Chronik der Schule zu Frohngau

 

 

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Lehrer Jakob von den Busch 16. Juni 1925 bis 30. September 1936

 

1925

 

Am 15. Juni verließ Lehrer Jouhsen Frohngau und

trat eine Stelle in Düren an.

Zum 16. Juni wurde dem Schulamtsbewerber Jak. von den Busch

auftragsweise die Verwaltung der hiesigen Schulstelle

übertragen.

 

Die diesjährigen Heuferien begannen am 6. Juli und

dauerten bis zum 26. Juli einschließlich.

 

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Im Sommer dieses Jahres begingen die rheinischen

Lande eine überaus bedeutungsvolle Feier. Die Veranlassung

hierzu war die 1000‑jährige Zugehörigkeit der Rheinlande zum

Deutschen Reich. Mit der Zeit des Kaisers Heinrich 1. waren die

Rheinlande mit kurzen Zwischenräumen eng mit dem Deut-

schen Reiche verbunden. Deutsches Wort, deutscher Sang, deutsche

Kunst fanden seitdem in den rheinischen Gauen eifrige Pflege.

Sie waren deutsch, sie sind deutsch und wollen deutsch

bleiben, das ist der Sinn der Feier, die überall in den rheinischen

Landen veranstaltet wurden.

Auch in hiesiger Schule fand am 28. Juli eine entsprechende

Schulfeier statt. Der Lehrer gab eine kurze Übersicht über die

Geschichte der Rheinlande, ihre Schicksale, ihr treues Festhalten

am Reiche, die Arbeitsamkeit, die Heimatliebe und den

frohen Sinn der Bewohner. Frohe rheinische Lieder schlossen die

Feier. Der Unterricht fiel an diesem Tage aus.

 

Im September brachen hier die Masern aus. 7 Kinder

erkrankten. Die Schule wurde deswegen vom 22.9. bis 30.9

geschlossen aufgrund ärztlicher Anordnung.

 

Die Herbstferien dauerten vom 1.10. bis 21.10. einschließ-

lich.

 

1926

 

Am 1. April ds. Jahres wurde der Lehrer von den Busch

an der hiesigen Schule einstweilig angestellt.

 

Am 20. April fand die Aufnahme von 5 Schul-

neulingen statt (4 Mädchen, 1 Knabe). Die Schüler-

zahl beträgt jetzt 24. Das bedeutet einen Rückgang

in der Schülerzahl gegenüber dem Jahre 1908 von 67

Schülern und dem Jahre 1913 von 46 Schülern.

 

Die diesjährigen Heuferien begannen mit 5. Juli

und dauerten bis zum 25. Juli einschließlich.

 

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Am 8. Januar erschien Herr Schulrat Caro Gier zur

Revision. Es wurde geprüft in Biblischer Geschichte, Lesen,

Rechtschreiben, Rechnen, Heimatkunde und Singen.

 

Im September herrschte unter den Schulkindern der

hiesigen Schule Mumps. 13 Schüler fehlen wegen dieser

Krankheit. Mit dem Rest von 13 Kindern wurde der

Unterricht weiter aufrechterhalten.

 

Die Herbstferien dauerten vom 1. Oktober bis 23.

Oktober.

 

1927

 

Am 27. Februar 1927 jährt sich zum 100ten Male der Jahres-

tag des großen Schulmannes Johann Heinrich Pestalozzi.

Dieser tag war schulfrei. Wie überall im deutschen Lande

fand auch in unserer Dorfschule aus obigem Anlaß eine

bescheidene Feier statt. Der Lehrer ging in seinem kurzen Vortrag

auf das Leben Pestalozzis ein und beleuchtete insbesondere

dessen große, selbstlose Liebe zum minderen Volke und seine

rastlose Tätigkeit als Erzieher der Jugend. Einige Gedicht- und

Volksliedervorträge verschönerten die Feier.

 

Am 26. April 1927 begann das neue Schuljahr. Es fand

keine Aufnahme von Schulneulingen statt. Die Schülerzahl

stieg durch Zukommen eines Kindes von auswärts auf 25.

 

Am 08. Juli 1927 bot unser Dorf einen feierlich, festlichen

Anblick. Zum Empfang des hochwürdigsten Herrn Weihbischof

Dr. Sträter von Aachen hatte sich die Pfarrgemeinde

Frohngau‑Buir gerüstet. Am frühen Morgen versammelten

sie sich an einem vor der Wirtschaft Crump errichteten

Triumphbogen. Weiß gekleidete Mädchen bildeten hier Spalier.

Bald verkündete feierliches Glockengeläute die Ankunft

des hochwürdigsten Herrn. Herr Pfarrer Linnartz begrüßte ihn

mit kurzen, einfach‑herzlichen Worten. Erhebend wirkten

 

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darauf die kirchlichen Willkommensgrüße und

Bitten einiger Schülerinnen. Zwischen aufgestellten

Tannenbäumchen bewegte sich dann der Zug unter

Singen und stetigem Glockengeläute zur Kirche.

Tiefen Eindruck machten beim Amte und der nach-

folgenden Firmung die feierlichen Zeremonien.

Der hochwürdigste Herr erteilte den Kindern aus Frohngau

und Buir im Alter von 9 bis 15 Jahren das hl. Sakra-

ment der Firmung. Firmpaten waren Einwohner

aus Frohngau und Buir. In seiner Ansprache dankte der

hochwürdigste Herr Weihbischof für den feierlichen Empfang,

ermahnte Kinder und Erwachsene zur weiteren

sittlich‑religiösen Pflichterfüllung und erteilte

der Gemeinde den bischöflichen und sakramentalen

Segen.

 

1928

 

In diesem Jahre kam hier zum ersten Male eine

Schul‑Martinsfeier zustande.

Lehrer und Schüler trafen eifrig Vorbereitungen, die

Feier schön zu gestalten. Nur bescheidene Geldmittel

standen zur Verfügung, die durch eine Haussammlung

aufgebracht wurden.

Die Feier wurde durch einen Lanzion-Reigen eröffnet,

der von den Schülern bei Leuchtfeuerbeleuchtung gut

aufgeführt wurde. Dann bildete sich ein Fackelzug.

Unter frohem Absingen eines Liedes setzte sich der Zug

in Bewegung. Sankt Martin zu Roß in blanker

Rüstung führte ihn durch die Straßen des Dorfes zum

Himberg. Bald loderten hier die Flammen des

Martinsfeuers. Das Dorf war wie ausgestorben.

Viel Volk war dem Zug gefolgt. Frohe, junge Burschen

schwenkten sprühende Holzscheite durch das Dunkel des

Abends. Alte Volkssitte fand den Weg zum Herzen

des Volkes.

Eine kleine Bescherung, Gaben, die der St. Martin selbst

 

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austeilte, bildete den Schluß der Feier, nachdem der Lehrer

in kurzen Worten das Leben des hl. Martinus beleuchtet

hatte.

War es dieses Jahr eine Schulfeier, so hoffen wir, daß

in kommenden Jahren der Martinsfestzug sich größer

gestaltet, und die Mehrzahl der Dorfbewohner mit

brennender Fackel seine Reihen verschönert.

 

1929

 

Ostern 1929 wurden fünf Kinder (2 Mädchen - 3 Knaben) in

die Schule aufgenommen. Die Zahl der Schüler

beträgt nun 21.

 

Das Luftschiff "Graf Zeppelin", das kürzlich

erst seine Reise um die Welt glücklich beendet

hatte, stieg am 17. September, morgens 4.11 Uhr in

Friedrichshafen zu einem Westdeutschlandflug auf.

Durch das „Radio“ wurde am Abend vorher dem

Lehrer bekannt, daß das Luftschiff Euskirchen

überfliegen werde. So hatten wir berechtigte

Hoffnung, den Luftriesen, dessen Weltreise wir

mit Spannung verfolgt hatten, einmal zu sehen.

Gegen 08.05 Uhr morgens sahen wir ihn plötzlich am

östlichen Himmel von Süden kommend auftauchen.

Begeistert jubelten wir ihm zu. Vom Himberg aus ver-

folgten wir seine Bahn über Euskirchen auf Düren zu.

 

1930

 

Es wurden zu Ostern 1930 zwei Kinder (1 Knabe - 1 Mädchen)

entlassen. Neu aufgenommen wurden 4 Kinder (3 Kn. - 1 M.).

Die Zahl der Schüler beträgt jetzt 22.

 

Sonntag, den 09. November abends gegen 10.1/2 Uhr,

rief die Brandglocke zur Gastwirtschaft Radermacher

in der Heltergasse. Das Feuer wurde spät bemerkt und so

standen in kurzer Zeit Scheune, Tanzsaal und Stall in Flammen.

 

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Der tatkräftigen Arbeit vieler Dorfbewohner und

der Löschmannschaften von Buir und Tondorf

gelang es den Brand vom Wohnhaus fernzuhalten.

Gegen 1 1/2 Uhr nachts war das Feuer gelöscht.

In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts brannte

an derselben Stelle das ganze, Radermacher gehörende

Anwesen nieder.

 

1931

 

Ostern 1931 wurden 3 Kinder (1 Knabe - 2 Mädchen)

aus der Schule entlassen. Die Zahl der Schulneulinge

beträgt 7, davon 5 Knaben und 2 Mädchen.

Die Gesamtzahl der Schüler stellt sich nun auf 26.

 

1932

 

Zum 1. April wurden 2 Kinder (1 Knabe – 1 Mädchen)

aus der Schule entlassen und 7 Kinder (2 Mädchen –

5 Knaben) neu aufgenommen. Davon wurde

1 Kind wegen Krankheit durch Herrn Schulrat Caro

für 1 Jahr beurlaubt. Die Schülerzahl steigt damit

von 23 auf 29 bzw. 30.

 

Vom 01. April ab wurde der Pfarrer Linnartz von

seiner Pfarrstelle Frohngau entbunden und zur Über-

nahme einer Seelsorgerstelle in Brasilien beurlaubt.

 

Am 5. Mai wurde nun Pfarrer Herr Heinrich

Lösgen, der bisher in Kaldenkirchen / Rhld., in sein

Amt eingeführt. Die Einführung gestaltete sich

zu einem Volksfeste.

 

Am 23. April wurde hier der hochwürdigste Herr

Weihbischof Dr. Sträter von Aachen in feier-

licher Weise zur Spendung der hl. Firmung

empfangen. Es wurden von Frohngau 12 und von

Buir 9 Kinder gefirmt.

 

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Im Wege des freiwilligen Arbeitsdienstes wird hier

im Lauf des Winters ein Wirtschaftsweg zwischen

Frohngau und Holzmülheim gebaut. Eine direkte

Straßenverbindung zwischen den genannten Orten bestand

bisher noch nicht. Schon vor langen Jahren erkannte man

die Notwendigkeit dieses Wegebaus, die Ausführung

des Planes scheiterte jedoch an der schlechten Finanzlage

der Gde. Frohngau, die durch die Inflation bedingt

wurde.

Träger der Arbeit und des Dienstes ist die Gde. Frohngau.

Ein Teil der Arbeitsdienstwilligen kommt aus Frohngau und

den umliegenden Dörfern, der größere übrige Teil wird

von der „Vereinigung für Jugendwerk e.V.“Köln‑Sülz

gestellt. Diese Arbeitswilligen sind im Saale der

Wirtschaft in einem geschlossenen Lager untergebracht.

Die Stärke der Mannschaften im geschlossenen Lager beträgt

z. Zt. 40 Mann. Sie soll jedoch auf 100 Mann gesteigert werden.

In wirtschaftlicher Beziehung ist der Bau des Weges von doppelter

Bedeutung. Durch den Weg wird die Flur aufgeschlossen und

den Einwohnern des Ortes eine gute Absatzmöglichkeit

für ihre Erzeugnisse geboten.

Andererseits wirkt sich der Arbeitsdienst erzieherisch dahin

aus und das besonders für die hiesigen Jugendlichen, daß

Gemeinschaftswille und treue fruchtbringende Gemeinschafts-

arbeit gefördert und durch die Freizeitgestaltung die Jugend

körperlich und geistig ‑ sittlich aufwärts geführt wird.

 

Nach mehrjähriger Ruhepause (siehe 1928) wurde seitens

der Schule in diesem Jahre wieder eine Martinsfeier veran-

staltet. Sie gestaltete sich zu einem echten Volksfeste.

Dieses Mal gelang es, auch die Jugendlichen des Ortes zur

Teilnahme an dem Martinszuge zu gewinnen. Es ist

dies vielleicht darauf zurückzuführen, daß die im geschlossenen

Lager des Arbeitsdienstes untergebrachten, auswärtigen

Jungmannschaften mit selbst verfertigter Fackel den Zug

verschönerten. Auch die Schuljugend trat zum Teil mit

selbst gebastelter Fackel an, sodaß ein Zug von weit über

100 Fackeln sich zum Buirberg bewegte, wo das Martinsfeuer

 

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abgebrannt wurde. Trotz des sehr starken Nebels

hatten die Dorfbewohner es sich nicht nehmen lassen,

dem Zuge zu folgen. St. Martin erfreute die Kinder-

herzen durch eine kleine Gabe. Die Jugend wurde zur

Ausübung der Martinstugend, der Freigiebigkeit, besonders in

der jetzigen Notzeit angehalten.

 

1933

 

Vom 27. Januar bis 3. Februar war die Schule wegen Grippe-

erkrankung des Lehrers und mehrerer Kinder geschlossen.

 

Seit vielen Jahren besteht an unsrem Orte ein Fast-

nachtsbrauch, der hier Beachtung finden möge.

Die Mädchen der Schule wählen einige Zeit vor Fastnacht

aus ihrer Reihe eine „Königin“, die Jungen einen

“Ärzebär“. Jede Abteilung (Mädchen ‑ Knaben) für sich

sucht ein Kosthaus für die Fastnachtstage. Diese Wahl

sowie das Kosthaus werden streng geheim gehalten. Nun

geht es an ein Raten und Tuscheln - die Mädchen möchten

so gerne von den Jungen wissen, wer „Ärzebär“ werden

soll und welches Kosthaus sie gesucht haben. Umgekehrt

versuchen die Jungen zu erlauschen, wer „Königin“ sein

soll und wo das Kosthaus der Mädchen sich befindet.

Gewöhnlich wird eines der kleinen Kinder der „Verräter“.

Am Fastnachtstage selbst, nach Beendigung des Unterrichtes,

schmücken nun die Mädchen ihre „Königin“ mit Krone, Bändern,

Schleifen u. s. w. Es werden ihr 2 „Führerinnen“, ebenfalls geschmückt,

beigegeben. Die übrigen versorgen sich mit Schüsseln, Flaschen,

Büchsen, Eimern und spitzen Hölzern. Die „Königin“ führt

ein kleines Sparbüchschen mit sich. Nun geht es singend

durchs Dorf von Haus zu Haus. Gaben wie Mehl, Zucker,

Öl, Backpulver, Eier, Milch, Kaffee, Speck und Geldstücke

werden gerne entgegengenommen. Der Speck wird auf

die spitzen Hölzer gespießt. Ein Lied ist jedesmal der Dank.

 

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Die Jungen umwickeln ihren Erkorenen mit

Erbsenstroh, legen ihm eine Kette um und nun

ziehen auch sie singend und Gaben heischend mit

dem „Ärzebär“ durchs Dorf. Als Dank muß der „Bär“

mit einem Tanz seine Referenz machen. Dann

wird das Gesammelte ins Kosthaus gebracht und

hier zu Puffeln verbacken. Fehlendes wird von dem

erhaltenen Gelde gekauft. Gemeinsam, allerdings

getrennt nach Mädchen und Knaben, werden dann

im Laufe der Fastnachtstage die Puffeln verzehrt, wobei es

an ausgezeichnetem Appetit nicht fehlt. Es sind dies wohl

die Hauptmahlzeiten. Selbstverständlich wird die Menge

der gesammelten Gaben und damit auch der Puffeln

verglichen. Einmal sind die Mädchen, ein anderes Mal

die Jungen die Glücklicheren. Ist ein größeres Kind

der „Verräter“ gewesen, (wie oben erwähnt) dann folgt als

Strafe wohl auch Ausschluß von einer Mahlzeit.

 

Ein Stück Eifelhumor

 

Wer hätte gedacht, daß der vorerwähnte Wegebau der Bevöl-

kerung des hiesigen Ortes Gelegenheit geben würde, ihren

Humor, der eines satirischen Einschlags nicht entbehrt, zu zeigen.

 

Die Geschichte ging so zu:

 

Ein Teil des geplanten Weges führt in seinem Endstück

durch Holzmülheimer Gebiet. Die Gde. Frohngau trat nun

an die Gde. Holzmülheim mit der Frage heran, ob sie

bereit wäre, dieses Wegestück zu bauen. Holzmülheim

wollte die Sache jedoch nicht so recht gefallen und es

führte ins Feld, daß der Weg für Holzmülheim keine

besondere Bedeutung habe. Schließlich wurden die Gden.

sich dahin einig, daß Frohngau z. T. den Auftrag für

das Wegestück stellen und außerdem an d. Gde. H.

300 Mark zahlen solle. Nun schien alles in bester Ordnung

zu sein und man durfte auf den Ausbau des Weges

 

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bis zum Orte H. hoffen. Aber da plötzlich, wie

ein Blitz aus heiterem Himmel, zerschlug sich die

Abmachung. H. zog sich zurück. Die Gründe, die

dazu führten sind dem Schreiber dieser Zeilen nicht

genau bekannt. Jedenfalls verlangte H. neuerdings

600 M. Das brachte die Frohngauer wieder auf den

Plan und es folgte eine bestimmte Ablehnung

des Ansinnens.

Nun kam Fastnacht.

Wenn überall im rheinischen Land Prinz Karneval

Triumphe feiert, so ist es nicht verwunderlich, wenn

etwas von dieser Narrenfreude auch ein stilles

Eifeldorf ergreift.

Eine Idee tauchte in Frohngau auf: „Wir gehen

den Holzmülheimern den Weg bauen“, so hieß

es plötzlich. Gesagt, getan. Bald wanderten junge

Leute von hier (es waren gewiß nicht nur die ganz

jungen) in den Masken eines Landrats, Bürger-

meisters, des zugehörenden Amtsschreibers und eines

Vermessungsrates nach Holzmülheim. Plan, (ein

altes Tapetenmuster), Folianten von gehörigem Umfang,

Notizbücher, die vorwitzig zwischen dem ersten und

zweiten Rockknopf hervorlugten, waren notwendige

Utensilien. Eine Anzahl „Arbeiter“ (die jüngsten un-

ter ihnen) folgten mit Messstangen, Abschätzungsrohr

(ein altes, verrostetes Ofenrohr mit Gestell), Schub-

karren, Pfählen u. s. w. Ich sprach vorhin von

„wandern“. Selbstverständlich mußten Landrat,

Bürgermeister und Schreiber im Auto vorfahren.

Und so geschah es. Unser Herr Pfarrer stellte bereit-

willigst sein Auto zur Verfügung. Dem Zuge voran

bewegte sich eine kleine Tambourkapelle, die z. T.

vom Arbeitsdienstlager gestellt wurde.

 

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Vor Holzmülheim angekommen, ging es an ein

Abschätzen, Messen, Notieren u. s. w. Gewürzte Zurufe schallten

hin und her. Die Holzmülheimer wußten zunächst keine

Erklärung: „Wir messen und bauen euch den Weg!“

Da mußten natürlich einige Häuser abgebrochen, andere

umgebaut werden, ja durch andere sollte der Weg mitten

hindurch führen. So verfielen u. a. auch die beiden Mühlen

diesem Schicksal. Man besuchte auch mit Absicht Häuser,

von deren Bewohnern man wußte, daß sie dem Durchbau

des Weges nicht gerade geneigt waren. Selbstverständlich

wurden auch Geldstrafen verhängt und um entsprechende

Aufwartung nicht lange gebeten, Unterschriften für

den Wegebau gesammelt und in den Folianten aufge-

nommen. Allerdings kostete das wiederum eine

Abgabe. Ein „Hofnarr“ sorgte für die nötige Abwechslung

bei dem mit Ernst und Wichtigkeit durchgeführten

Geschäfte. Viel Volk aus Frohngau hatte es sich nicht

nehmen lassen, dem Schauspiel zuzusehen. Es ist gewiß

zu verstehen, daß die Bewohner Holzmülheims nur in

sehr geringer Zahl aus der Nähe diesen „Wegebau“

verfolgten. Man spricht davon, die Geschichte habe

ihnen nicht sehr gefallen. Jedenfalls erzählt man hier

noch lange davon und des Lachens ist dann kein Ende.

 

Am 11. März, dem Vortage des Volkstrauertages, gedachte

die hiesige Schule der im Weltkriege 1914 ‑ 1918 gefallenen deut-

schen Soldaten in einer Trauerfeier.

In geschlossenem Zuge, voran die alte preußische

Fahne, bewegte sich die Schar der Schulkinder unter

Absingen des Liedes vom guten Kameraden

zum Kriegerdenkmale. In einer Gedenkrede wurden

die Kinder auf den Opferwillen und die treue,

eiserne Pflichterfüllung der toten Soldaten hingewiesen und

 

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zur Nachahmung angehalten, damit sie einst fähig

und würdig seien, das Erbe, das die Krieger ihnen

beschützt und erhalten, anzutreten und zu verwalten.

Die Feier endete mit der Niederlegung eines von den

Schulkindern selbst gefertigten Kranzes, über den sich

als Ehrengruß die Fahne senkte.

Nach der Rückkehr zur Schule wurde die Fahne unter

Absingen des Deutschlandliedes auf Halbmast gezogen.

 

Am 21. März trat zum erstenmal der am 5. März

gewählte Reichstag zusammen. Diesem Zusammentritt

ging ein feierlicher Staatsakt in der Garnisonskirche in

Potsdam voran, der durch Rundfunk auf die deutschen

Sender übertragen wurde. Zu dieser Obertragung ver-

sammelten sich die Schulkinder in der Schule, woselbst

der Lehrer seinen Radioapparat zur Verfügung

gestellt hatte.

Der Unterricht fiel an diesem Tage aus.

 

Am 9. April wurde hier eine Stahlhelmortsgruppe

gegründet. Die Mitgliederzahl beträgt mit 8 Kameraden

aus Engelgau 20. Am 23.09.1933 trat die Gruppe zur SA über.

 

Der 1. Mai, der Tag der nationalen Arbeit wurde auch

hier in würdiger Weise gefeiert. Den Höhepunkt

bildete ein Festzug, der sich durch alle Gassen des Dorfes

bewegte und das Abbrennen eines Feuers.

Besonders hervorzuheben ist, daß an diesem Festzug

die Vereine, Handwerker‑ u. Bauerngruppen, Gemeinde‑ u.

Kirchenvorstand, Schule, kurzum das ganze Dorf einig

und geschlossen teilnahm, was bisher hier noch nicht

zu erreichen war.    Bleibt einig!

 

Am 16. Juli wurde hier in Verbindung mit

dem Patronatsfest ein Wiesenfest veranstaltet. Es

begann mit einer würdigen Gefallenen-Gedenkfeier,

und dann führte ein Festzug die zahlreichen Teilnehmer

 

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zum Wiesenplatz außerhalb des Ortes, wo Musik, Reigen,

Gesänge und Belustigungen aller Art geboten wurden. Daran

schloß sich zum Schluß bei Crump noch eine schöne Saalfeier

mit Tanz.

 

Am 1. Oktober, dem Tage des Erntedankfestes beteiligte

sich Frohngau an dem Festzuge im nahen Blankenheim.

Im Rahmen dieser Veranstaltung war es Aufgabe unsres

Dorfes, die Arbeit und Art des Säens in vergangener und

gegenwärtiger Zeit darzustellen. Voran zog ein Pflug. Ihm

folgten Bauern mit Saetuch und -Korb. Dahinter be-

wegte sich ein geschmückter Festwagen, als Garten

hergerichtet, auf dem junge Mädchen in örtlich ländlicher

Tracht die verschiedensten Gartenarbeiten verrichteten. Ein Trupp

junger Burschen in Arbeitstracht, die verschiedensten

Gartenwerkzeuge tragend, beschloß die Gruppe. Der Abend

versammelte die Gde. im Saale Crump zu einer

frohen Erntedankfeier mit Gedichten, Gesängen, Volksliedern,

Reigen und deutschem Tanz. Eine solche Erntedankfeier hat

man bisher hier noch nicht gekannt.

 

1934

 

Am Volkstrauertage, nunmehr Heldengedenktag, gedachte

die hiesige Schule wie im vergangenen Jahre der gefallenen Helden

 des Dorfes und des ganzen Vaterlandes überhaupt.

Diesmal stand die Feier im Geiste und der Bedeutung der

Umbenennung dieses Tages.

 

Von den 19 Knaben unserer Schule gehören 14 dem der

 Hitler‑Jugend angeschlossenen Jungvolke an.

 

7.8.

 

Zum Ableben des Reichspräsidenten und Generalfeld-

marschalls v. Hindenburg fand in der hiesigen Schule eine Trauer-

feier statt. In seiner Ansprache hob der Lehrer die besonderen Ver-

dienste des verewigten Reichspräsidenten für unser Land hervor

und ermahnte die Schüler, nach dem Vorbild des Verstorbenen

in soldatischer Treue Volk und Vaterland zu dienen.

Die Anhörung der durch Rundfunk übertragenen Beisetzungsfeierlichkeiten

am Tannenbergdenkmal erfolgt in Buir, da hier ein Schul-Radio-

apparat nicht zur Verfügung steht.

 

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1935

 

Da der letzte Jahrgang fehlte, wurde zu Ostern kein Schüler (in) aus

der Schule entlassen. So wurden 3 Kinder (2 Mädchen, 1 Knabe) neu auf-

genommen, so daß die Jahrgänge nunmehr wieder vollzählig sind.

Die Schülerzahl beträgt 38.

 

Am diesjährigen deutschen Jugendfest nahmen an den Wettkämpfen

10 Schüler bzw. Schülerinnen teil. Während im vorigen Jahre kein

Kind siegreich war, errangen in diesem Jahre 9 einen Sieg u. zw.

4 Mädchen und 5 Knaben. Beste Sieger waren 3 Mädchen und 1 Knabe.

 

Ende November brach hier Scharlach aus. 8 Schulkinder sind bisher

erkrankt.

 

1936

 

Anfang Januar erkrankten noch 2 Schulkinder an

Scharlach.

 

In den Monaten Februar und März herrschten hier die Wind-

pocken. Ende März brachen die Masern aus.

 

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