Chronik der Schule zu Frohngau

 

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1908

 

Lehrer Wilfried Küppers 1. April 1908 bis 1. April 1912

 

Am 1. April trat der Lehrer Wilf. Küppers

die kommissarische Verwaltung der hiesigen Schule an.

Am selben Tage wurden 16 Kinder, (10 Mädchen und 6 Knaben)

in die Schule aufgenommen. Die Schule zählt 91 Kinder.

Die diesjährigen Osterferien dauerten vom 15. - 27. April,

die Pfingstferien vom 5. – 15. Juni, die Heuferien vom 1. – 21. Juli.

Am 25. August fand eine Revision der Schule durch den

Kreisschulinspektor Herrn Dr. Schaffrath statt.

Die Herbstferien waren vom 1. – 21. September 1908.

Am 22. September 08 hielten wir unseren Einzug in

die neue Schule.

Mit dem 23. Oktober wurde in hiesiger Schule eine

ländliche Fortbildungsschule eingerichtet, zu der sich 26

Schüler meldeten. An zwei Abenden der Woche wird vom

Lehrer Unterricht erteilt.

Im November 1908 wurde unser Schulhaus durch

den Herrn Pfarrer Hau eingeweiht.

Am 17. Dezember erschienen Herr Regierungs- und

Schulrat Dr. Wümmers, Herr Kreisschulinspektor Dr. Schaffrath

und Herr Pfarrer Hau in der Winterschule in Buir zur

Revision. Hoffentlich wird Buir mit dem nächsten Jahre

ein neues Schulhaus erhalten. Für den Gang nach Buir

wurden dem Lehrer 2 M zuerkannt. Die Zahl der

Schulkinder ist nahezu 30.

Wilfried Küppers, Lehrer

 

Originalseite

 

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1909

 

Am 27. Januar wurde das Wiegenfest seiner

Majestät, unseres Kaisers und Königs in üblicher

Weise begangen. Außer dem Ortsschulinspektor

beteiligten sich auch einige Mitglieder des Schul-

vorstandes an der Feier.

 

Die Halbtagsschule, zugleich die Winterschule

in Buir hörte mit dem 19. April auf, mit welchem

Tage Buir einen eigenen Lehrer, mit Namen Leuwer,

erhielt.

 

Nach den Osterferien wurden 5 Kinder aufge-

nommen, 2 entlassen. Der Herr Ortsschulinspektor

war zur Entlassungsprüfung nicht erschienen.

 

Am 11. Mai 1909 erschien der Herr Kreisschulinspek-

tor zur Revision in hiesiger Schule. Die Kinder

wurden geprüft in Gesang, Lesen, Rechnen, Erdbeschrei-

bung und Naturgeschichte.

 

Die diesjährigen Heuferien wurden auf die

Zeit vom 10. - 31. Juli festgesetzt.

 

Das alte Schulhaus wurde am 3. August öffent-

ich versteigert. Der hiesige Bürger Anton Notarius

erstand es für den Preis von 1250 M.

 

Für die Erteilung des Unterrichts an der ländlichen

Fortbildungsschule wurde dem Lehrer vom Aachener

Verein zur Beförderung der Arbeitsamkeit eine

Komuneration von 3 M für den Abend bewilligt.

 

Die Lehrerwohnung in der neuen Schule benutzt

seit Ostern ds. J. der Gemeindeförster Warmer.

Im Laufe des Sommers wurde der Zeichen-

unterricht nach der neuen Methode hier ein-

geführt.

 

Die Schule zählt 73 Kinder.

 

Die Kartoffelferien waren vom 1. – 21. Oktober.

 

Am 8. November 1909 starb ein Mitglied des

Schulvorstandes, der Gemeindevorsteher Christian Schnichels;

die Schulkinder beteiligten sich an seinem Begräbnis.

 

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Am 17. Dezember machte unsere Schule einen

Ausflug nach Walchrath, woselbst die Ruinen des

ehemaligen Bauerngutes „Walchrather Hof“ noch zu

finden sind. Im Volksmunde weiß man von dem

Verschwinden dieses Hofes viel Sagenhaftes zu berich-

ten. Vor einigen Jahren wurde dort noch eine Keller-

wölbung abgebrochen, deren Steine zum Bau

eines Stalles an dem kirch`schen Hause in Buir

gebraucht wurden.

 

Die diesjährigen Weihnachtsferien beginnen

am 22. Dezember und dauern bis nach Neujahr.

 

Frohngau, den 20. 12. 1909

 

Küppers, Lehrer

 

1910

 

Am 27. Januar fand wie alljährlich, de Feier des

Geburtstages unseres Kaisers statt. Der Ortsschulinspektor

Herr Pfarrer Hau beehrte das Fest mit seiner Gegenwart.

 

Im Monat Juli 1909 wurde in hiesiger Schule

eine Schulsparkasse eingerichtet nach dem System des

Lehrers Reinirkens in Essen-Ruhr. Bis zum 1. Februar

1910 belief sich die Summe der Spareinlage auf nahezu

80 M.

 

Am 22. März fand in Gegenwart des Herrn

Ortsschulinspektors Hau die Entlassungsprüfung statt,

zu der auch die Mitglieder des Schulvorstandes öffentlich

eingeladen waren. Den Schluß der schön verlaufenen

Prüfung bildete das mehrstimmig vorgetragene Lied:

An die Glocke.

 

Mit dem 5. April 1910 begann das neue Schuljahr;

die Zahl der Schüler beträgt 78. ein Kind wurde

entlassen, zehn aufgenommen. Es mußten 2 neue

Schulbänke angeschafft werden.

 

Am 18. April 1910 besuchte der Kreisschulinspektor

Herr Schulrat Dr. Schaffrath die hiesige Schule. Die

Kinder wurden geprüft in Deutsch, Rechnen und Geschichte.

 

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Während in den ersten Tagen des Maimonates der

Schnee in dichten Flocken fiel, gingen im letzten

Drittel recht viele und heftige Gewitter nieder.

Die Arbeiten an der neuen Schule sind noch immer

nicht beendet. Die Umfassungsmauer muß noch ab-

gedeckt werden, da die obere Schicht der Steine durch

die Einflüsse der Witterung anfängt, abzubrö­ckeln.

Der Keller ist sehr feucht; bei nassem Wetter steht

das Wasser oft fußhoch. Hier und da sind Türen und

Fenster, besonders die eisernen Vor‑ oder Doppelfenster

mangelhaft gearbeitet. So macht der Schulneubau

dem Baumeister Herrn Weiler aus Winnerath

noch viel zu schaffen.

 

Die Fenster des Schulsaales sind mit Zugvorhängen

versehen worden. Dieselben lieferte die Firma Laur.

Bollenrath aus Münstereifel im Preise von 22,80 Mark.

 

Anfangs Mai nahm Herr Dr. Westerhoff aus M-eifel

das Impfgeschäft in unserer Schule vor. Nach der

Aussage des Arztes sind die Kinder durchweg gesund

und kräftig.

 

Im verflossenen Jahr wurde die Straße vor der

Schule gebaut  in der Richtung nach Buir – Tondorf

bis hinter den sogenannten Kühbach. Während man

früher auf einem Wege den Bach überschritt, erhebt

sich dortselbst ein 4 M hoher Auftrag. Den Weg bau-

te der hiesige Hubert Radermacher, der im vorigen

Jahre die „Alte Gasse“ neu herrichtete. Im Jahre 1908

wurde die Straße in der Richtung nach Birkenheck

ausgebaut. So hat die Gemeinde unserem ziemlich

entlegenen Dorfe bessere Verbindungen geschaffen.

 

Zu einer kleinen Münzsammlung, welche der

Lehrer angelegt hat, brachten die Schüler nicht selten

alte Münzen mit der Umschrift: Gülich und

Bergische Scheidemünze, die auf dem Acker gefunden

waren. Dies hat wohl seinen Grund darin, daß das nahe

Städtchen Münstereifel ehemals zum Herzogtum Jülich

gehörte und die Einwohner unseres Dorfes früher, wie

 

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auch heute noch, viel mit M. geschäftlich verkehrten.

 

Bei Ausschachtungsarbeiten für das neue Schulgebäude fan­den

die Arbeiter ein großes, versteinertes Horn, das höchstwahr-

scheinlich von einer in vorgeschichtli­cher Zeit hier gehausten

Rinderart herstammte. Es ist in Münstereifel im Museum.

 

Die diesjährigen Osterferien waren vom (13.- 23) 25. März

bis 5. April; die Pfingstferien vom 14. bis 22. Mai.

 

Am Samstag, den 5. August 1910, bemerkten Buirer Leute,

die nach hier zur Kirche kamen, in unmittelbarer Nähe un-

seres Dorfes eine ausgewachsene wilde Sau, was besonders

auffallend erscheint, weil seit Jahren in der Frohngauer

Feldjagd keine mehr in die „ewigen Jagdgründe“ befördert worden ist.

 

Über Schulverhältnisse zu Anfang des 19. Jahrhunderts

berichtete dem Lehrer ein 86jähriger Mann aus dem

Dorfe folgendes: Zu meiner Kinderzeit stand das Schulhaus

ungefähr an der Stelle des alten Schulhauses etwas mehr

zur Straße hin. Es war ein kleines Gebäude, welches nur

zwei Zimmer enthielt. Der Lehrer unterrichtete und

besorgte gleichzeitig seine häuslichen Arbeiten. Der Schul-

zwang bestand zu dieser Zeit hier noch nicht. Infolgedessen

behielten die Leute ihre Kinder im Sommer zu Hause

bei der Arbeit. Jahrelang haben im Sommer nur 2 Kinder

die Schule besucht. Wenn dagegen im Winter die Rangen

zu Hause nicht mehr von der Mutter zu bändigen

waren, wurden sie zum Unterricht gejagt. Da war

natürlich nach solch langen Sommerferien alles ver-

schwitzt. -  Die Lehrer wurden von den Gemeindevätern

gewählt und angestellt. Das Gehalt betrug 1 Taler und

6 Groschen für jedes Kind. Da der Lehrer aber davon nicht

leben konnte, so setzte er im Sommer eine Zeit lang

den Unterricht aus und verdiente als Tagelöhner bei

den Bauern des Dorfes etwa 2 ½   Groschen pro Tag. Die

Schule eines gewissen jungen Lehrers Schmitz (§ 2)

wurde alle 14 Tage durch seinen Vater, der Lehrer in

Nöthen war, revidiert.

 

(§ 2) = siehe § 2 auf Seite 2

 

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Grundriß des alten und des neuen Schulgebäudes

 

 

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Das erste Schulhaus wurde in Frohngau errichtet

im Jahre 1689 vom Grafen Ernst Salentin von Blan-

kenheim. Es unterrichtete ein Schulvikar. Im Jahre

1838 wurde das alte und im Jahre 1907 das neue Schulgebäude

erbaut. An der Stelle des letzteren war bis dahin ein

schlammiger Brandweiher. Der Stein mit dem schönen

Vers „Der Schule gute Lehr: des Lebens Burg und Wehr“

wurde auf Veranlassung des Ortschulinspektors Herrn

Pfarrers Hau angebracht.

 

Am 16. Juni 1910 machte unsere Schule einen Ausflug

nach Blankenheim, an dem sich auch der Pfarrer freund-

lichst beteiligte. An der Römerbrücke gesellten die

Schulen von Engelgau und Zingsheim sich zu uns.

In Blankenheim trafen wir auf der Burgruine mit

den Schulen von Ripsdorf, Hüngersdorf und Alendorf

zusammen. Diese große Schar, etwa 300 an der Zahl,

besuchte zunächst die Ahrquelle, die deshalb schon

für die Kinder von großem Interesse war, weil dies

sonst so harmlose Flüßchen in der Nacht vom 12. auf

den 13. Juni 1910, also 3 Tage vorher, bei einer Über-

schwemmung über hundert Menschenleben forderte.

Nach einer gemütlichen Kaffeerast im Hotel Kölner

Hof machten wir einen Rundgang durch die „Stadt“

und marschierten unter frohem Gesang der Kinder

durch das Mürel wieder der Heimat zu.

 

Zu Anfang des Sommers brach unter Kindern Diphtherie

aus, die aber glücklicherweise keinen größeren Umfang

annahm.

 

Da der 19. Juli in die Zeit der Heuferien fällt, wurde

am 30. Juni die hundertjährige Wiederkehr des Todestages

der Königin Luise in unserer Schule festlich begangen.

Der Unterricht wurde an dem Tage ausgesetzt. Die Heuferien

sind vom 1. bis 21. Juli. Durch landrätliche Anordnung

wurden dieselben bis zum 1. August ausgedehnt.

 

In der Zeit vom 4. bis 14. August wurde in unserer

Pfarrkirche eine Mission abgehalten, an der sich die

Schuljugend rege beteiligte. Die Missionare waren aus

dem Lazaristenkloster Bochols bei Aachen.

 

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Im Laufe des Monates August wurde in hiesiger

Schule die dritte Turnstunde eingeführt.

 

Am 2. September feierten wir die 40jährige Wieder-

kehr der Schlacht von Sedan unter Ausfall des Unter-

richts.

 

Am 4. September war die amtliche Lehrerversamm-

lung des Kreises Schleiden in Call. Es wurde ein

Vortrag über Denkmalpflege und Heimatschutz gehalten.

 

In den Monaten Juli und August waren 5

Knaben der Oberstufe wochenlang vom Unterricht

befreit, weshalb in der betreffenden Abteilung

ein erfolgreicher Unterricht unmöglich ist.

 

Im Interesse der Heimatkunde dürften wohl folgen-

de Sagen Aufnahme in die Schulchronik finden:

 

1 . Als man in früheren Zeiten die Kirche auf dem

Michelsberg erbaute, kam der Teufel zu den Bau-

leuten und fragte sie: „Was baut ihr hier?" Sie ant-

worteten: „Eine Wirtschaft." Nach einigen Wochen

kam der Teufel wieder, um sich von dem Fortschritt

der Arbeiten zu überzeugen. Da er aber sah, daß

eine Kirche errichtet wurde, nahm er sieben

schwere Bausteine und warf sie wohl eine

Stunde weit. Man kann sie heute noch liegen

sehen am „Weißenstein.“ Es sind weiße Felsblöcke

von eigentümlicher Formation, wie sie in

ganzen Gegend weit und breit nicht mehr

zu finden ist. Ein Stein hat noch deutliche

Spuren von der Hand des Teufels behalten.

 

2. Ebenso bilden die schönen Felspartien in

der sogenannten Eisengrube und Dachshecke Gegen-

stand vieler Erzählungen. Nach dem Volksglauben

waren sie von Zwergen bewohnt. Die elf Teller

in der Höhle dienten ihnen als Tafelgeschirr. Den

Bauern auf dem Felde machten sie manchen

Schabernack, und nicht selten haben sie der über

Kirschbaum fahrenden Mühlen­karre einen Sack

Mehl gestohlen. Dagegen fanden arme Ackersleute

öfters ein Weißbrot am Pflug hängen. Von der

 

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Höhe aus ging ein unterirdischer Gang zum

Götzentempel nach Bouderath. Noch heute heißen

die Felsen Zwergsley oder Quergsley.

 

Selbst den Turm unserer niedlichen Dorf-

kirche umrankt die Sage. Sie stellt ihn dar als

eine Burg oder einen Aussichtsturm, von Blan-

kenheim aus gegründet. Wahrscheinlich stand er

vor der Kirche da. Die Mauern sind schon bau-

fällig geworden. Etwas Wahres ist doch an der

Sage. Die ganze Anlage der Kirche erinnert an

eine Burg. Der Burggraben ist in dem Pfarrgarten

und hinter der alten Schule zu suchen. In späterer

Zeit ist er an der nördlichen Seite ausgefüllt

wor­den durch Wege‑ und Häuserbau. Die west-

liche Kirchhofsmauer weist ein Gewölbe aus

alter Zeit auf. Auch würde man beim Neubau

einer Kirche wohl kaum an der jetzigen Stelle

einen Turmeingang geschaffen haben. Dazu

steht der Turm nicht mit dem Schiff der Kirche

in Ver­bindung.

 

3. Den alten Einwohnern unseres Dorfes sind

noch die Ruinen des Walchrather Hofes frisch im Ge-

dächtnis. Das plötzliche Verschwinden dieses großen

Bauerngutes hat ebenfalls die Sage ausgeschmückt.

Die Leute des Hofes pflegten nach Tondorf zur hl.

Messe zu gehen. Da nun der Weg dorthin nicht

gut im Dunkeln zu gehen war, läutete man eine

halbe Stunde lang. Einst, es war am hochheiligen

Christfest, da wartete man vergebens auf die

Kirchgänger von Walchrath. Boten, die man nach ihnen

ausschickte, fanden Eltern, Kinder und Gesinde er-

mor­det auf. Während der hl. Wandlung fiel ein

Blutstropfen auf den Altar.

 

Auch von einem Brande, der einen großen Teil

des Dorfes zerstört haben soll, berichtet der Volks­mund.

Am Kühbach sind noch Mauerreste zu finden.

Eine Parzelle führt noch den Namen: An der Schleif-

mühle. Auf dem sogenannten Büchel sind die kleinen

Wiesen und Gärten stellen­weise noch mit Fundamenten

und Mauerwerk umgrenzt. - Geschichtlich ist der Brand 1620.

Die Abgebrannten hielten sich vorübergehend in Langscheid auf.

 

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4. Geht man über den Heinzenberg zum Mürel (Morr)

so begegnet man an der Römerbrücke einer schönen

Fichtenkultur. Dieser Wald gehört der Gemeinde Tondorf,

soll aber früher Frohngau­er Eigentum gewesen sein.

Da hat es nach der Sage so gegangen:

 

Die beiden Gemeinden gerieten in Streit über den

Besitz des Waldes. Ein Tondorfer Einwohner hatte

sich daheim seine Schuhe mit Dreck gefüllt und be-

hauptete nun feierlich: Ich stehe hier auf Tondorfer

Erde. So kam der Wald in fremde Hände durch seine

List. Aber nach seinem Tode wurde seine Seele zur

Tierwan­derung verdammt. Auf einem weißen

Roß umritt er in den Sturmnächten den Wald

und rief immerfort: "Wo soll ich ihn setzen, wo

soll ich ihn setzen?' Er meinte den Grenzstein.

 

5. In den alten Erzählungen spielt vielfach Schinder-

hannes oder, wie die Leute hier zu Lande sagen Schin-

derjohannes F eine große Rolle. Dieser „berühmte“

Einbrecher soll aus Schönau gebürtig gewesen sein.

Bei Reichen stahl er, und Arme beschenkte er. Bei

der Gerichtsverhandlung in Coblenz soll einer seiner

Gefährten und Diebesgenossen eingestanden haben:

Ein Knäuel Garn war mein erster Diebstahl. Die

Mutter sagte dazu: davon kannst du mir noch mehr

bringen. Noch heute nennt man in unserer

Gegend Häuser, in die zu dieser Zeit die berüch-

tigte Bande eingebrochen ist.

 

6. Erwähnt sei auch an dieser Stelle die sage vom

Kartstein oder der Kakushöhle bei Eiserfey, wo

drei gewohnheitsmäßige Trinker und Kartenspieler

am Ostertag durch eine Erscheinung des Höllenfürsten

verscheucht wurden. Samstags frönten die drei

während der hl Messe ihren Leidenschaften. (Müllermeister)

 

7. Oberhalb unseres Dorfes, am Wege nach Engelgau,

erhebt sich ein Gebirgsrücken, die Krauß, im

Volksmunde Krüß geheißen. Die Spitze dieses

Hügels ist durch ein weitsichtbares hölzer­nes

 

F   Der geschichtliche Schinderhannes ist es nicht.

 

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Kreuz gekrönt. Dieses wurde im Jahre 1903 an

die Stelle eines alten, morschgeworde­nen Stand-

bildes errichtet. Dortselbst hat nach der Sage im

Mittelalter zur Zeit der Raubritter ein Galgen

gestanden. Die Hingerichteten wurden auf einem

Acker in der Nähe des Dorfes, der heute noch den

Namen „Der Grof“ F, was so viel bedeutet wie

Grabstätte, führt. In neuerer Zeit sind dortselbst

öfters Knochen ausgegraben worden. Alte Schreibweise

                                                   heißt Graus (Schrecken)

 

Als in diesem Jahre die Scheune des Ackerers

Evertz erweitert wurde, fand man unterirdisch einen

Stollen, indem früher einmal Eisenstein gegraben

worden war. Dasselbe wird auch von der Eisengrube

behauptet. Doch ist Schreiber dieser Zeilen der Ansicht,

daß der Name von Einsenkgrube herzuleiten ist.

Der Brombach geht nämlich am Hilbergarten in

die Erde und kommt in der genannten Grube

wieder als Quelle heraus. Nun ist es ja leicht

denkbar, daß die Erdschicht, die den Lauf des Wassers

bedeckt, hier und da von einem schweren Fuhrwerk

zum Sinken gebracht wurde         --------

 

Die Herbstferien waren vom 1. - 21. Oktober 10.

 

Mit dem 11.11.1910 wurde mit dem Unter-

richt in der Abendschule begonnen. Es nahmen

16 Schüler teil, die meisten Jungen arbeiten in Mülheim.

 

Nach den Herbstferien wurden 5 Schüler entlassen,

es bleiben demnach noch 73.

 

Es wurden in diesem Jahre folgende Anschaf-

fungen für die Schule gemacht: Zerlegbarer Würfel,

10 geometrische Körper, eine Schultafel mit Gestell,

eine Gertig-Lesemaschine, 30 Turnstäbe, 10 Lese-

bücher für Fortbildungsschulen; Reck und Barren

sind zur Anfertigung in Auftrag gegeben.

 

Am 1. Dezember 1910 hatte Frohngau 285

Einwohner. Es waren nur noch 46 bewohnte Häuser

im Dorfe. Im Sommer des Jahres 1909

waren es noch 51 bewohnte Häuser; 3 starben

aus, 1 brannte nieder und 1 Familie verzog.

 

F Der Grof ist ein ehemaliger Judenfriedhof, der neben dem „Stück des Halfen“ lag.

 

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Das Kruzifix in unserer Schule wurde von

einem Herrn aus Köln, der die Kunstdenkmäler

in hiesiger Gegend studiert, als ein Altertüm-

chen von künstlerischem Wert bezeichnet.

Sowohl Kirche als auch Kruzifix wurden photo-

graphiert

Frohngau, den 23. Dezember 1910 Küppers

 

1911

 

Nach dreijähriger Pause trat am

Sonntag, den 8. Januar der Männergesang-

verein Frohngau- Buir wieder zusammen.

Zum Vorsitzenden wurde Hubert Grons,

zum Schriftführer Wilhelm Schnichels und

zum Kassierer Lorenz Meyer gewählt. Diri-

gent ist der Lehrer. Der Verein zählt etwa 40 Mitgl.

 

Im hohen Alter von 90 Jahren starb am

21. Januar der hiesige Zimmermann Jakob

Notarius. Geboren war er im Jahre 1821.

 

Am 27. Januar feierten wir den Geburts-

tag Sr. Majestät. Wie üblich, wurden auch

jetzt 100 sogenannte Kaiserwecken verteilt.

 

Vom Herrn Regierungspräsidenten wurde

der ländl. Fortbildungsschule die Summe von

20 M zur Beschaffung neuer Bücher bewilligt.

Es wurden dafür 10 Rechenbücher, Kraupelins

Naturstudium, Franke`s Bürgerkunde, Handbuch

von Sauge, und Vogelarten von Gemsius (2 Bd.)

angeschafft. Die Fortbildungs-Bibliothek

besteht also schon aus 25 Büchern. Am Freitag

den 17. März fand die Schlußprüfung in der

Fortb. Schule statt. Einem fleißigen Schüler

wurde ein Buch mit einer Widmung über-

reicht. Die Besoldung des Lehrers betrug 90 M.

 

Am 22. März 1911, mittags gegen 12 Uhr wurden

die Einwohner unseres Dorfes in großen Schrecken

gesetzt, da in dem Hause des Ackerers Johann

Notarius Feuer ausbrach. Obwohl sechs auswärtige

 

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Spritzen zur Stelle waren, brannte das Haus

mit Stallungen und Scheune vollständig

nieder. - Seit dem Jahre 1870 haben 6 Schaden-

feuer in unserem Ort gewütet, nämlich

bei Radermacher an der Helt 39, bei Ägidius Heinen

am Ausgange nach Blankenheim, bei Schell (Nr. 9)

(jetzt von Wilhelm Mahlberg bewohnt), bei Heß in

der Horngasse 13 (durch Blitzschlag), bei Hansen

an der Graus im Jahre 1909.

 

Zu Beginn des neuen Schuljahres wurden

(am 1. April) 10 neue Schüler aufgenommen.

Im verflossenen Schuljahr wurden 19 Kinder

entlassen. Die Zahl der Schüler ist somit 69.

 

Am 3. April 1911 wurden auf dem Schul-

hofe Barren und Reck aufgestellt. Beide

Turngeräte sind vom Schreiner Wilhelm Schnichels

hierselbst angefertigt worden.

 

Das Heizen und Reinigen des Schulsaales

übernahm am 1. April Marg. Schneider

von hier für eine jährliche Vergütung von

36 M. Bisher war dies Geschäft von Katharina

Brenner besorgt worden.

 

Im April 1911 wurde Lehrer Küppers endgültig

angestellt mit rückwirkender Kraft vom 1. Januar.

 

Die Osterferien waren vom 13. – 23. April.

 

Bei der Untersuchung der Schulkinder durch den

Impf-Arzt Dr. Westerhoff wurde ein Fall von

Knochentuberkulose festgestellt und zwar bei

der 7 Jahre alten Anna Hehs.

 

In dem engen Kamin der Schulwohnung

geriet am 13. Juni der Ruß in Brand. Die

Glut erstreckte sich vom Keller bis zum Speicher,

konnte aber leicht gelöscht werden. Durch mangel-

haftes Reinigen wurde der Brand verursacht.

 

Am Sonntag nach Pfingsten feierte der

Vorsitzende des Schulvorstandes, Herr Bürgermeister

Schmitz in Zingsheim sein 25jähriges Dienstjubiläum

 

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in der neuen Halle. Das Fest nahm einen

würdigen und schönen Verlauf. Die Zahl der

Festteilnehmer betrug wohl 1000. Als Vertreter

der Lehrerschaft hielt Herr Lehrer Krings von Weyer

eine schwungvolle Rede, in der der Jubilar

als Förderer der Schule und Freund der Lehrerschaft

gefeiert wurde.

 

Vom Norddeutsche Lloyd und der Hamburg-

Amerika-Linie erhielt der Lehrer auf seine

Anfrage hin eine ganze Sammlung herrlicher

Anschauungsbilder und Broschüren, die teil-

weise beim Unterricht gute Verwendung

finden.

 

Für die hiesige Schule wurden im Sommer 1911 angesch.

18 neue Schulbänke „Rhenus“ für den Preis

von 572 M. Die Kreiskasse und die Regierung

hatten hierzu je 250 M Beihilfe gewährt. Die

Anregung ging vom Kgl. Baurat Herrn De Ball aus.

 

Aus alten Büchern und Handschriften hat

der Lehrer manche Einzelheiten aus der Geschichte

des Dorfes Frohngau gesammelt, die von

Interesse sind, um in die Schulchronik einge-

tragen zu werden.

 

Die Zeit der Gründung des Dorfes ist un-

bekannt. Der Name wird vom Volke gewöhnlich

vom Frondienst abgeleitet, welche Deutung aber

unwahrscheinlich ist. In vorgeschichtlicher Zeit soll

an der Stelle der Pfarrkirche eine Opferstätte

der Göttin Frugata gewesen sein, nachdem

der Ort später benannt worden wäre. Um das

Jahr 1400 ist zuerst davon die Rede. Der Ort

ist dazumal Fraungau. Daß auch die Römer

hier gewesen sind, beweisen die Funde von

Münzen und Grabstätten bei Engelgau. Im

Jahre 1580 sind spanische Truppen im Dorfe ge-

wesen. (?) Eine alte Handschrift sagt, daß die Kirche

 

Originalseite

 

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im Nordwesten des Dorfes liege, während sie

jetzt im Süden steht. Da sie jedoch niemals

auf einer anderen Stelle gestanden hat, ist diese

Tatsa­che nicht anders zu erklären, als daß die

Häuser vor dem Brande auf dem Hag und

Büchel bis zur Schleifmühle (Parzelle am Kühbach)

gestanden haben 1620  F. Um diese Zeit standen

hier einige Lehnsgüter. Um das Jahr 1600 wird

Frohngau genannt. Es heißt im Koblenzer Staats-

archiv, daß Pfarrer „Bernhard selig“ damals wöchent-

lich hier eine Messe halten mußte. Frohngau war

Filiale von Tondorf. Unter dem Grafen Salentin

Ernst von Blankenheim (1644‑1694) wurde in der

Kirche zu „Frohn­gau“ ein Opferkasten aufgehängt

für das Kloster St. Elisabeth von Blankenheim. Eine

damals hier gebräuchliche Scheidemünze hieß Blaffert.

Sie hatte einen Wert von 30 Pf. (Köln-Trier). Unter

diesem Grafen wurde 1689 an der Stelle des alten

Schulhauses die erste Schule erbaut, ein kleines

Gebäude, das nur 2 Zimmer enthielt. Jedes

Haus von Frohngau mußte dem Pastor, der hier

allwöchentlich die Messe las, ein halbes Malter

Hafer und ein sechspfündiges Brot liefern. Der

letzte, der diese Rente genoß, war Pastor Jetzig

aus Esch im Jahre 1652. Frohngau suchte sich in

der Folgezeit, besonders unter dem Pastor Liven,

welcher 1705 starb, selbstständig zu machen. Frohngau

bekam einen eigenen Geistlichen, der den Titel

Primissar führte 1713. Dieser mußte auch Schul-

unterricht erteilen. Für die drei Patrocinien

erhielt der Pastor 12 Albus (Weißpfennig, Silber-

scheidemünze 12 Pf) später 18 Petermännchen. Damals

hatte Frohngau, Gau genannt, 28 Häuser. Im Jahre

1716 kam ein neuer Schullehrer Primissar Lyon,

der auf Veranlassung des Blankenheimer Grafen

geschickt worden war, nach hier. Den Jugendunterricht

erteilte er nur im Winter. Er bezog ein Gehalt

von 100 Reichstalern. Die Kirchenmeister von hier

mußten dem Grafen den Treueid leisten. Jugend-

unterricht erteilten 1743 Vikar H…. ; später Stephan

 

F Nachher sind die Schallöcher an der östlichen Seite zugemauert worden.

 

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Bongard; 1775 Nikolaus Josef Everartz, F dessen

Name noch heute in dem „Herr Everartz Brunnen“

im Volksmunde weiterlebt. Mit der Vertreibung

der Gräfin Augusta, die mit dem böhmischen Grafen

Sternberg vermählt war, hörte das Abhängigkeits-

verhältnis auf. Die Franzosen bemächtigten sich 1794

der Burg. Sie wurde 1810 zum Abbruch verkauft.

Mauersteine, Hauwerk und besonders geschnitzte

ei­chene Türen und Geräte wanderten in die

umliegenden Ortschaften, blieben aber zum

größten Teil in Blankenheim. Ähnlich ging

es mit anderen Burgen. So rührt das Wappen

am Hause von Crump (Neu Blum) von Dollen-

dorf her. An die Herrschaft der Grafen erinnern

noch die Ausdrü­cke: „Am Scheuerplatz“ (Auf der Hardt)

und „An der Zehntscheune“ (der Schmiede gegen­über).

Die wurde im Jahre 1810 an den Ackerer Grons

für ………. verkauft. - Zu Anfang des 19. Jahr-

hunderts erhielt die Schule von Frohngau die

ersten weltlichen Lehrer von denen eingangs

dieser Chronik zu lesen ist. – Der damalige Verkehr

war äußerst gering. Kam doch nur alle zwei Wochen

der Blankenheimer Karrich (Postwagen) der die Ver-

bindung mit Köln bewerkstelligte. Die Ver­kehrs-

straße war die Römerstraße, die von der Römer-

brücke über den Heinzenberg auf der Grenze

zwischen hier und Engelgau verlief. Außerdem

ging jede Woche der Blankenheimer Both (Bote)

nach Köln. Mit der Landstraße Köln ‑Trier bekam

der Postwagen einen besseren Weg. Die Bewohner

von Frohngau nahmen ihre Postsachen gewöhnlich

in Tondorf gelegent­lich in Empfang. Vor 100 Jahren

gestalteten sich die Arbeiten des Landmannes

 

F Auf einer Gedenktafel in der Kirche ist außerdem von

den Rektoren Dahm und Rauh die Rede.

 

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teilweise ganz anders als heute. Es war damals

die Schiffelwirtschaft üblich. Als Halmfrucht galt

fast ausschließlich der Spelz (Dinkelweizen; danach

hat der Kalkboden heute noch seinen Namen). Auch

wurde Flachs angebaut und die Weberei war

Hausindustrie. Wegen Mangels an Dünger lagen

große Strecken unbebaut. Auf diese trieb man

Schaf‑, Schweine‑ und Rindviehherden, zu welchem

Zwecke 3 Hirten von der Gemeinde angestellt waren.

In manch anderen Dörfern kam dazu noch eine

Ziegenherde. - Im Gemeindewalde waren nur

Buchen‑ und Eichenbestände. Die Privatleute legten

Lohschläge an. So blieben von den Buchenwäldern

nur noch spärliche Überreste. In den Wäldern

wurden Kohlen gebrannt, wie man dies an

den Meilergruben in Hau und Gemeinde

noch deutlich sehen kann. In den dreißi­ger Jahren

des 19. Jahrhunderts fing man an, Fichtenkulturen

anzulegen, doch standen die Bewohner dem Unter-

nehmen der Forstleute sehr mißtrauisch gegenüber.

Allmählich bür­gerten sich die Nadelhölzer ein, zumal

die Preise der Lohe immer mehr sanken. –

 

Die Heuferien waren vom 1. – 21. Juli. Am 15. Juli

war der ehrwürdige Herr Kardinal und Erzbischof

Dr. Fischer zur Firmung in unserer Pfarrkirche.

 

Wegen der ungewöhnlich großen Hitze muß der

Nachmittags-Unterricht größtenteils ausfallen. Das

Thermometer zeigt manchmal morgens 9 Uhr 27 o;

in Sonne erreicht die Hitze zuweilen am Nach-

mittag 50 o. Von der kgl. Regierung wurde unterm 2.8.1911

angeordnet, auch am Vormittag den Unterricht völlig

auszusetzen, über die geltenden Bestimmungen hinaus.

Die Hitze und Dürre hat in diesem Jahre die Getreide-

ernte begünstigt, richtet aber im Walde besonders

bei jungen Fichtenpflanzen großen Schaden an.

Viele Obstbäume sind verdorrt. In der Bürgermeisterei

sind an vielen Stellen Waldbrände ausgebrochen.

In Buir brannten vier, in Tondorf fünf Häuser ab.

 

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Seite 124

 

Am 4. September 1911 war die Lehrerversammlung

in Kall. Es wurde über die schädlichen Folgen

des übermäßigen Alkoholgenusses gesprochen.

 

Im September wurde ein neues Inventar-

verzeichnis der Schule aufgestellt.

 

Am 28. Sept. 1911 war Herr Kreisschulinspektor

Dr. Schaffrath zur Revision hier. 

 

Vom 2. - 23. Oktober waren die diesjährigen

Herbstferien.

 

Am Freitag, den 20. Okt. 1911 hatten die

hiesigen Schulkinder das große Glück, Seine Majestät,

unseren allergnädigsten Kaiser u. König Wilhelm II

auf seiner Durchreise nach Lieser, bei Buirhaus

zu sehen. In Münstereifel hatte der Kaiser die

Kostbarkeiten der Pfarrkirche besichtigt.

 

Am 3. November 1911 wurde mit dem

Unterrichte in der ländlichen Fortbildungs-

Schule begonnen. Es meldeten sich 15 Schüler.

Es nahmen so wenig junge Leute teil, weil

eine große Zahl, ca. 25 Mann an der neuen

Bahnstrecke Ahrdorf-Blankenheim beschäftigt sind.

 

1912

 

Die Weihnachtsferien waren vom 22. Dez. 1911 bis

3. Januar 1912.

 

Am 12. Januar war in der Schule zu Frohngau Reichs-

tagswahl für den Wahlbezirk Frohngau, - Engelgau - Buir.

Sämtliche Wahlzettel lauteten auf den Zentrumskandidaten.

 

In der Zeit vom 1. Mai 1911 bis 1. Februar 1912 fiel der

Unterricht infolge großer Hitze oder durch Schulfeste, Versamm-

lungen und dergl. an 43 halben Tagen aus. Es waren im

ganzen 256 Schulbesuchshalbtage. Die Gesamtzahl der

Versäumnisse betrug 1260 ist gleich 18 Halbtagen auf

70 Kinder gerechnet. Turn- Handarbeits- und Religionsunter-

richt fielen im ganzen in 39 Stunden aus gleich 39 : 3 = 13

Halbtagen. Es blieben somit noch 256 - 18 - 13 = 225 Halbtage.

 

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Seite 125

 

Die Kinder der 8 oberen Jahrgänge hatten darauf 225 x 3 = 675

Unterrichtsstunden, die der beiden ersten 450. Das sind

pro Tag etwa 2 Stunden 25 Minuten für 1. und 1 St. 36 M.

für die 2. Abteilung, wenn Ferien und Feiertage mit

berechnet werden. Auf jeden schulpflichtigen Wochentag ent-

fielen für jedes Kind 3 St. 48 M. bz. 2 St. 32 M. Davon gehen

jeden Tag durchschnittlich 25 Minuten für Pausen ab. Die

oberen Jahrgänge hatten also nur 3 Stunden 23 Minuten

Unterricht an jedem Schultag, während die Unterrichtszeit bei

ganz normalen Verhältnissen 4 Stunden 35 Minuten

dauern müßte. Jeder Schüler erhielt also in den verflossenen

9 Monaten täglich 1 Stunde 12 Minuten zu wenig Unterricht.

 

Der Schluß der diesjährigen Fortbildungsschule war

am 19. März. Zwei vom Kreis geschenkte Bücher aus

der Sammlung „Des Landmanns Feierabende“ wurden

verteilt.

 

Nach vierjähriger Tätigkeit an der Schule zu Frohngau

trat Lehrer Wilhelm Küppers am 1. April 1912 seine

neue Stelle in Brand (Aachener Land) an.

 

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Zu Seite 125 Lehrer Josef Jouhsen