ten October fiel schon Schnee, welcher jedoch schon bald verschwand. Hierauf folgte günstiges mildes Wetter bis Mitte November. Am 14 ten November trat wieder starker Schneefall ein, so daß alle Feldarbeiten bis Ende dieses Jahres eingestellt werden mußten.

Die Erndte der Winterfrüchte konnte allenfalls als eine Mittelerndte bezeichnet werden, sowohl bezüglich des Stroh als Körnerertrages. Die Heuerndte war in Folge der anhaltenden Trockenheit im Mai und Juni auf nicht bewässerten Wiesen sehr gering, auch die Grummeterndte war allgemein kärglich. Imgleichen verhielt es sich mit allen übrigen Futterkräutern und den Gemüsen fast jeglicher Art hierorts. Die Hafererndte sowie fast aller übrigen Sommerfrüchte
war sehr kärglich, namentlich der Strohertrag.

Die Kartoffelerndte war, sowohl in Folge der guten Aussaat als auch der vorgekommenen Fröste eine sehr schlechte, was namentlich von der ärmeren Klasse sehr hart empfunden wurde. Zum großen Glück der hiesigen Einwohner waren in diesem Jahre in den Niederungen und in andern Provinzen die Kartoffeln sehr reichlich geerndtet worden, so daß dieselben sehr billig wurden, sogar für 1,50 M pro Centner eingekauft werden konnten.

Die Wintersaaten konnten vor Eintritt des Winters ordnungsmäßig bestellt werden.

Die Nachfrage und der Handel mit Vieh und Früchten war allgemein hier sehr gering, auch die Preise von Früchten und Vieh sehr gering; nur für Jungvieh wurden in einzelnen Fällen annehmbare Preise erzielt, da Handelsleute aus Luxemburg hin und wieder hier einkauften.

 

 

1888

 

Der Verbindungsweg von Frohngau nach Buir wird für 2.731 Mark, und der Verbindungsweg von Frohngau nach Engelgau wird für 2.876 Mark ausgebaut.

 

 

(Auszug aus der Chronik der Bürgermeisterei Holzmülheim Tondorf vom Jahre 1879 bis 1895)

 

 Statistik 1888

 

Wetterdaten 1888

 

Die Witterung in diesem Jahre war kurz folgende:

Bei Beginn des Jahres trat sofort Thauwetter ein, welches bis 18. Januar Stand hielt; an diesem Tage fiel starker Schnee, welcher bis Ende März liegen blieb. Am 3 ten u. 12 ten April fiel wieder starker Schnee, welcher über die Hälfte des Monats liegen blieb; von da bis 6. Juni war trockenes helles Wetter. Am 6. Juni durchdringender Regen, dann Wärme abwechselnd mit Regenschauern bis 15. Juni. Am 15, 16, 17 u.18 ten Juni heftiger anhaltender Regen, Von da ab war das Wetter bis Ende August vorwiegend regnerisch u. kühl. Anfangs September hell und schön bis ende des Monats. Anfangs October war Sturm und Regen vorherrschend bis November; am 1. 5 u. 9 ten October sogar Schnee. Mit November kam mildes schönes trockenes Wetter und hielt dieses Stand bis zum Schlusse des Jahres.

In Folge dieser unbeständigen Witterung mit vielem Regen, wurden die Erndten sehr verspätet und beeinträchtigt; Heu, Winterfrüchte, Hafer u. die übrigen Sommerfrüchte hatten mehr oder weniger durch Nässe gelitten; imgleichen die Kartoffeln.

Die Erndte von Heu und Winterfrüchten war nur mittelmäßig; die Hafererndte war eine reichliche, die von Grummet und Futterkräutern kaum mittelmäßig. Gemüse waren genügend; die sonstigen Sommerfrüchte weniger als mittelmäßig, die Kartoffeln hierorts im Allgemeinen schlecht.

Die Herbstsaaten konnten ordnungsmäßig bestellt werden.

 

 

1889

 

Der Kirchturm wird abermals von einem Blitz getroffen und erheblich beschädigt. Die Seite zum Dorf hin wird herunter gerissen. Der Schaden von 390 Mark wird von der Provinzialfeuerversicherung gedeckt.

 

(Auszug aus der Chronik der Bürgermeisterei Holzmülheim Tondorf vom Jahre 1879 bis 1895)

 

 Statistik 1889

 

Wetterdaten 1889

 

Die Witterung war zu Anfang des Jahres und bis Ende Januar für die hiesigen Landleute sehr günstig, jedoch trat im Monate Februar starker Schneefall ein, welcher bis zum 8. März anhielt, worauf Thauwetter sich einstellte und die Ackersleute erst jetzt mit der Bestellung der Frühjahrssaaten beginnen konnten.

Hafer und Kartoffeln wurden bei günstiger Witterung gut bestellt. Die Wintersaaten hatten sich unter der Schneedecke gut erhalten und entwickelten sich später bei der günstigen Witterung im April und Mai so günstig, daß die Ernte sehr zufriedenstellend zu nennen war. Imgleichen wirkte auch die Witterung so günstig auf Gras, Klee und sonstige Futterpflanzen und waren die Ernten von Heu, Grummet, Knollen, Kohlraben und Rüben gut. Ebenso war die Obsternte günstig.

Bis Ende des Monats Oktober war die Witterung sehr schön und konnten Hafer, sonstige Sommerfrüchte und Kartoffeln, wovon überhaupt die Erträge zufriedenstellend waren, gut eingeheimst werden.

Ueberhaupt war das Jahr 1889 für den hiesigen Ackersmann günstig zu nennen indem die Ernte sämmtlicher Warenerzeugnisse durchschnittlich gut ausgefallen war.

In der ersten Hälfte des Monats November trat starker Frost ein und gegen ende dieses Monats viel ziemlich starker Schnee, so daß alle Arbeit in Feld und Wald gehemmt wurde.

Die Herbstsaaten konnten jedoch zeitig bei günstiger Witterung ordnungsmäßig im Monat September und Oktober bestellt werden.

 

 

1890

 

Am 16. Juli 1890 besucht der Erzbischof Philippus Crementz erstmalig die Pfarrgemeinde Frohngau und erteilt 24 Kindern das Sakrament der Firmung.

 

 

(Auszug aus der Chronik der Bürgermeisterei Holzmülheim Tondorf vom Jahre 1879 bis 1895)

 

Am 16. und 17. Juli dieses Jahres war der hochwürdigste Herr Erzbischof von Köln Dr. Philippus Kremenz in den Pfarreien Frohngau und Bouderath behufs Vornahme der canonischen Visitation und Ertheilung der heil. Firmung anwesend. Bei Gelegenheit dieses hohen Besuches waren in den genannten Gemeinden die Straßen und Häuser durch Triumpfbogen, Fahnen, Girlanden, Bäume und Laubwerk sowie Blumen in der innigsten schönsten Weise geziert.

 

 

(Auszug aus der Chronik der Bürgermeisterei Holzmülheim Tondorf vom Jahre 1879 bis 1895)

 

Wetterdaten 1890

 

Zu Anfang des Jahres war während des Monats Januar die Witterung nicht besonders günstig. Häufiger Schneefall und Schneegestöber bedeckten die Fluren mit einer starken Schneedecke. In den ersten Tagen des Monats Februar trat jedoch sehr schönes Wetter ein, welches bis Ende dieses Monats dauerte, worauf wieder leichter Schneefall eintrat, der aber nur einige Tage währte. Während des ganzen Monats März war die Witterung sehr günstig und schön. Die Ackersleute konnten jetzt schon mit der Hafer und Sommersaaten beginnen, welche dann auch bei der anhaltend günstigen Witterung frühzeitig beendet werden konnten. Infolge der vielen Schneemassen, welche während der Monate Januar und November, Dezember 1889 gefallen waren und die Wintersaaten bedeckten, hatten letztere sich gut erhalten und weil auch die Witterung nicht besonders ungünstig war, erfolgte eine Mittelmäßig gute Ernte. Imgleichen war es mit der Hafer und den übrigen Sommerfrüchten.

Die Heu und Grummeternte sowie die Futterernte war eine reichliche wie seit Jahren nicht.

Die Kartoffelernte, sowie von Kohlraben, Gemüse, Gartenfrüchte etc. waren reichlich gediehen und konnten bei schönem Wetter im Oktober trocken eingebracht werden. Gegen Ende Oktober trat jedoch nach anhaltendem Regen starker Frost ein; zum Glück für die Saaten viel alsbald wieder Schnee, welcher die Saaten schützte.

Das Jahr 1890 war durchschnittlich günstig zu nennen, da sämtliche Bodenerzeugnisse hier eine befriedigende Ernte geliefert hatten.

Die Vieh und Fruchtpreise waren ebenfalls günstig.

 

 

1891

 

Pfarrer Peter Hubert Bausen stirbt am 10. Januar im Amt. Er wird in Frohngau auf dem Kirchhof beerdigt. Sein Grabstein wird später für den Bildstock Holzgasse – Greußstraße verwendet.

 

 Totenzettel und Grabstein Pfarrer Bausen

 

 

(Auszug aus der Chronik der Bürgermeisterei Holzmülheim Tondorf vom Jahre 1879 bis 1895)

 

Am 10. Januar starb zu Frohngau der dortige Pfarrer Herr Peter Hubert Bausen im Alter von 50 Jahren an der Lungenschwindsucht, nachdem derselbe kaum 4 Jahre als Pfarrer zu Frohngau fungiert hatte; die erwähnte Pfarrgemeinde verlor an dem genannten Herrn einen pflichttreuen frommen Seelsorgerund wird derselbe noch lange Jahre in dankbar gesegnetem Andenken bleiben. Derselbe war geboren zu Langendorf bei Jülich.

 

Die Pfarrstelle bleibt bis 1892 unbesetzt. Pfarrverwalter ist Pfarrer Heyers aus Tondorf.

 

25 Jugendliche erhalten in der Pfarrkirche das Sakrament der Firmung. Firmpaten sind Frau Beißel und der Kirchenpräsident Grons.

 

Stiftungen Johann Blum

 

(Auszug aus der Chronik der Bürgermeisterei Holzmülheim Tondorf vom Jahre 1879 bis 1895)

 

In der Gemeinde Frohngau starb am 11. Februar ds. Js. Der Junggeselle und Ackerer Johann Blum; derselbe testierte fast sein ganzes nicht unbeträchtliches Vermögen zu wohlthätigen Zwecken nämlich:

 

1. 9000 Mark zur Stiftung einer Sonn- u. Feiertägigen Frühmesse zu Frohngau,

2. 2500 Mark zur Stiftung einer Allerseelenoctav bei derselben Kirche und

3, nach Abzug einiger kleinen Legate, den Rest zur Stiftung eines Armenfonds für die Gemeinde Frohngau, welch letzterer Fonds immerhin noch ca. 7500 Mark betragen wird, vorausgesetzt wenn die landesherrliche Genehmigung ertheilt wird, welche bis jetzt noch nicht erfolgt ist.

 

 

(Auszug aus der Chronik der Bürgermeisterei Holzmülheim Tondorf vom Jahre 1879 bis 1895)

 

Am 11. Juli abends gegen 10 Uhr ist in der Wohnung No. 6 Christian Schnichels zu Frohngau Feuer ausgebrochen, welches nur durch die schleunigen Löscharbeiten der der Einwohner und Benutzung der Feuerspritze beim Anfange erstickt wurde, sonst wäre bei der Strohbedachung mehrerer Nachbarhäuser ohne Zweifel eine Reihe von Häusern in der Weithe des Dorfes abgebrannt. Es wurde daher durch den Brand und die Löschvorrichtung nur der Dachstuhl des genannten Wohnhauses zerstört. das Gebäude war bei der Rheinischen Provinzial – Feuer – Societät gegen Brandschaden versichert und betrug die festgestellte Entschädigungssumme 300 Mark.

 

(Auszug aus der Chronik der Bürgermeisterei Holzmülheim Tondorf vom Jahre 1879 bis 1895)

 

Der neu ausgebaute Verbindungsweg von Frohngau (:resp. Thal genannt Missenthal:) durch den Kirchenwald Haart wurde im Anfang des Jahres beendigt. im Ganzen wurden hierzu incl. Grundentschädigung und Nebenkosten, von der Gemeinde verwendet 3615 Mark. Zu diesen Kosten sind  seitens der Provinzial-Verwaltung 1200 Mark Beihülfe an die Gemeinde bewilligt und ausbezahlt worden.

 

 

Wetterdaten 1891

 

Die Witterung in diesem Jahre war wie folgt:

Bei Beginn des Jahres herrschte starker Frost, jedoch waren hierbei Feld und Flur mit einer mäßigen Schneedecke überzogen, welche die Saaten schützte. Nur in Vertiefungen und hinter Abhängen war der Schnee zu starken lagern zusammengeweht.

Das Frostwetter hielt ununterbrochen an bis halben März wo mildes Thauwetter eintrat und der Schnee in ein paar Tagen aus den Fluren verschwand.

Es zeigte sich bald zur großen Freude der hiesigen Ackersleute, daß die Wintersaaten allenthalben nichts, mit Ausnahme der Roggenfelder, unter der schützenden Schneeschicht von dem starken Frostwetter gelitten hatten, wo hingegen in den Niederungen auf Düren und Köln zu fast sämmtliche Wintersaaten total erfroren waren. Es konnte noch in der 2. Hälfte des Monats März mit Bestellung der Felder zur Sommersaat begonnen werden und diese konnten ohne wesentliche Unterbrechung zu Ende geführt werden.

April war vorherrschend kalt mit Regen, gegen Ende ein wenig Schnee, Mai und Juni ebenfalls vorherrschend windig und kalt; im Juni allenthalben regnerisch. Juli und August waren ebenfalls vorherrschend kalt und regnerisch, meistens hatten wir die Winde von Norden und vielfach stürmisch.

Mit Beginn des Monats September trat jedoch helles mildes Wetter ein, welches die Monate Oktober und November anhielt, bis gegen Mitte Dezember, wo Regenwetter mit Sturm sich einstellte, welches bis Ende des Jahres anhielt.

Bei der vorherrschend kalten regnerischen Witterung des Jahres hindurch hatten sich zwar fast sämtliche Früchte allenthalben gut entwickelt, gelangten aber spät zur Reife. Gegen Mitte August konnte erst mit der Erndte der Winterfrüchte begonnen werden. Bei dem anhaltend schönen warmen Wetter waren jedoch Ende September Winterfrüchte und Sommerfrüchte eingebracht und ebenso gegen 20. Oktober Kartoffeln und Gemüse. Es war überhaupt dieses Jahr bezüglich der Erndteerträge besser als mittelmäßig zu nennen.

Die Winterfrüchte waren gut, sowohl an Stroh als an Körner mit Ausnahme des Roggens, welcher zu dünn stand, Heu, Hafer, Futterkräuter waren ebenfalls reichlich und gute Kartoffeln waren mittelmäßig; einzelne Leute hatten auf trockenem gründigen Boden bei guter Saatfrucht eine sehr reichliche Erndte.

Vieh und Fruchtpreise waren ebenfalls gut.

 

 

1892

 

Am 16. September wird Jakob Fey, geboren am 20. August 1851, zum Pfarrverwalter der Pfarre Frohngau ernannt. Er tritt diese Stelle am 6. Oktober an.

 

Am 20. November bildet sich der Cäcilienverein. Lehrer Josef Beißel übernimmt die Leitung.

 

(Auszug aus der Chronik der Bürgermeisterei Holzmülheim Tondorf vom Jahre 1879 bis 1895)

 

Wetterdaten 1892

 

Die Witterung war in diesem Jahre ganz befriedigend. Der hohe Schnee welcher bis April alles bedeckte, war den Saaten nicht nachtheilig gewesen. Durch das schmelzen des Schnees und den im April folgenden Regen wurde der Boden mit genügender Feuchtigkeit versehen, weshalb der trockene und meist heiße Sommer den Pflanzen nichts geschadet hat. Zwar ließ die Heuernte zu wünschen übrig, dagegen war die Fruchternte sehr gut. Dasselbe gilt auch von der Kartoffelernte.

 

 

1893

 

Am 2. Januar wird Jakob Fey zum Pfarrer ernannt und am 24. Januar feierlich eingeführt. Er ist bis 1897 tätig.

 

Pfarrer Jakob Fey

 

 

Im Mai tritt eine große Dürre ein. Die Brunnen versiegen und die Felder, Wiesen und Weiden vertrocknen. Nur ein Brunnen hat in den frühen Morgenstunden Wasser aber dasselbe ist ungenießbar.

Aufgrund des Wassermangels muss Wasser von auswärts geholt werden. Ein Weideauftrieb kann nicht erfolgen. Die Heureserven sind aufgebraucht. Viele arme Leute sind gezwungen, ihr Vieh abzuschaffen.

Der Viehbestand halbiert sich. Die Ernte bringt nur 25 % des normalen Ertrages.

 

 

(Auszug aus der Chronik der Bürgermeisterei Holzmülheim-Tondorf)

 

Wetterdaten 1893

 

Die Witterung des verflossenen Jahres war für den Landmann eine sehr ungünstige. Bis Mitte Februar herrschte eine ganz außerordentliche Kälte. in der Zeit vom März bis zum 24. Juni blieb die Erde fast ohne jede Feuchtigkeit. Die Hitze nahm immerfort derart zu, daß die Pflanzen, namentlich auf trockenen Stellen gänzlich verdorrten. es entstand eine großartige Futter- und Wassernoth, wie sie die ältesten Leute noch nicht erlebt hatten. Der Heumonat lieferte kaum den 4. Teil des Ertrages von sonstigen Jahren. nun war der Landmann
 genöthigt, seinen Viehbestand auf mindestens die Hälfte zu beschränken. da aber die Futternoth allgemein war, so mußte das Vieh zu Spottpreisen abgegeben werden. Der Centner Heu kostete aber 6 – 7 Mark.

Die Frucht- und Kartoffelernste war noch ziemlich gut ausgefallen. Was ihr an Menge abging, wurde durch die ausgezeichnete Güte vollständig ersetzt. Der erste Schnee fiel erst eben vor Weihnachten.

 

1894

 

(Auszug aus der Chronik der Bürgermeisterei Holzmülheim-Tondorf)

 

Der Gemeinderath von Frohngau beschloss die Anlegung einer Wasserleitung. Von dem Ingenieur Ehlert zu Düsseldorf wurde ein Projekt nebst Kostenanschlag angefertigt. Die Kosten sollen 9000 M betragen.

 

(Auszug aus der Chronik der Bürgermeisterei Holzmülheim-Tondorf)

 

Wetterdaten 1894

 

Das verflossene Jahr hat bezüglich der Witterung wieder manches gutgemacht , was das Jahr 1893 geschadet. Der Winter war außergewöhnlich gelinde. Deshalb wurde viel an Futter gespart, zumal da die Schafe fast immer zur Weide gehen konnten, und viel weniger als sonst im Stalle verzehrten. Schaf- und Rindviehpreise stiegen rasch in die Höhe, nicht nur wegen der günstigen Aussichten auf Frühfutter, sondern auch besonders wegen des großen Mangels an verkäuflichen Thieren. Der Sommer brachte ziemlich viel Regen. Zwar wurde bedeutend mehr Heu eingeerntet als im vorigen Sommer, jedoch ließ dasselbe an
 Güte dem vorjährigen vieles nach. Hafer war ziemlich gut; die übrige Frucht lieferte ordentlich Stroh, aber verhältnismäßig wenige Körner.

Ende November fiel der erste Schnee, der auch fast bis Schluß des Jahres liegen blieb.

 

 

1895

 

Bei Wegearbeiten wird ein römisches Grab gefunden und ausgegraben. Darüber hinaus werden römische Münzen und fränkische Gräber gefunden.

 

(Auszug aus der Chronik der Bürgermeisterei Holzmülheim-Tondorf)

 

Mit der Vertretung des erkrankten Lehrers Beihsel zu Frohngau wurde der Schulamtskandidat Arnold Cremer aus Montoie durch Verfügung der Königlichen Regierung vom 31. / 8. 95J. No, 5486 beauftragt.

 

  Originaltext aus der Chronik

 

 

Am 2.Dezember findet eine allgemeine Volkszählung statt. In Frohngau werden 226 Seelen gezählt.

 

1896

 

Am 20. Januar wird in Frohngau eine Posthilfsstelle eingerichtet, wahrscheinlich in der Gastwirtschaft Radermacher in der Helterstraße.

 

Bau der ersten Wasserleitung aus dem Risch, die aber wegen des zu geringen Gefälles den Ort nicht ausreichend versorgen kann.

 

 

1897

 

Im Januar liegt der Schnee 2 – 3 m hoch. Der Ort ist völlig von der Außenwelt abgeschnitten.

 

Am 12. März wird Hubert Merzenich aus Kallmuth Nachfolger von Lehrer Josef Beißel. Er ist bis zum Jahre 1901 tätig.

 

Pfarrer Jakob Fey verlässt am 15. November auf eigenen Wunsch die Pfarrgemeinde.

 

Bis zum 13. Januar 1899 bleibt die Pfarrstelle unbesetzt. Pfarrverwalter während dieser Zeit ist Pfarrer Ostlender aus Bouderath.

 

 

1899

 

Am 13. Januar wird Leonhard Hubert Rauschen, geboren am 24. Juni 1866 in Heinzberg, zum Pfarrer von Frohngau ernannt und am 7. Februar feierlich eingeführt. Er ist bis 1906 tätig.

 

 

 

Pfarrer Leonhard Hubert Rauschen

 

Der Kirchenneubau kommt erstmals ins Gespräch. Es wird mit den Sammlungen für die Baukosten begonnen.

 

Am 10. April besuchen 54 Kinder die Schule, davon 25 Knaben und 29 Mädchen

 

 

Zur Chronik 1900 bis 1945